Familie Röhrl machte ihr Gasthaus in Pullach zukunftssicher

Die Existenz des Gasthofs Röhrl im Abensberger Ortsteil Pullach ist seit Ende des 17. Jahrhunderts verbürgt. Unter anderem mit einer Rollstuhlrampe und einem Aufzug sorgen die heutigen Wirtsleute dafür, dass die Geschichte weitergehen kann. Am 6. Mai gibt es dafür auch eine besondere Auszeichnung.
Seit 1681 ist am heutigen Dorfplatz 2 im Abensberger Ortsteil Pullach ein Wirt historisch nachgewiesen. So weist es die Dorfchronik aus. „Ich bin im Gasthaus quasi aufgewachsen“, erzählt der heutige Chef: Christoph Röhrl kann sich kein Leben ohne das Gasthaus vorstellen. Er betreibt es mit seiner Ehefrau Lisa; Mutter Roswitha hilft nach wie vor mit. Sie führen es im Nebenerwerb - es gibt unter anderem noch die Landwirtschaft.
Deshalb ist der „Röhrl“ in Pullach längst nicht mehr täglich geöffnet. „Aber wir haben noch jede Menge Traditionsveranstaltungen“, betonen Lisa und Christoph Röhrl. Sie seien sich bewusst, dass ihr Gasthaus sehr wichtig ist für den Ort: Es gibt den wöchentlichen Stammtisch, und an Sonntagen, an denen Gottesdienste in der Ortskirche stattfinden, steigt ein Frühschoppen in der Wirtsstube. Auch nach der Fronleichnamsprozession treffen sich alle beim Wirt.
40 Tage im Jahr Betrieb im Saal
Dazu gibt es dann noch spezielle Veranstaltungen wie das bekannte Entenessen oder regelmäßige Versammlungen landwirtschaftlicher Verbände. „In unserem Saal ist an rund 40 Tagen im Jahr Betrieb“, rechnet Lisa Röhrl vor. An all das dachten ihr Ehemann und sie, als 2022 die Entscheidung anstasnd, ob die beiden letztendlich wirklich das Gasthaus von der vorherigen Generation übernehmen wollen. Christoph Röhrl räumt aber ein, dass er es sich nicht wirklich hätte vorstellen können, das Gasthaus aufzugeben.
Lesen Sie doch auch: Verkehrsthemen dominieren in Offenstetten
Und deshalb sei die Entscheidung letztlich nicht schwer gefallen. Freilich hatte sie eine große Auswirkung: Die Gaststättenerlaubnis musste erneuert werden – mit allen Regularien, die heute gelten. Denn mit dem Bestandsschutz, der früher galt, war es bedingt durch den Wechsel vorbei. Es musste zum Beispiel in zusätzlichen Brandschutz investiert werden. So gibt es mittlerweile einen zweiten Fluchtweg vom Saal ins Erdgeschoß, da ein zweites Treppenhaus gebaut ist.
Auch Mamas freuen sich jetzt beim Röhrl in Pullach
Und dann stand da das Wort Barrierefreiheit ganz groß über der Betriebsübernahme: Der der Saal dürfe nur dann weiter betrieben werden, wenn er barrierefrei erreichbar ist. Allerdings benötigten die Röhrls nicht erst den Gesetzgeber, um davon überzeugt zu werden.
„Wir haben immer wieder Gäste, die es nicht mehr zu Fuß in den Saal hinauf schaffen“, berichtet Lisa Röhrl. Und früher war es auch mit einem Kinderwagen nicht einfach, die Treppe zum Hauseingang zu überwinden - gar nicht zu reden von einem Rollstuhl. Bei den Röhrls gehört seit wenigen Monaten der kleine Andreas zur Familie – auch deshalb freut sich die junge Mama selbst über die angebrachte Rampe, die das Kinderwagen-Schieben erleichtert.

Seit dem Herbst ist das traditionsreiche Gasthaus barrierefrei ausgebaut, auch mit behindertengerechter Toilette. „Gefordert sind außerdem behindertengerechte Parkplätze, die es hier im Hof ohnehin gibt“, ergänzt Marion Huber-Schallner, die unter anderem Behindertenbeauftragte in Abensberg ist. Ihre Expertise haben sich die Röhrls hinzugeholt. „Denn man muss dann doch viele Details beachten, damit die Barrierefreiheit wirklich vorhanden ist“, weiß Lisa Röhrl mittlerweile. So muss etwa in der Toilette Hinweise in Blindenschrift geben.

Die beiden Wirtsleute freuen sich, dass es durchaus Zuspruch aus dem Dorf für die Maßnahme gab, die eine sechsstellige Summe kostete. Immerhin gebe es einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent der Kosten.
Ssozusagen nebenbei hat es die Familie noch geschafft, das Dachgeschoß zu einer eigenen Wohnung auszubauen.
Pfarrer Georg Birner segnet die Maßnahme
Am 6. Mai gibt es jetzt ein Zuckerl obend'rauf: Dann kommt laut Huber-Schallner um 10 Uhr Ministerialdirektor Christian Schoppik aus dem Bayerischen Sozialministerium zu den Röhrls, um ihnen die Auszeichnung Bayern.Barrierefrei zu überreichen, für die man sich laut Huber-Schallner bewerben kann.
Bei dem Termin werde dazu Stadtpfarrer Georg Birner die umgebauten Räume segnen. Die Arbeit hatten laut den Röhrls insbesondere Handwerker aus Pullach gestemmt. Sie sind jetzt zu dieser Veranstaltung eingeladen.