Hayato Sumino erreicht Millionen Menschen: „Die Leute spüren, dass es authentisch ist“

Von Marianne Sperb · 14. April 2026 um 10:41

Der Pianist, der Ingenieurwissenschaften studierte, zögerte, Musik zu seinem Beruf zu machen. Heute ist er legendär erfolgreich. Vor seinem Konzert in Regensburg erzählt er im Exklusiv-Interview, woher er seine Inspiration nimmt.

Sie haben mit einem Klavier-Solo-Abend vor 18 564 Zuhörern in der K-Arena in Yokohama Weltrekord geschrieben. Und Sie erreichen mit Ihren Clips Millionen von Menschen. Wie machen Sie das?

Hayato Sumino: Ich hatte nie die Absicht, Millionen von Menschen zu erreichen. Anfangs habe ich einfach Dinge geteilt, die ich persönlich interessant oder unterhaltsam fand. Ich glaube, die Leute spüren, dass es authentisch ist. Ich versuche nicht, zwischen „ernsthafter klassischer Musik“ und etwas Lässigerem oder Experimentellerem zu trennen. Für mich gehört alles zusammen. In gewisser Weise geht es also nicht darum, ein großes Publikum zu erreichen, sondern darum, kleine Momente der Verbundenheit zu schaffen – und diese haben sich mit der Zeit einfach entwickelt.

Ihre erfrischende Art, klassische Musik zu interpretieren, begeistert. Woher nehmen Sie Ihre Energie, Ihre Inspiration?

Sumino: Ich denke, sie entspringt ganz natürlich meiner Neugier. Ich habe mich schon immer für Dinge jenseits der klassischen Musik interessiert – wie Wissenschaft, Technologie oder verschiedene Klänge – und diese fließen irgendwie in meine musikalische Denkweise ein. Gleichzeitig verbringe ich viel Zeit damit, die Struktur und die innere Logik eines Stücks zu verstehen, wenn ich daran arbeite. Sobald ich das klar spüre, gibt mir das mehr Freiheit, und die Musik kann natürlicher fließen. Inspiration ist für mich also keine einzelne Quelle, sondern eher eine Kombination verschiedener Interessen, die ich dann mit der Musik verbinde.

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Sie spielen Klavier, seit Sie drei sind, haben keine Musikschule besucht, sondern in Tokyo Ingenieurwesen studiert und im Bereich KI gearbeitet. Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Musik zu Ihrem Beruf machen wollen?

Sumino: Lange Zeit habe ich Musik nicht wirklich als meinen Beruf gesehen. Ich habe Ingenieurwesen studiert und gleichzeitig immer gespielt, bin aufgetreten und habe Musik mit anderen geteilt. Diese beiden Welten existierten also eine ganze Weile parallel. Ich glaube, erst nach bestimmten Erfahrungen – wie Wettbewerben und mehr internationalen Auftritten – habe ich gespürt, dass Musik einen zentraleren Platz in meinem Leben einnehmen könnte. Selbst dann war die Entscheidung, mich voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren, nicht so einfach. Es fühlte sich eher wie ein allmählicher Prozess an, nicht wie ein einzelner Moment.

Das Aurora Orchester spielt auswendig und im Stehen. Es ist bekannt für seinen kreativen Ansatz und kühne Innovationen im Klassik-Konzert. Am 23. April gastiert es in Regensburg mit Hayato Sumino am Flügel. - Foto: Mark Allen

War Ihr Studium ein Umweg oder haben Sie Fähigkeiten und Denkweisen daraus mitgenommen, die Sie beim Klavierspielen anwenden können?

Sumino: Ich würde es überhaupt nicht als Umweg sehen. Für mich waren das Ingenieurstudium und die Musik immer miteinander verbunden. Ich habe mich schon immer für Struktur und Kreativität gleichermaßen interessiert, und ich denke, Musik hat auch eine sehr ausgeprägte logische Seite. Mein Studium hat wahrscheinlich meine Herangehensweise an Musik beeinflusst – zum Beispiel meine Denkweise über Struktur, Muster oder sogar den Klang selbst. Gleichzeitig ist Musik aber nicht nur analysierbar, sondern erfordert auch Intuition. Ich denke, diese beiden Denkweisen ergänzen sich ganz natürlich.

Ihr Album „Chopin Orbit“ ist im Januar erschienen. Gibt es Pläne für Ihr nächstes Projekt?

Sumino: Ja, ich werde mit dem Programm „Chopin Orbit“ auf Konzerttournee gehen.

Sie führen neues, junges Publikum an Klassikkonzerte heran. Ist Ihr Stil die Zukunft?

Sumino: Ich sehe meinen Stil nicht als „die Zukunft“ der klassischen Musik. Für mich ist klassische Musik etwas Lebendiges. Sie hat eine lange Geschichte, ist aber gleichzeitig immer mit der Gegenwart verbunden. Ich versuche eher, einen Dialog zu schaffen – beispielsweise zwischen traditionellem Repertoire und meinen eigenen Ideen oder zwischen dem Konzertsaal und anderen Formaten. Klassische Musik kann sich auf vielfältige Weise weiterentwickeln, und dies ist nur eine davon.

Interview: Marianne Sperb

Info: Hayato Sumino und das Aurora Orchester am 23. April in Regensburg

Das Aurora Orchester und Hayato Sumino sind am 23. April (20 Uhr) bei Odeon Concerte im Audimax zu Gast. Sie spielen „Boléro“ von Maurice Ravel, „Short Ride in a Fast Machine“ von John Adams, „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin und „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky. Alle Details und Tickets bei www.odeon-concerte.de, Tel. (09 41) 29 60 00.

Hayato Sumino, Jahrgang 1995, revolutioniert die Klassik-Welt. 2021 wurde er Halbfinalist beim Internationalen Chopin-Wettbewerb; sagenhafte 45 000 Menschen verfolgten seinen Auftritt in Warschau live online. Spätestens da stand fest, dass Hayato Suminos Zukunft die Musik sein würde. Hayato Sumino ist nicht nur Konzertpianist, sondern auch Social Media Star, mit knapp 1,5 Millionen Followern allein bei Youtube, wo er unter dem Namen Cateen seine eigenen Stücke postet. In den Clips zeigen sich vor allem eine Virtuosität, die man durch obsessives Üben erreicht, und sein enormer Spaß am Spiel. Sumino hat oft ungewöhnliche Ideen, spielt zum Beispiel Flügel und Melodica gleichzeitig oder interpretiert Mozart am Spielzeugklavier.