Schocknachricht für den Vilsecker Bürgermeister: 5000 US-Soldaten stehen vor dem Abzug

Von Theresa Baumann, Isolde Stöcker-Gietl · 4. Mai 2026 um 17:29

Seinen ersten Tag im Amt hatte sich der Bürgermeister von Vilseck (Landkreis Amberg-Sulzbach) Thorsten Grädler (Einheitsblock – Freie Wählerschaft) anders vorgestellt. Statt einer Begrüßung und ein paar Terminen, lief das Telefon heiß. Der Grund: Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks aus Militärkreisen will der US-Präsident rund 5000 Soldaten vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Landkreis Neumarkt) abziehen.

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Um 11 Uhr vormittags hat Grädler von den Recherchen des Senders erfahren „und es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“. Konkret gehe es bei den Soldaten um die Stryker-Brigade, die in den Rose Barracks in Vilseck stationiert ist. Eine Anfrage der Mediengruppe Bayern im Pentagon lieferte keine Bestätigung für entsprechende Planungen.

Chef-Pentagonsprecher Sean Parnell teilte mit: „Wir gehen davon aus, dass der Abzug innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate abgeschlossen sein wird.“ Wo und wie viele US-Soldaten aus Deutschland abgezogen würden, ließ er offen.

Vilsecker Bürgermeister: Abzug der US-Soldaten hätte fatale Folgen

Es gehe hier um eine 80-jährige tiefgehende Freundschaft zwischen Deutschland und den USA, sagt Bürgermeister Grädler. In der Stadt mit rund 6500 Einwohnern leben rund 5000 US-Bürger. „Vilseck und die US-Army gehören zusammen. Ich kann mir die Stadt ohne amerikanische Mitbürger überhaupt nicht vorstellen“, so Grädler. „Wir reden hier von Freundschaften, Vereinsverbindungen und einem harmonischen Zusammenleben über viele Jahrzehnte hinweg. Soll das jetzt alles vorbei sein?“

Das zu verhindern ist aber keine Aufgabe für den Bürgermeister von Vilseck!Thorsten Grädler, Bürgermeister von Vilseck

Deutschlandweit sind derzeit knapp 40.000 US-Soldaten stationiert. Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr – zu dem auch der Standort Vilseck gehört – ist mit rund 16.000 Soldaten der größte in Europa. Etwa 30.000 Familienangehörige und Zivilbeschäftigte leben im Umfeld der stationierten Soldaten. Allein die Wirtschaftskraft des Truppenübungsplatzes betrage geschätzte 600 bis 650 Millionen Euro, sagt der Bürgermeister.

Er fordert deshalb, dass die Landes- und Bundespolitik hier rasch handeln müsse. Es müsse alles daran gesetzt werden, diese Entscheidung des US-Präsidenten rückgängig zu machen. Ein Abzug hätte fatale wirtschaftliche Folgen für die Region. „Das zu verhindern ist aber keine Aufgabe für den Bürgermeister von Vilseck!“ Komplett geschlossen würde der Vilsecker Stützpunkt zwar nicht. Aber auch dazu hat Grädler noch keine gesicherten Informationen.

EU-Abgeordneter: Vorhaben als Weckruf für Europa und Deutschland

Die Ankündigung sorgt auch in Berlin und Brüssel für scharfe Kritik. Der Oberpfälzer Europaabgeordnete Christian Doleschal (CSU) schreibt: „Der angekündigte Abzug von rund 5000 US-Soldaten betrifft unsere Region unmittelbar, sicherheitspolitisch wie wirtschaftlich. Tausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an den Standorten, von zivilen Beschäftigten bis hin zu regionalen Betrieben und dem Einzelhandel.“ Die Ankündigung sei auch ein Weckruf, dass Europa und Deutschland mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen müssten.

Das wäre ein absolut falsches Signal des US-Präsidenten für den Zusammenhalt in der Nato gegen die russische Bedrohung.Thomas Erndl, Deggendorfer Bundestagsabgeordnete

Der Deggendorfer Bundestagsabgeordnete Thomas Erndl (CSU) teilt mit: „Es wäre schlecht für die Region, wenn es so käme. Das wäre ein absolut falsches Signal des US-Präsidenten für den Zusammenhalt in der Nato gegen die russische Bedrohung. Die Bundesregierung muss das im Detail mit der US-Regierung besprechen und auch hinterfragen.“

Ist der Übungsplatz in Hohenfels unersetzbar?

Dass ein Abzug von amerikanischen Soldaten auch am Markt Hohenfels nicht spurlos vorübergehen würde, bestätigte Christian Graf (Unabhängige Parteifreie Wähler Hohenfelser Land). Dennoch bleibt der Bürgermeister ruhig: „Das ist dasselbe wie vor sechs Jahren, als es hieß: Biden gegen Trump. Da sind die Truppen geblieben.“

Angesichts der Sprunghaftigkeit Donald Trumps geht Graf davon aus, dass der amerikanische Präsident die Soldaten auch diesmal nicht abzieht. „Hohenfels hat eine einzigartige Topographie als Truppenübungsplatz. Das ist der einzige Platz außerhalb der Staaten mit dieser Ausstattung. Da müssen sich die Amerikaner schon genau überlegen, was sie machen.“