EUDI-Wallet kommt: Sind Reisepass, Ausweis und Führerschein bald passé?

Mit der in der EU-weit vorgeschriebenen Einführung der EUDI-Wallet sollen Bürger ihre Ausweisdokumente spätestens ab Januar 2027 immer am Handy griffbereit haben. Wir haben beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) nachgefragt, wie genau die App funktionieren soll, was die Einführung kostet und was sie letztendlich für den analogen Reisepass, der Perso und den Führerschein bedeutet.
Ab Januar 2027 sollen alle Bürger in den EU-Mitgliedsstaaten ihre wichtigsten Dokumente wie Personalausweis, Reisepass oder Führerschein, aber auch Krankenkassenkarte oder Zeugnisse sicher auf dem eigenen Smartphone speichern können. EUDI-Wallet nennt sich die App, die von allen Ländern laut Vorgabe aus Brüssel bereit gestellt werden muss.
Europaweite digitale Brieftasche
Die EUDI-Wallet soll quasi eine digitale Brieftasche für Identitätsdaten und Nachweise sein. Das Prinzip ist einfach: Alle Nachweise werden direkt auf dem eigenen Smartphone gespeichert und nur bei Bedarf vorgelegt. De Nutzer behält die volle Kontrolle, da immer nur die absolut erforderlichen Informationen geteilt werden. Es gibt keine zentrale Speicherung der persönlichen Daten. Die Wallet dient als moderne Ergänzung zu bestehenden physischen Dokumenten und ist künftig europaweit einsetzbar.
„Wir liegen voll im Zeitplan“, sagt ein Sprecher des für die Einführung in Deutschland zuständigen Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) unter Minister Dr. Karsten Wildberger (CDU) auf unsere Frage nach dem Stand der Umsetzung. „Seit Dezember 2025 steht eine Testumgebung („Sandbox“) bereit. In dieser konnte zunächst die Nutzung der Identifizierungsfunktion von Unternehmen, Verwaltung und anderen Organisationen getestet werden.“ Seit wenigen Tagen könnten in der Sandbox auch die Ausstellung und Präsentation weiterer Nachweise getestet werden.
Daten aus der EUDI-Wallet werden nicht zentral gespeichert
Sicherheitsrisiken? Immerhin geht es hier um die persönlichsten Daten überhaupt. Der Sprecher winkt ab: Die EUDI-Wallet wurde und wird von Beginn an mit einem besonderen Fokus auf Sicherheit entwickelt. „EUDI-Wallet schützt sensible Daten, indem sie sie ausschließlich lokal und verschlüsselt auf dem Gerät speichert.“ Eine zentrale Speicherung persönlicher Daten gäbe es nicht.
Die dafür nötigen Schlüssel sollen „in einer hardwaregeschützten Komponente des Geräts“ liegen, sodass sie nicht ausgelesen oder kopiert werden können. Der Zugriff wird zusätzlich durch starke Authentisierung, etwa durch PIN, Biometrie und Gerätesperre, abgesichert.
Die EUDI-Wallet soll das digitale Leben der Bürger einfacher machen. Identitätsprüfungen für die Online-Eröffnung eines Bankkontos, der einfache Upload von Zeugnissen bei einem Bewerbungsportal oder beim Check-in am Flughafen oder in Hotels europaweit – all das soll mit der EUDI-App möglich sein.
Nutzung von EUDI-Wallet ist freiwillig
Auch wenn sich der Sprecher des Digitalministeriums von den Vorteilen der EUDI-Wallet überzeugt gibt – verpflichtend ist die Installation für den Bürger nicht: „Die eIDAS-Verordnung schreibt ausdrücklich die Freiwilligkeit der Nutzung vor und dies wird auch im nationalen Rechtsrahmen berücksichtigt.“ Die eIDAS ist ein EU-weites Regelwerk für elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste, das sichere, grenzüberschreitende digitale Transaktionen ermöglicht, heißt es auf der Homepage des Ministeriums. Sie schaffe Rechtsverbindlichkeit für E-Signaturen, Siegel und Identitätsnachweise, wobei die qualifizierte elektronische Signatur der handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt sei.
Weiter betont man im Digitalministerium: „Die EUDI-Wallet ist eine moderne Ergänzung zu den bestehenden Dokumenten, kein Ersatz.“ Pläne, wonach die bisherigen Dokumente durch eine rein digitale Variante abgelöst werden sollen, gibt es demnach nicht. Auch nicht langfristig. „Die Nutzung der App ist ja freiwillig.“
Weiterer interessanter Lesestoff: Wie viel Bargeld sollte ich für den Notfall zuhause haben?
Kosten von 41 Millionen – bislang
Die Entwicklung und Bereitstellung einer derart aufwändigen App verursachen natürlich auch Kosten. Seit 2023 hat die EUDI-Wallet den deutschen Haushalt in einer ersten Stufe mit rund 41 Millionen Euro belastet, erfahren wir aus dem Digitalministerium. Die erforderlichen Haushaltsmittel für (Weiter-)Entwicklung und den Betrieb der EUDI-Wallet für die Folgejahre müssten indes erst noch ermittelt werden.