Im Landkreis Neumarkt steigt die Zahl der Fahrradunfälle – sogar zwei Tote

Im Raum Neumarkt lebt es sich deutlich sicherer als in vergleichbaren Städten in Bayern und der Oberpfalz. Denn die Zahl der Straftaten ist 2025 um 13 Prozent gesunken. Was die Neumarkter Polizei jedoch umtreibt, ist die steigende Zahl an Verkehrsunfällen – vor allem mit Zweirädern.
Am Dienstag hat die Polizeiinspektion Neumarkt ihre Kriminalitätsstatistik und Verkehrsstatistik für 2025 veröffentlicht. Sie ist für den westlichen Teil des Landkreises Neumarkt zuständig, während die PI Parsberg den östlichen abdeckt. Das Fazit von Polizeihauptkommissar Bernhard Rauch: „In Neumarkt lässt es sich sicher leben“.

Der Pressesprecher ging detailliert auf das umfassende Zahlenwerk ein. Insgesamt 2537 Straftaten wurden vergangenes Jahr erfasst – nur im Coronajahr 2021 mit Lockdown und Ausgangbeschränkungen waren es in den vergangenen zehn Jahren weniger gewesen. „Das ist eine gute Entwicklung für die Bürger und die Polizei“, sagte Rauch.
Heruntergebrochen auf 100 000 Einwohner liegt der Einzugsbereich der PI Neumarkt mit 2412 Straftaten damit deutlich unter den Werten der Oberpfalz (3877) und Bayern (4371). Wobei sich die Nähe zum Ballungszentrum Nürnberg durchaus bemerkbar mache, ergänzte der Leiter der PI, Polizeidirektor Patrick Pickel. Konkret messbar sei dies jedoch nicht.
72 Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung
Ginge es rein nach den Fallzahlen, leben die Bürger von Berngau und Deining am sichersten, während in Neumarkt, Berg und Freystadt die Kriminalität im Vergleich zur Einwohnerzahl deutlich höher ausfällt. „Das ist aber wenig aussagekräftig, weil sich bei der geringen Zahl an Delikten schon ein paar Fälle mehr deutlich in der Statistik auswirken“, beruhigte Rauch.
Zahlen und Daten der Neumarkter Polizei
• 27,01 Prozent aller Straftaten im Einzugsbereich der PI Neumarkt waren im Jahr 2025 Vermögens- und Fälschungsdelikte. 26,91 Prozent waren Diebstähle, nämlich 862, Sexualdelikate machten 0,69 Prozent aus (22) und „Rohheitsdelikte“ (rohe Gewaltanwendung und brutales Vorgehen) 18,57 Prozent.
• 103 Fahrräder wurden 2025 gestohlen, 2024 waren es 169. Die Polizei führt den Rückgang darauf zurück, dass sie die bekannten Tätergruppen gezielt ins Visier genommen und verstärkt kontrolliert hat. Die meisten Räder werden erfahrungsgemäß im Umfeld von Bahnhöfen gestohlen.
• 23 Wohnungseinbrüche hat die PI 2025 bearbeitet. Die meisten ereigneten sich in der dunklen Jahreszeit. Bei 15 von ihnen blieb es beim Versuch. Das sind zwar insgesamt acht mehr als im Vorjahr, jedoch liegt die Zahl seit Jahren deutlich unter der von 2016. Damals gab es 66 Wohnungseinbrüche.
• 1311 Personen hat die PI Neumarkt vernommen – 881 mit einem deutschen, 439 mit einem ausländischen Pass. Die Zahl der verdächtigen Ausländer lag damit wie 2023 bei rund 33 Prozent. 2024 waren es knapp 31, iin den übrigen Jahren um die 25 Prozent gewesen. Im Landkreis leben rund elf Prozent Ausländer.
13 Angriffe mit Messern wurden verzeichnet, bei vier kam es tatsächlich zu Verletzungen. 72 Mal ermittelte die Polizei wegen gefährlicher oder schwerer Körperverletzung, zwölf Mal wegen eines Raubes. Die Straftaten im öffentlichen Raum sind um 15 Prozent auf 496 Fälle gesunken – in den vergangenen beiden Jahren wurden 550 bzw. 587 verzeichnet.
Bei all den Vergehen seien nie Serientäter oder Banden am Werk gewesen, erläuterte Rauch. Nur im Januar letzten Jahres habe es eine Diebstahlsserie gegeben, als ein überregional aktiver Täter es gezielt auf Verkaufsbuden und Kassenautomaten abgesehen hatte. „Der Täter wurde jedoch ermittelt und verurteilt.“

Grundsätzlich gelingt es den Mitarbeitern der Polizeiinspektion Neumarkt, fast zwei von drei Tätern zu fassen. Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 64,8 Prozent und damit wie im bayernweiten Durchschnitt. Bundesweit weist die Statistik nur eine Erfolgsquote von 57,9 Prozent aus.
Bei der Aufklärung von Fahrraddiebstählen wollen die Neumarkter noch besser werden. Deshalb greift die Polizei zu einem Trick: Die Polizeidirektion Regensburg verteilt wertvolle E-Bikes als Köder für Diebe. „Sie sind jedoch mit GPS ausgestattet und man sieht sofort, wenn sie bewegt wurden“, erklärte Pressesprecherin Melanie Bäumler.

Dass die Zahl der Rauschgiftvergehen um die Hälfte runtergegangen ist, liege an der Legalisierung von Cannabis, führte Rauch weiter aus. Personal spart sein Chef trotzdem nicht: Denn die Ressourcen, die früher in die Strafverfolgung investiert wurden, würden nun für die Prävention aufgewendet, damit nicht etwa im Umfeld von Schulen geraucht werde, fügte Pickel an.
So gute Nachrichten konnte Polizeihauptkommissarin Susanne Braun für den Bereich Verkehr nicht vermelden. 2563 Unfälle ereigneten sich 2025 und damit so viele wie in keinem der neun Jahre zuvor. 1595 waren Kleinunfälle, bei 400 wurden Personen verletzt, sechs Menschen starben.
Immer öfter Zweiräder an Unfällen beteiligt
Vor allem die Zahl der Unfälle, an denen motorisierte Zweiräder beteiligt waren, ist um knapp 32 Prozent gestiegen, Fahrradfahrer waren um elf Prozent mehr beteiligt, die Zahl von Unfällen mit E-Scootern ist von zehn auf 30 gestiegen. Dafür sind ein Drittel weniger Fußgänger verletzt worden.
„Es gibt immer mehr Radfahrer“, nannte Braun einen Grund. An den 163 Fahrradunfällen seien 62-Pedelec-Fahrer beteiligt gewesen. „Geschwindigkeit und Gewicht der Pedelecs werden oft unterschätzt.“ Dafür spreche auch die Tatsache, dass an 45 Prozent der Unfälle kein anderer beteiligt war.
Konkrete Gefahrenstellen kann die Beamtin aus dem Sachbereich Verkehr nicht ausmachen – ebenso wenig eine eindeutige Ursache, weshalb die Zahl der verletzten Kinder um 56 Prozent auf 36 gestiegen ist. Um Radler zu sensibilisieren, kündigte Pickel zwei Aktionswochen an. „Es geht darum, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen.“