Die Sollners machen Schluss mit ihrer „Chocomanie“ in der Kelheimer Altstadt

Von Beate Weigert · 5. Mai 2026 um 18:30

Einst buk Georg Sollner Zimtschnecken für die Leckermäuler im kanadischen Vancouver. Die Liebe brachte ihn zurück nach Niederbayern. Viele Jahre gehörte sein Herzblut Praline und Co. Demnächst sperren er und seine Frau Petra ihr Geschäft mit Schoko-Manufaktur in Kelheim zu.

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„Grüß dich, George“, sagt ein Stammkunde, als er Kelheims Laden mit den süßen Geschenken am Ludwigsplatz betritt. Eigentlich heißt er Georg. „In Kelheim nennen mich aber alle George (ausgesprochen wie im Englischen)“, sagt Georg Sollner und grinst. Einst arbeitete er 8000 Kilometer entfernt im kanadischen Vancouver – und dachte es wäre für immer. Bald werden sie ihn nur mehr privat George nennen. Denn der auf schokoladige Leckereien spezialisierte Konditormeister und seine Frau Petra sperren demnächst ihre „Chocomanie“ zu.

Mit 68 Jahren hängt Sollner, der in Saal aufgewachsen ist und in Ihrlerstein lebt, seine Konditorenjacke an den Nagel. Beim letzten Weihnachtsgeschäft haben er und seine Frau gemerkt, wie sie die Arbeit schlauchte. „Wir sind an unsere Grenzen gekommen“, sagt Petra Sollner. Zu Jahresbeginn fiel der Entschluss aufzuhören. Und nun ist es bald soweit.

Er arbeitete in der Schweiz und in Kanada

Bevor er seine Frau kennenlernte, zog es Sollner in die weite Welt. Zunächst in die Schweiz, später nach Kanada. Ein paar Jahre arbeitete er in Nickels Bakery in Vancouver. Dort gehörten weniger Pralinen, sondern die in ganz Nordamerika beliebten Zimtschnecken, die Cinnamon Rolls mit der dicken Glasur, zur täglichen Arbeit. Die Bakery gibt es immer noch. Doch auf Urlaub in der Heimat lernte George seine Petra kennen – und kam zurück.

Fast zwei Jahrzehnte arbeitete er als Produktionsleiter bei einem Pralinenhersteller in Laaber. Dort wurde im großen Stil Süßes produziert.

Am 4. Juni 2012 machten sich Sollners selbstständig. Beim Namen für das Geschäft „habe ich mich durchgesetzt“, blickt Petra Sollner zurück. So hieß es Chocomanie. Ihr Mann hatte „Sollners süße Geschenke“ favorisiert.

Im Juni 2012 folgte die „Chocomanie“ auf die „Weiße Büffelfrau“. Mit dem Namen setzte sich Petra Sollner durch. Wäre es nach ihrem Mann gegangen, hätte der Laden „Sollners süße Geschenke“ geheißen, verrät die 62-Jährige. - Foto: Beate Weigert

Im Schnitt verarbeitete er seither pro Jahr gut zwei Tonnen Schokolade. Georg Sollner war für das Kreative und die Produktion zuständig, seine Frau kümmerte sich um den Laden in der Kelheimer Innenstadt. Da kam ihr ihre kaufmännische Ausbildung durchaus zugute, sagt sie. Die gelernte Einkäuferin managte das Schokoladen-Geschäft. Dort, wo zuvor die „Weiße Büffelfrau“ ihre Räume hatte, gab es nun Schokotafeln und Pralinen verschiedenster Art. Für Gastgeschenke oder Kelheim-Liebhaber waren die Schokotafel mit Befreiungshalle darauf im Angebot oder Pralinen mit Fotos der Kelheimer Sehenswürdigkeiten.

Eine Kundin kommt herein und ordert zielgerichtet eine Tüte „Cappuccino-Tassen“. Die Pralinen, die aussehen, wie die Miniatur des gleichnamigen Heißgetränks, waren bei den Kelheimern „der Renner“, sagt Georg Sollner. Überhaupt waren die Kreisstädter und die Landkreisbürger aus den umliegenden Gemeinden waren zu „99 Prozent“ die Kunden. Und die mochten es gerne süß, wissen Sollners. Von Touristen im Sommer habe man weniger profitiert, denn da ist es bekanntlich warm und das machte den Schokoladentransport schwierig.

Sein Handwerk lernte Georg Sollner in den 1970ern im Café Aman (heute: Café am Donautor), später arbeitete er unter anderem auch im Café Markl.

Es war vor allem die kreative Arbeit, aus Rohwaren neue Produkte zu kreieren, die Georg Sollner liebte. In seine süßen Erzeugnisse kamen ihm nur Qualitätsprodukte aus Belgien und Frankreich. 2014 bot der Schokolieferant Sollners an, ihre eigene Schokolade zu kreieren. Das war eine schöne Erfahrung, sagen sie. Doch die wäre aber doppelt so teuer gewesen. Und der Preis spielt bei allem Genuss bei den Kunden schon eine Rolle. Das merkte Georg Sollner unter anderem als die rosafarbene Ruby-Schokolade in Mode kam. Reine Fruchtschokolade-Täfelchen verkauften sich nicht so einfach. Seit innen drin ein weißer oder dunkler Kern steckt und nur die Optik rosa ist, kamen die Kelheimer Schleckermäuler auf den Geschmack.

Hanf-Pralinen und Vorfreude auf Stausacker Beach

Die Fruchtschokolade ist Georg Sollners persönlicher Favorit. Am liebsten mit 70 Prozent Kakao-Anteil. Eine besondere Erinnerung hängt noch als Foto an der Wand im Laden. Zu Coronazeiten marschierten eines Tages die aus dem TV bekannten Woidboyz auf der Suche nach Kelheimer Schmankerln durch die Tür. Mit ihnen fertigte Georg Sollner Hanf-Pralinen – und zeigte ihnen auch seine Formen für erotische Schokoladen, die er auf Wunsch für Kunden fertigte.

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass sie aufhören. Entsprechend decken sich Ältere wie Jüngere noch mit Schokolade ein. „Ich werde Sie schwer vermissen, aber ich gönne Ihnen den Ruhestand“, sagt eine Stammkundin zum Abschied.

Wie lange genau die „Chocomanie“ noch aufhaben wird, können sie nicht genau sagen. „So lange die Ware reicht. Wenn sie aus ist, sperren wir zu“, sagen Sollners. Bis Ende Juni wird dann ausgeräumt. Ein Nachfolger für ihr Geschäft fand sich nicht. Schöne Sommertage wollen sie am „Stausacker Beach“ zum Baden an der Donau nutzen und auch zwei Reisen sind gebucht. Unter anderem eine durch den Süden Englands, auf „Rosamunde Pilchers Spuren“.