Wappnen für Reiseplanung von morgen: So lotsten Touristiker künftig die KI nach Kelheim

Blumige Texte, schöne Bilder, Google-Stichworte: Das war einmal. Touristische Anbieter sollten künftig die Künstliche Intelligenz bedienen – mit kurzen, klaren Informationen. Das und Praxistipps dazu erfuhren die Mitglieder des Kelheimer Kreis-Tourismusverbands am Mittwoch bei ihrem Jahrestreff in Essing.
Ein Internet-Auftritt ist längst Standard für Vermieterinnen, Gastronomen, Freizeitanbieter und Co. Bisher freilich richtet man sich damit an Menschen, die etwas buchen wollen, und an Suchmaschinen wie Google.
Kaum hat die Branche dies verinnerlicht und ihre Websites entsprechend optimiert, sollte sie nun wieder umdenken, riet Michael Dobmann vom dwif e. V. (Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e. V. an der Universität München).
Denn Reisende werden die Planung ihres Urlaubs immer mehr der Künstlichen Intelligenz (KI) überlassen: Statt sich selbst mühsam durch die Seiten von Hotels, Sehenswürdigkeiten, Freizeitangeboten zu klicken, beauftragt man ein KI-Modell – dem man schon seine Interessen und Wünsche „beigebracht“ hat – damit, ein Rundum-Paket zusammenstellen. Und die KI „denkt“ und sucht nun mal ganz anders als der Mensch, erklärte Michael Dobmann, Fachmann für Digitale Transformation, beim Kelheimer Touristikertreffen 2026 im Gasthof Ehrl in Altessing.
Blumiges Marketing ist out: Die KI schätzt klare Ansagen
KI-Modelle wie ChatGPT durchsuchen zwar (auch) das Internet, um eine Frage zu beantworten, eine Aufgabe zu erfüllen. Blumige Versprechen wie „Wir bieten für alle etwas“ helfen der KI aber gar nichts. Sie schätzt Übersichten im Frage-Antwort-Modus, also zum Beispiel: „Wer sind wir? – Ein 3-Sterne-Hotel mit 70 Zimmern 150 Betten“, sowie Tabellen und Listen. Außerdem klare Aussagen, die logisch verknüpft sind, also etwa: „Kelheim ist eine Stadt in Niederbayern. Sie liegt an der Donau, und ihre bekanntesten Sehenswürdigkeiten sind Befreiungshalle und Weltenburger Enge.“
Den eigenen Web-Auftritt dafür zu optimieren, macht Arbeit. Dafür sollte man gleich die KI einspannen, riet Dobmann. Nämlich mit dem Auftrag („prompt“): „Bewerte meine Website www.betrieb-xy.de nach ihrer KI-Tauglichkeit (technisch und inhaltlich)“.

Antworten selbst festlegen
Den nächsten Schritt muss man selbst gehen. Nämlich festlegen: Auf welche Fragen soll mein Betrieb oder meine Organisation überhaupt die Antwort sein, respektive ein Teil der Antwort? Also zum Beispiel eher für den Suchauftrag „kindgerechtes Familienhotel mit vielen Freizeitangeboten und Preisen unter 100 Euro pro Nacht“ – oder für die Suche nach der „Luxus-Suite in ruhigem Wellness-Hotel für Erwachsene“?
Wenn Zeit und Nerv fehlen, seinen ganzen Webauftritt zu KI-optimieren, sollte man zumindest die Startseite anpassen mit einer Fakten-Box zu Lage und Anreise, Preisen, Zielgruppe; zudem mit einer guten FAQ-Seite, empfahl der Referent. Positiver Nebeneffekt: Auch menschliche Suchende, die es ja weiterhin gibt, schätzen übersichtliche Info-Elemente, statt sich durch einen Wust an Werbetext zu quälen.
Neben der Aufbereitung der eigenen Daten sollte man darauf achten, dass die Web-Präsenz auf so vielen Plattformen und Datenräumen wie möglich präsent ist. Denn je öfter die KI auf dieselbe Information stoße, desto größer bewerte sie deren Relevanz, so Dobmann.
Dass Plattformen wie booking.com durch KI überflüssig werden, sei unwahrscheinlich: Mit Nutzung solch kuratierter Angebote versuchen sich auch KI-Modelle abzusichern gegen Falschinformationen und gar Betrugsversuche.
Ohne Online-Buchbarkeit hat man kaum noch Chancen
Der dwif-Referent betonte schließlich, dass die Online-Buchbarkeit von Angeboten in KI-Zeiten unerlässlich werde: Kein Chatbot werde seinem digital affinen Nutzer ein Angebot empfehlen, das sich etwa nur per Telefon buchen lässt.
Bei einem wichtigen Etappenziel will der Tourismusverband seine Mitglieder unterstützen, kündigte Geschäftsführer Florian Best an: Im Herbst soll ein „DigitalCheck“ die digitale Sichtbarkeit von Kelheims touristischen Angeboten erhöhen.
Alle Mitgliedsbetriebe (außer man widerspricht) werden automatisch und KI-basiert analysiert; sie bekommen Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Und zwar für die Kriterien Online-Präsenz (mit Website und auf Social Media), Auffindbarkeit (für Google), Kunden-Resonanz (auf Bewertungsportalen) und Digitale Barrierefreiheit.
Geschäftsführer Best und TV-Vorsitzender Martin Neumeyer gaben bei der Versammlung in Altessing den Mitgliedern weitere Infos, Ein- und Ausblicke für die bevorstehende Saison (Bericht folgt!).