Regensburg im Glanz der Magnolien: Hier blühen die zartrosa Bäume – aber nur noch kurz

Nicht nur Touristen, auch Einheimische zücken bei der opulenten Blütenpracht ihr Handy: In Regensburg blühen die Magnolien. Wie man das Alter der prächtigen Bäume erkennen kann und wie besonders schöne Fotos gelingen.
Während Hansjörg Hauser auf einer weißen Gartenbank am Emmeramsplatz sitzt, werden um ihn herum die Handys gezückt. Touristen bleiben stehen, Regensburger auf dem Weg durch die Stadt ebenso. Grund ist die opulente rosa-weiße Blütenpracht der beiden großen Magnolienbäume auf dem Gelände des fürstlichen Schlosses Thurn und Taxis.
„Die Magnolien machen schon wirklich was her“, sagt der Gästeführer. „Gleichzeitig ist alles dahin, sobald das Wetter schlecht ist – und dann ist es für den Rest des Jahres einfach nur ein Strauch mit grünen Blättern.“ Die Anziehungskraft liegt für ihn auch darin, dass die beiden großen Tulpenmagnolien im Besitz von Thurn und Taxis nicht nur eine Augenweide sind, sondern als Symbol für den Frühling gelten. „Sie stehen für den Aufbruch.“
Magnolienbäume bei Schloss Emmeram: Zwei besondere Exemplare
Der Gästeführer, der auch Diplom-Agraringenieur und Wildkräuter-Experte ist, weiß noch mehr über Magnolien – speziell über die beiden prächtigen Exemplare, die in ihrer kurzen Blütezeit zu einem der begehrtesten Foto-Hotspots der Stadt werden. „Vermutlich sind die Bäume ungefähr so alt wie der Rosengarten“, sagt er. „Sie dürften aus der Zeit der Hochzeit von Fürst Albert von Thurn und Taxis mit Erzherzogin Margarethe Clementine von Österreich stammen. Das war 1890.“

Um diese These zu untermauern, greift Hauser zum Maßband. „Das ist natürlich nur eine Annäherung, keine exakte Rechenformel“, stellt er klar. „Man misst den Stammumfang in etwa einem Meter Höhe und teilt ihn durch einen Erfahrungswert zwischen zwei und drei. Das ist eine grobe Faustregel für den jährlichen Zuwachs bei Magnolien. So lässt sich das Alter nur annähernd bestimmen.“ Die Pflanzzeit Ende des 19. Jahrhunderts dürfte damit plausibel sein.
Magnolien in Regensburg: Verschiedene Arten, andere Blütezeit
Magnolien gibt es jedoch nicht nur im Besitz von Thurn und Taxis. Nach Angaben des Amts für Stadtgrün stehen im Regensburger Baumkataster 51 Exemplare im Stadtgebiet – darunter Tulpenmagnolien, Sternmagnolien, immergrüne Magnolien und Sprenger-Magnolien. „Diese Arten unterscheiden sich unter anderem in Größe, Frostempfindlichkeit und Blütezeit“, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung.

Am Oberen Wöhrd beispielsweise steht eine Sprenger-Magnolie mit einem Stammumfang von 52 Zentimetern. In der Wöhrdstraße bei der Nibelungenbrücke wachsen 15 Magnolien. „Je nach Art variiert der Blühzeitpunkt: Frühblühende Arten beginnen bereits im März, während andere erst im späten Frühjahr ihre Blüten entfalten.“
Magnolie im Regensburger Stadtpark ist Hotspot für Fotos
Einer dieser städtischen Bäume – ein besonders markantes Exemplar im Stadtpark – hat es auch der Fotografin Michaela Fruth angetan. Wenn die Magnolie dort in voller Blüte steht, bietet sie kleine Shootings an. „Ich fotografiere schon lange und bin für Hochzeiten früher regelmäßig zu diesem Baum gegangen“, erklärt sie.
Mittlerweile habe sich die Hochzeitssaison etwas nach hinten in den Sommer verschoben. „Da dachte ich mir, Bilder von Paaren oder Familien an der Magnolie wären auch eine schöne Idee.“ Für den richtigen Zeitpunkt ist allerdings Fingerspitzengefühl gefragt. „Die Blüte dauert nur zwei, drei Wochen im Jahr. Wann genau, hängt stark vom Wetter ab.“ Ein Bekannter, der in der Nähe des Stadtparks arbeitet, schickt der Kelheimerin deshalb im Frühling regelmäßig Bestandsaufnahmen. „Solange die Magnolie noch blüht, so wie jetzt, können Shootings gebucht werden.“
Das perfekte Magnolienbild: Fotografin gibt Tipps
Das Fotografieren ist dann fast ein Selbstläufer. Die Magnolie ist schließlich äußerst fotogen. „Bei viel Sonne muss man um den Baum herumwandern. Aber ansonsten entstehen einfach tolle Bilder.“ Da der Baum mit der üppigen Blütenpracht im Stadtpark ein gefragtes Motiv ist, müsse man sich den Platz vor allem am Wochenende teilen. „Ich habe aber kein Problem damit, wenn zwischendurch jemand ein Handyfoto macht.“ Hobbyfotografen rät sie, die Sonne im Rücken zu haben, da das Licht sonst sehr hart wirkt. Für Porträts legt sie zudem weiße Decken aus. „Das Gras unter der Magnolie ist grellgrün – das reflektiert im Gesicht.“
Bei viel Sonne muss man um den Baum herumwandern. Aber ansonsten entstehen einfach tolle Bilder.Michaela Fruth, Fotografin
Abseits des schönen Motivs hat die Magnolie für Fruth aber auch eine persönliche Bedeutung. „Im Garten meiner Oma, die im vergangenen Jahr verstorben ist, stand ein wunderschöner Magnolienbaum“, erzählt sie. „Er hat jedes Jahr an ihrem Geburtstag am 26. April geblüht.“

Info: Älter als die Bienen
• Ursprung: Magnolien gehören zu den ältesten Blütenpflanzen der Erde. Sie existierten schon lange vor den Bienen und werden vor allem von Käfern bestäubt.
• Eiszeit: „Fossilfunde zeigen, dass es sie schon vor rund 100 Millionen Jahren gab“, so Hansjörg Hauser. In den Eiszeiten wurden sie allerdings zurückgedrängt.