Warum die Städtepartnerschaft mit Recoaro Terme wichtig ist – Ein Fazit

Von Jochen Dannenberg · 5. Mai 2026 um 11:00

Seit fast 40 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Neustadt und Recoaro Terme. In Kürze wird dafür auf Neustädter Seite ein neuer Referent zuständig sein, denn Anton Stadler gibt das Amt aufgrund seines Rückzugs aus dem Stadtrat auf. Was bleibt? Das ist sein Fazit.

Die Bilanz des 56-Jährigen, der dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören wird, fällt positiv aus, wobei sie sich nur schwierig in einem Satz formulieren lässt. Dafür waren Stadlers Aktivitäten in den neun Jahren, in denen er sich als Stadtrat um die Städtepartnerschaft mit Recoaro Terme gekümmert hat, schlicht zu vielfältig. Immer wieder hat er in dieser Zeit Kontakte hergestellt, Aktionen in Recoaro und Neustadt organisiert, Besucher betreut und zum Beispiele Praktikumsplätze für Schülerinnen und Schüler der Hotelfachschule Recoaro Terme in Neustadt besorgt.

Was bleibt, sagt er, sind vor allem die Begegnungen zwischen Deutschen und Italienern. Es gehe um den „Blick über den Tellerrand“. „Daher ist es wichtig, Leute zusammen zu bringen. So kann man Vorbehalte abbauen“, sagt Anton Stadler. Insofern gehe es auch um viele kleine Schritte. Dazu gehören beispielsweise die Abschlussfahrten der Neustädter Mittelschule nach Recoaro Terme. „Das wirkt oft langfristig“, ist er überzeugt.

Die italienische Nacht ist zu einem wichtigen Teil des Stadtfestes in Neustadt geworden. - Foto: Jochen Dannenberg

Er sieht in der Entwicklung der Städtepartnerschaft auch positive Tendenzen. „Die Städtepartnerschaft kommt wieder bei jüngeren Leuten an“, sagt er und tritt damit dem Klischee von den „Senioren-Ausflügen nach Italien“ entgegen. Wobei Manfred Fritsch, der früher in der Stadtverwaltung beschäftigt war und einst der „Motor“ der Partnerschaft war, bestätigt, dass es über lange Zeit tatsächlich nicht die ganz jungen Neustädter waren, die nach Recoaro gefahren sind. Die Aufbruchstimmung der Anfangsjahre, als bis zu sieben Reisebusse auf einmal nach Italien fuhren, ist lange vorbei. Die Städtepartnerschaft ist „in die Jahre gekommen“, aber sie besteht weiterhin.

505 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren

Es lohne sich weiterhin, die Fahrt über den Brenner auf sich zu nehmen, sind Anton Stadler und Manfred Fritsch überzeugt. „Es geht darum, Leute zu treffen, die Freundschaft mit ihnen und ihre Herzlichkeit zu erleben.“

Wer weiß, vielleicht kommen ja mit den neuen jungen Leuten auch wieder mehr Betrieb in die Städtepartnerschaft. Manfred Fritsch erinnert sich an viele Begebenheiten, die sich ihm eingeprägt haben. 1989 fuhren Ludwig Reng Junior und Anton Pecher von Neustadt aus die 505 Kilometer lange Strecke nach Recoaro mit dem Fahrrad, Reng Senior begleitete sie mit dem Auto. Empfangen wurden die Radfahrer in der Partnerstadt wie Helden. Anton Stadler denkt immer wieder gern daran zurück, wie vor einigen Jahren eine Gruppe Neustädter als Hopfenzupfer an der legendären Chiamata di Marzo teilnahm.

Auf die italienische Bewirtung beim Stadtfest freuen sich die Neustädter in jedem Jahr. - Foto:

Es gibt viele weitere Gründe, um nach Recoaro zu fahren. Das gute Essen und der Wein gehören gewiss dazu. Aber man erlebt vor allem auch ein sehr authentisches Italien, sagen Stadler und Fritsch. Neustadts Partnerstadt ist keine Touristenhochburg, Recoaro besticht durch Ruhe, Natur und Geschichte. Man kann hier gut wandern und mit dem Mountainbike die Gegend erkunden. Zu entdecken gibt es viel, vor allem auch Kultur.

Ein Wiedersehen beim Haxn-Essen in Sittling

Die Städtepartnerschaft bestehe nicht nur auf dem Papier, sondern werde von den Menschen der Stadt gelebt, hat Bürgermeister Thomas Memmel Ende vorigen Jahres gesagt. Dazu gehört auch, dass inzwischen viele Neustädter mit dem eigenen Auto und nicht mehr nur mit dem Bus nach Recoaro fahren. Soweit die Neustädter Sicht auf die Städtepartnerschaft.

Auch das gab es: Eine Gruppe Neustädter nahm als Hopfenzupfer an der legendären Chiamata di Marzo teil. - Foto: Jochen Dannenberg

Und was sagen die Recoaresi? Sie lieben Neustadt und Umgebung, insbesondere natürlich auch die Altstädte von Nürnberg und Regensburg, das Kloster Weltenburg und den Donaudurchbruch. Außerdem schätzen sie bayerische Gemütlichkeit und Speisen. Zum „Vatertag“ am 14. Mai kommt deshalb sogar eine Gruppe aus Recoaro nach Sittling. 15 Männer und Frauen sollen es sein, die viel von den Haxn im Neustädter Ortsteil gehört haben. Die Gruppe will nun endlich einmal selbst erleben, was den Reiz einer ofenfrischen Haxn ausmacht.

Gibt es da noch Wünsche bei so viel Begeisterung füreinander? Anton Stadler hat mehrere, einer steht obenan: „Ich würde mir wünschen, dass es jeder Stadtrat in seiner Zeit als Stadtrat schafft, mindestens einmal in Recoaro gewesen zu sein.“

Schülerinnen der Hotelfachschule in Recoaro bewirteten unlängst Neustädter Mittelschüler bei deren Abschlussfahrt. - Foto: Anton Stadler