Stoibers Transrapid-Traum könnte wahr werden – Neuer Schub für Bögls Magnetschwebebahnen

Von Christian Eckl · 26. April 2026 um 15:36

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter besuchte das Oberpfälzer Unternehmen Max Bögl in Sengenthal im Landkreis Neumarkt. Er kann sich eine Magnetschwebebahn als Baustein nachhaltiger und kostengünstiger Mobilität in Bayern und Deutschland vorstellen.

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Kaum eine Rede eines bayerischen Ministerpräsidenten ist vielen noch so geläufig wie diese. Der legendärste Satz daraus ist wohl der: „Wenn Sie ... vom Hauptbahnhof in München, ... ohne dass sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde am Flughafen ... am ... am ... Hauptbahnhof München starten sie ihren Flug.“ Gehalten hat sie kein Geringerer als der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber im Januar 2002 bei einem CSU-Parteitag. Sie wurde zum sogenannten Meme – und rauf und runter parodiert.

Damals lachten viele über Stoiber. Doch die Technik fasziniert bis heute: Magneten bringen die Waggons nicht nur zum Schweben, sie bewegen die Bahn auch. Fasziniert ist von der Technik offenbar auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Am Samstag lud er seine Länderkollegen in die Oberpfalz auf die Teststrecke des Unternehmens Max Bögl ein.

Bernreiter ist offen für eine Magnetschwebebahn

Wörtlich hieß es in der Vorankündigung des Termins: „Im Koalitionsvertrag des Bundes ist sie als innovativer Ansatz im öffentlichen Personennahverkehr genannt und auch bei der Verkehrsministerkonferenz Ende März in Lindau war sie Thema: die Magnetschwebebahn.“ Die Schlussfolgerung des Ministers: Diese könnte bald ein „weiterer Baustein nachhaltiger und kostengünstiger Mobilität in Bayern und Deutschland sein“. Bernreiter ist derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz der Länder. „Ich kann mir eine Magnetschwebebahn im Nahverkehr in Bayern sehr gut vorstellen“, sagte Bayerns Verkehrsminister am Samstag vor seinen Kollegen. In Nürnberg gebe es bereits Überlegungen dazu.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (v. re.) mit Stefan und Max Bögl, Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Tobias Knoblich, Staatssekretär in Thüringen (parteilos) bei der Probefahrt in der Oberpfalz. - Foto: Christian Eckl

Immerhin zwei der 16 Verkehrsminister und ein Staatssekretär folgten der Einladung und kamen am Samstag in die Oberpfalz. Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde, Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und der Thüringer Infrastruktur-Staatssekretär Tobias Knoblich machten sich bei Max Bögl auf der Teststrecke ein Bild von der Technik. Minister Hermann wollte vom Hausherrn Stefan Bögl dann auch wissen, was denn der Unterschied sei zum berühmten Transrapid. Der erklärte es ihm direkt am Anschauungsobjekt: „Das Einzige, was man in unserem System vom Transrapid noch sieht, ist das Schweben.“

Im Oberpfälzer Unternehmen hat man die Magnetschwebebahn weiterentwickelt, erläuterte Bögl. Man habe sie vor allem vereinfacht und sicherer gemacht.

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Der Oberpfälzer Baukonzern Max Bögl entwickelte seit 2010 das Transportsystem unter dem Namen „Transport System Bögl“ weiter. Zwei Teststrecken gibt es derzeit: Eine am Konzernsitz in Sengenthal (Landkreis Neumarkt), aber auch in der chinesischen Großstadt Chengdu.

Unternehmen an vielen Orten der Welt am Nahverkehr beteiligt

Nun muss man unterscheiden: Das Transrapid-System, über das Stoiber anno dazumal sprach, wurde von einem Konsortium von Siemens und ThyssenKrupp entwickelt. Geplant waren Strecken etwa zwischen Hamburg und Berlin oder von München zum Flughafen. 2008 wurden die deutschen Projekte begraben. Die einzige öffentliche Strecke, auf der eine solche Magnetschwebebahn derzeit fährt, ist in Shanghai. Da die Firma Bögl damals an dem Fahrweg, also dem Untergrund für den dortigen Transrapid mitarbeitete, ist der derzeit in der Oberpfalz eingesetzte Magnetschwebezug eine technische Weiterentwicklung unter anderen Anforderungen für eine solche Bahn. Pro Fahrzeugteil können laut Herstellerangaben bei einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde bis zu 127 Personen transportiert werden. In Sengenthal ist das System auf der unternehmenseigenen inzwischen 860 Meter langen Teststrecke seit 2012 im Einsatz.

Das Unternehmen ist in vielen Regionen der Welt daran beteiligt, den öffentlichen Nahverkehr nachhaltig zu beschleunigen und zu optimieren. Wer beispielsweise auf der Schnellstrecke von Tel Aviv in Israel vom Meer nach Jerusalem in einer Dreiviertelstunde gefahren ist, der war nicht nur schwer beeindruckt – er bewegte sich auch auf Elementen, die Bögl herstellt: Sogenannte „Feste Fahrbahnen“, ein schotterloses Schienensystem. Auf diesem bewegt sich, abgewandelt auf einer Stromschiene, die Magnetschwebebahn.

Minister: „Ein top Mobilitätsangebot“

„Der größte Unterschied ist schon mal, dass man die Bahn kaum hört – man hört eigentlich nur den Luftwiderstand“, schwärmte Minister Bernreiter. „Das ist ein top Mobilitätsangebot, das wir starten könnten.“ Bernreiter erläuterte auch mit Stolz, dass er und die CSU es gewesen seien, die das Thema Magnetschwebebahn in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung hineinverhandelt habe. „Erst gab es Widerstand auch anderer Länder, aber wir haben gesagt: Diese Technik würde eine Tram- oder Straßenbahn ersetzen. Wir wollen also kein zusätzliches Geld, sondern entweder wir fördern eine Straßenbahn – oder eben diese Technik.“ Bei der Debatte unter Stoiber sei es um Geschwindigkeit gegangen, heute gehe es um Nachhaltigkeit.

Stoibers Rede wurde damals wohl deshalb zum Meme, weil sie irgendwie sinnbildlich dafür steht, wie wenig in Sachen öffentlichem und vor allem funktionierendem Nahverkehr in Deutschland, aber auch in Bayern vorwärts geht seit damals. Die Ironie der Geschichte: Auch heute ließen die beiden Brüder Max und Stefan Bögl beim Minister-Besuch durchblicken, dass es vor allem die Genehmigungsverfahren in Deutschland sind, die Innovationen dieser Art bremsen. Bögl ist seit November 2025 jedenfalls das einzige Unternehmen in Deutschland, das vom Eisenbahn-Bundesamt eine Genehmigung zum Betrieb von öffentlichen Magnetschwebebahnen innehat. Im Steuerungsraum machte Unternehmer Max Bögl den Gästen aus den Ministerien auch deutlich, dass man die Regie für solche Schwebebahnen auch von der Oberpfalz aus steuern könnte, wenn man sich die innovative Technik im eigenen Betrieb nicht auf Anhieb zutraue.

Gedacht ist das System ja für den Personennahverkehr etwa in Städten, um S-Bahnen oder Busse zu ersetzen. Dass die Bevölkerung beim Bau von Stadtbahnen nicht immer so mitzieht, wie manche Städte wollen, musste die Politik in der Oberpfälzer Bezirkshauptstadt Regensburg leidvoll erfahren. Dort votierten die Bürger gegen eine neue Stadtbahn – wohl auch deshalb, weil sie sich die Schienen durch die historische Stadt und die Dauerbaustellen nicht vorstellen wollten. Die fahrerlose Magnetschwebetechnik jedenfalls könnte den ein oder anderen Bürger überzeugen.