E5, E10 oder sogar E20? Was sich beim Tanken bald ändert

Von Mareike Kürschner · 24. April 2026 um 05:00

Der Bundestag macht den Weg für mehr Biokraftstoffe frei. So sollen die Klimaziele erreicht werden. Ein Kraftstoff könnte dafür ganz verschwinden.

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Jeder Cent tut derzeit weh an der Zapfsäule. Trotzdem zahlt ein Großteil der Verbraucher unnötig mehr – weil er Super E5 statt Super E10 tankt. Der Preisunterschied liegt bei rund sechs Cent. Und in der Beimischung: E10 enthält maximal zehn Prozent Bioethanol. E5 wird maximal fünf Prozent Bioethanol beigemischt. Bioethanol wird aus Pflanzen hergestellt, etwa aus Weizen, Mais, Zuckerrüben, aber auch aus Pflanzenabfällen oder Holz – und ist damit umweltfreundlicher.

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Bis 2040 wird die Quote an regenerativem Sprit auf 65 Prozent angehoben

Diesen Umstand will die Politik jetzt nutzen, um ihre Klimaziele im Verkehrssektor voranzutreiben. Sie verabschiedete am Donnerstag die Änderung der Treibhausgas-Minderungsquote, kurz THG-Quote, bei Kraftstoffen. Was sperrig klingt, ist eine Anpassung zur stärkeren Nutzung von regenerativem Sprit, womit eine EU-Richtlinie umgesetzt wird. Bis 2040 wird die Quote auf 65 Prozent angehoben. Sie verpflichtet Kraftstoffanbieter, die Treibhausgasemissionen ihrer Kraftstoffe schrittweise zu senken. Wer fossile Kraftstoffe verkauft, muss nachweisen, dass ein bestimmter Anteil des Sprits klimafreundlich ist – oder er zahlt eine Abgabe. Ein höherer Anteil an Bioethanol senkt die Treibhausgasemissionen – und damit die Kosten.

Doch was heißt das für Verbraucher? Wie der ADAC schon seit Jahren anregt, wird mit der Gesetzesanpassung auch die Vorhaltepflicht von E5 an Tankstellen aufgehoben. „Wir reizen so auch die Beimischung von Bioethanol an, was den Kraftstoff günstiger macht, weil weniger CO2-Steuer anfällt“, sagte Christian Moser, umweltpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, unserer Zeitung. Als Vorbild dient Österreich, das seit 2023 von E5 auf E10 umgestellt hat. Dort bieten viele Tankstellen nur noch den klimafreundlicheren Sprit an.

Fast alle Benziner E10-geeignet

Allerdings hält sich in Deutschland hartnäckig das Gerücht, E10 sei schädlich für den Motor, weshalb nach Angaben des ADAC weniger als ein Drittel der Fahrerinnen und Fahrer von Benzinern den günstigeren Kraftstoff tankt. Dabei sind laut dem Automobilverband fast alle Benziner-Pkw für E10 geeignet. Ausnahme bilden einige wenige Fahrzeuge, die vor 2012 gebaut wurden. Hinweise dazu finden sich in der Bedienungsanleitung oder direkt auf dem Tankdeckel des Pkw.

„E10 hat einen schlechten Ruf, das müssen wir ändern“, meint CSU-Politiker Moser. „Vor allem weil die Überlegungen zu einem größeren Bioethanol-Anteil vorangehen. E20 wird auf EU-Kommissionsebene diskutiert, auch die Autohersteller sind offen dafür.“ Das würde bedeuten, dem Kraftstoff wird dann bis zu 20 Prozent Bioethanol beigemischt. „Die THG-Quote lässt sich auch über die Kraftstoffbeimischung erreichen – also technologieoffen“, betont Moser. Die Klimaziele seien nicht nur über das E-Auto zu erreichen.

Grüne fordern Unabhängigkeit von fossilem Öl und Gas

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, begrüßte die Einigung und hob vor allem den vorgesehenen stärkeren Anstieg der Unterquote für erneuerbare Kraftstoffe wie Wasserstoff und E-Fuels hervor. Diese soll bis 2040 auf zehn Prozent ansteigen. Mit der Vorgabe von 1,5 Prozent im Jahr 2030 würden „bereits frühzeitig die richtigen Signale“ und „wichtige Impulse für Investitionen in strombasierte Kraftstoffe“ gesetzt, sagte Müller.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, hält dagegen den Fokus auf E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe, für falsch. „E-Fuels sollten Kerosin ersetzen, an Tankstellen haben sie nichts zu suchen“, sagte er unserer Zeitung. „Die Regierung macht Tanken damit unnötig teurer.“ Schon heute sei „ein E-Auto im Betrieb die günstigere Wahl“, betonte der Oppositionspolitiker. „Wir müssen uns unabhängiger machen von fossilem Öl und Gas.“