70 Apartments: Regensburger Traditionsdruckerei wird zu Studenten-Bleibe

Im ersten Oberpfälzer Stahlbetonbau im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl entstehen 70 Apartments. Die Entkernung ist fast abgeschlossen. Mehr Neubau könnte den angespannten Markt entlasten.
Zeitgenossen staunten über das Betriebsgebäude der Druckerei Habbel in der Gutenbergstraße. Es war der erste Stahlbetonbau in der Oberpfalz. Die Harmonie Immobilien GmbH baut den Komplex von Anfang des 20. Jahrhunderts in Studentenapartments um. Die Handwerker haben die frühere Druckerei, die zuletzt als Hotel genutzt wurde, entrümpelt und entkernt. Das Stahlbetongerüst aber ist so stabil wie einst und bleibt erhalten.
„Man sieht die alten Strukturen“, sagt Konrad Habbel, der Enkel des Erbauers. Ihm gehören noch Mietwohnungen unterm Dach. Der Unternehmer, der den Businesspark mitgründete, hat selbst lange in dem Haus gewohnt und vieles mitgestaltet. Es war ihm wichtig, dass das Anwesen eine Zukunft hat und eine sinnvolle Nutzung erfährt. „Und dass sein Charakter erhalten bleibt.“ Bei Gebäuden müsse man auf Multifunktionalität achten, sagt er. Sie sollten für neue Nutzungen veränderbar sein. Genau das scheint in der Gutenbergstraße zu gelingen.
Die Druckerei zog 1992, nach mehr als 80 Jahren, in einen Neubau. Die Gutenbergstraße 17 wurde vermietet. 2009 wurden große Teil in das Stadthotel umgebaut.
Nur das Eingangsportal weist noch auf Druckerei hin
Die Pentlinger Harmonie Immobilien GmbH hat das Kumpfmühler Grundstück und den Großteil des Gebäudes bis auf die Dachwohnungen gekauft. Auf mehr als 2200 Quadratmetern werden 70 Apartments für Studierende mit knapp über 20 bis 30 Quadratmetern entstehen. Die Räume sind 3,80 Meter hoch. Ulrich Berger von der Immobilien Zentrum Unternehmensgruppe (IZ) hat die Wohnungen konzipiert. Der Großteil ist bereits verkauft.
Von außen wirkt der mächtige Gebäudekomplex schmucklos. Nur das auffallende historische Eingangsportal weist auf die Geschichte als Druckerei, Verlag und Familiensitz hin. Vom Innenhof aus sieht man, dass entkernt wird. Harmonie saniert den Komplex und wird auf der Innenhofseite Balkone anbauen. Teilweise wird seriell gebaut. Christian Erl von der Harmonie Immobilien GmbH erklärt das so: An der Fassade werden vorgefertigte Elemente mit Außenhaut, Fenstern, Rollläden und Lüftern angebracht. Die Fertigteile kommen aus der Fabrik. Das spart Zeit und Kosten. Die Harmonie Immobilien GmbH investiert laut Erl rund 18 Millionen Euro.

Das Unternehmen hat auch 120 Einzimmer-Apartments für Studierende am Galgenberg gegenüber der Universität hochgezogen, von denen 90 Prozent bereits beim ersten Spatenstich im Herbst 2024 verkauft waren. Erl entwickelt das Gelände des früheren Autohauses Gebhard in der Friedenstraße für die Eigentümer weiter. Dort kann er sich ebenfalls Studentenwohnen vorstellen.
Ökonomen und Wohnungsmarktexperten sagen: Hohe Baukosten, Zinsen und Grundstückspreise führen oft dazu, dass Neubauwohnungen eher im oberen Preissegment liegen. Viele Investoren kalkulieren so, dass mit den Mieten ein Teil der Finanzierung getragen wird. Doch je mehr Wohnungen gebaut werden, desto größer ist die Chance, dass sich der Markt entspannt.
Die Mieten steigen in Regensburg laufend
In Regensburg studieren mehr als 32 000 junge Leute an der Universität, der Ostbayerischen Technischen Hochschule und der Hochschule für Katholische Kirchenmusik. Deshalb bleibt es in der Domstadt eine Herausforderung, eine bezahlbare Unterkunft zu finden, stellt etwa der MLP Studentenwohnreport vom Oktober 2025 fest, den der gleichnamige Finanzdienstleister jedes Jahr zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlicht.

Die Mieten für studentisches Wohnen sind demnach 2025 im Schnitt um 2,3 Prozent gestiegen, in Regensburg um 2,4 Prozent. Rund 53 Prozent ihres Einkommens wenden Studierende dem Statistischen Bundesamt zufolge bundesweit für Wohnen auf. Ab 40 Prozent beginnt die finanzielle Überlastung. In Regensburg wurde für eine Musterstudentenwohnung (30 Quadratmeter) im Vorjahr laut MLP-Report durchschnittlich eine Warmmiete von 542 Euro verlangt und für ein WG-Zimmer (20 Quadratmeter) 510 Euro.
Nicht nur Unternehmen bauen, sondern auch das gemeinnützige Studierendenwerk Niederbayern/Oberpfalz, das in Regensburg zwölf Wohnanlagen betreibt und zurzeit im Goldenen Turm saniert sowie weitere Apartments errichtet.
Die Geschichte
Anwesen: 1910 errichtete der Verleger Josef Habbel das Druckerei- und Verlagsgebäude in der Gutenbergstraße. Zuletzt war dort das Stadthotel.
Verlag: Die Habbels haben Ende des 19. Jahrhunderts den Regensburger Anzeiger gegründet, später Tagesanzeiger. Diesen übernahm die Mittelbayerische Zeitung in den 70er-Jahren.