Nach Rekordjahr und Mega-Bonus: Regensburger Firma CipSoft feilt an neuem Online-Spiel

Höchster Umsatz in der Firmengeschichte, so viele Mitarbeiter wie nie, Mega-Boni und ausgezeichnet als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands: Für den Regensburger Onlinespiel-Entwickler CipSoft geht es steil bergauf – und das hauptsächlich wegen eines Spiels, das bereits 1997 online gegangen ist: Tibia. Doch mittlerweile hat sich das Unternehmen breiter aufgestellt und arbeitet an einem neuen Spiele-Hit, wie CipSoft-Geschäftsführer und Mitgründer Stephan Vogler im Interview berichtet.
Herr Vogler, wodurch sticht CipSoft im Vergleich zu anderen Studios heraus?
Stephan Vogler: Es ist auf jeden Fall unüblich, dass das Studio noch in der Hand der ursprünglichen vier Gründer ist. Typischerweise werden Studios mit Hilfe von Geldgebern initiiert. Dadurch entsteht eine starke Abhängigkeit. Wir haben Tibia als Hobbyprojekt während des Studiums begonnen, waren aber in kurzer Zeit soweit, eine Abogebühr zu verlangen. Dadurch hatten wir früh konstante Einnahmen, durch die wir das weitere Wachstum finanzieren konnten.
Auch wegen der Unabhängigkeit geht wohl die aktuelle Krise in der Branche an Ihrem Unternehmen vorbei. Wie blicken Sie auf die Entwicklungen im Games-Bereich?
Vogler: Die Games-Branche ist sehr gebeutelt. Sehr viele Studios mussten schließen oder Mitarbeiter entlassen. Wir kommen eigentlich aus einer Zeit, in der die Zinsen lange sehr niedrig waren. Da wurde auch stark in Games investiert. Viele Studios sind entstanden oder stark gewachsen. Durch die aktuell hohen Zinsen wenden sich Geldgeber aber ab. Wir sind in einer Phase, in der sich viele Studios sehr schwer tun, ihre Spieleentwicklung zu finanzieren.
Das Problem hat CipSoft nicht. Allerdings basiert der Erfolg maßgeblich auf dem Online-Fantasie-Rollenspiel Tibia und der Loyalität der Spieler. Ist das ein entscheidender Unterschied zu Konkurrenten?
Vogler: Ja, das ist ein wesentlicher Faktor. Wir machen nur Online-Games und die haben treue Spieler – bei Tibia welche, die seit Jahrzehnten dabei sind. Dadurch generieren wir fortlaufend Umsätze. Es ist nicht wie bei anderen Studios, die ein Spiel veröffentlichen, es verkaufen und nach kurzer Zeit keinen Umsatz mehr haben. Diese müssen dann die Finanzierung für ihr nächstes Projekt sichern, das oft erst Jahre später erscheint. Floppt dieses Spiel, gerät schnell das gesamte Studio in eine wirtschaftliche Schieflage. Das ist bei einem Studio, das Online-Games macht, anders. Und CipSoft ist komplett unabhängig. Damit stehen wir stabiler da als viele andere Studios.
Dennoch haben Sie vergangenes Jahr angekündigt, die Firma breiter aufstellen zu wollen: CipSoft hat zum Beispiel die Weiterentwicklung des Browserspiels „Die Siedler Online“ übernommen. Hat das zusätzliches Wachstum generieren können?
Vogler: Siedler Online ist – wie Tibia – ein Spiel, das schon lange Zeit läuft. Wir sind sicher, dass es auch weiterhin gut funktionieren und seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten wird.
Vergangenes Jahr ist ja doch einiges passiert im Unternehmen. Wie haben Sie die Stimmung wahrgenommen?
Vogler: Das letzte Jahr hat die Mitarbeiter schon elektrisiert. Die Übernahme von Siedler Online hat dem ganzen Unternehmen einen Ruck gegeben und hat nochmal für Aufbruchstimmung und einen Motivationsschub gesorgt.
Dadurch ist das Unternehmen auch weiter gewachsen. Die Mitarbeiter von Siedler Online haben zunächst von einer neuen Niederlassung in Düsseldorf aus gearbeitet. Die wurde mittlerweile aufgelöst – diejenigen, die wollten, konnten nach Regensburg wechseln. Warum der Fokus auf die Domstadt?
Vogler: Wir haben immer wieder festgestellt, dass wir uns sehr wohl in Regensburg fühlen und hier bleiben möchten. Die Stadt hat aus unserer Sicht eine ganze Reihe starker Vorteile. Mindestens die Hälfte der Mitarbeiter, die wir einstellen, sind Berufsanfänger. Die kommen von den regionalen Hochschulen. Und wenn man in Ostbayern in der Games-Branche arbeiten will, führt fast kein Weg an CipSoft vorbei. Natürlich ist es nicht immer leicht, überregional Leute hierher zu bekommen. Wir haben aber die Erfahrung gemacht: Wenn interessierte Kandidaten nach Regensburg gekommen sind, wollte niemand mehr weg.
Spiele, die CipSoft nach Tibia entwickelt hat, sind bisher nie so eingeschlagen. Guter Dinge sind Sie bei Persist Online – ein Rollenspiel im Endzeit-Setting mit Zombies. Wie weit ist die Entwicklung vorangeschritten?
Vogler: Knapp 20 Mitarbeiter arbeiten an dem Spiel. Die DNA ist vergleichbar mit Tibia, aber das Erscheinungsbild ist moderner. Ein Online-Spiel muss heutzutage viel mitbringen. Das heißt: Es gibt nach wie vor einiges zu tun. Das, was wir in Testphasen bisher als Feedback bekommen haben, ist das beste, was wir jemals bei einem neuen Online-Spiel hatten. Deswegen sind wir positiv gestimmt, dass es dieses Mal ein Erfolg wird.
Apropos Erfolg: Kürzlich haben Sie die Auszeichnung „Deutschlands Beste Arbeitgeber 2026“ entgegennehmen dürfen. Was macht CipSoft zu einem guten Arbeitgeber?
Vogler: Das Ergebnis basiert auf einer Mitarbeiterumfrage. Wir machen da schon seit Jahren mit. Wir schauen jedes Jahr, was für ein Feedback zurückkommt und überlegen uns, was wir besser machen können, um CipSoft noch besser zu machen. Ich denke, dass das über die Jahre hinweg Früchte trägt.
Wird 2026 also wieder ein Rekordjahr?
Vogler: Es sieht nicht schlecht aus. Auch 2026 hat sehr stark angefangen. Bei Tibia sind die Spielerzahlen im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Bei Siedler Online haben wir die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Und an Persist Online arbeiten wir weiter. Es gibt also viele Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken.
Weitere Infos über CipSoft
• Umsatz: Im vergangenen Jahr hat CipSoft über 28 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Im bisherigen Rekordjahr 2020 lag der Umsatz bei 25,6 Millionen Euro.
• Mitarbeiter: Gewachsen ist das Unternehmen mittlerweile auf 113 Mitarbeiter. 2026 soll die Zahl laut Geschäftsführer Stephan Vogler aber nochmal auf mindestens 130 steigen.
• Bonus: Die Mitarbeiter werden am Erfolg der Firma beteiligt: Sie erhielten eine Bonuszahlung auf dem Niveau des Vorjahres. Diese betrug fast acht zusätzliche Monatsgehälter.