Parkinson-Tag: Neumarkter Chefarzt erklärt Therapien und Chancen für Patienten

Showmaster Frank Elstner hat es, Sängerin Ute Freudenberg ebenso, Kabarettist Otmar Fischer und auch Schauspieler Michael J. Fox: Sie alle sind an Parkinson erkrankt. Heute, am Welt-Parkinson-Tag, erklärt der Chefarzt der Neurologie, Prof. Dr. Frank Seifert, welche Behandlungsmöglichkeiten das Klinikum Neumarkt bietet und wie die Krankheit sich bemerkbar macht.
Nach Alzheimer ist Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung: Nach und nach sterben Nervenzellen im Gehirn ab. Jedoch anders als bei Alzheimer gibt es noch keine Therapie, die den Verlauf verändern kann. Die Krankheit ist nicht heilbar. Doch es gibt Therapien, die Symptome reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Eine solche Komplex-Therapie wird am Klinikum Neumarkt angeboten.
Und nicht nur das: Die Rahmenbedingungen wurden verändert, um die Betreuung der Patienten zu optimieren. „Wir haben das Behandlungsangebot organisatorisch verbessert und neu strukturiert“, erklärt Prof. Seifert. Auf der neurologischen Station gibt es nun einen eigenen Bereich, in dem ärztliche und therapeutische Behandlungen ineinandergreifen.
Denn abgesehen davon, dass die Patienten medikamentös eingestellt werden, erhalten sie auch individuelle Pläne für Ergo-, Logo-, Physio- und Psychotherapie. „Mit dieser multimodalen Therapie kann man eine Besserung der Gesamtsituation bewirken“, sagt der Chefarzt, lässt aber nicht unerwähnt, dass es in der Medizin nie Garantien gibt.

Der große Vorteil des etwa zwei- bis dreiwöchigen Aufenthalts im Krankenhaus: Parkinson-Patienten haben bessere und schlechtere Phasen, weshalb der Besuch in einer Arztpraxis meist nur eine Momentaufnahme darstelle, erklärt der Neurologe. Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus könnten Ärzte und spezialisierte Pflegekräfte Tag und Nacht kontrollieren, wie Medikamente sowie Therapien wirken und bei Bedarf anpassen.
Parkinson ist schwer zu fassen
„Wenn eine Parkinsonerkrankung fortschreitet, gibt es sogenannte ,On- und Off-Phasen‘, Phasen, in denen die Medikation wirkt und solche, in denen die Symptome nicht mehr kontrolliert werden.“ Darauf könne man im Krankenhaus gezielt reagieren.
Sechs reguläre Plätze gibt es für diese Parkinson-Komplextherapie – bei akutem Bedarf könne das Klinikum aber auch mehr Patienten aufnehmen, sagt Seifert. Grundsätzlich werde vorher geprüft, ob die Indikation für diese Therapie gegeben sei.
Das gilt auch für Pumptherapien, die ebenfalls im Neumarkter Klinikum angeboten werden: Eine Pumpe sorgt vor allem bei einer fortgeschrittenen Erkrankung und wenn Tabletten nicht mehr wirksam sind dafür, dass Wirkstoffe kontinuierlich über eine kleine Pumpe am Körper – meist über die Haut – abgegeben werden.
Für einige Patienten, bei denen Medikamente nicht mehr die erwünschte Wirkung erzielen, komme auch eine tiefe Hirnstimulation infrage, führt der Mediziner weiter aus. Bei der Operation würden ganz kleine dünne Elektroden in bestimmten Kerngebieten im Gehirn platziert. Wie eine Art Hirnschrittmacher könnten sie dann das Gehirn in seiner Funktion modifizieren.

„Das ist ein invasives Verfahren, das mit Risiken verbunden ist“, unterstreicht Dr. Frank Seifert. Deshalb werde es meist bei jüngeren Patienten gewählt – aber auch bei ihnen nur unter bestimmten Voraussetzungen. Für diese Operationen kooperiert das Neumarkter Haus mit den Unikliniken in Regensburg und Erlangen.
Es gibt noch viele offenen Fragen bei Parkinson – vor allem, was die Ursachen betrifft. Ein gesunder Lebensstil mit gesunder Ernährung sowie ausreichend Bewegung beuge allerdings grundsätzlich neurodegenerativen Erkrankungen vor, sagt der Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie.
Angehörige werden am Klinikum Neumarkt einbezogen und aufgeklärt
Außerdem treten bekannte Symptome wie steife Muskeln oder Zittern erst auf, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist. Eine verminderte Geruchswahrnehmung, Schlafstörungen, Verstopfung oder langsameres Denken gehen diesen oft voraus. „Aber diese Symptome sind so unspezifisch, dass man darauf basierend keine Parkinson-Erkrankung diagnostizieren kann“, unterstreicht Seifert. Die Forschung arbeite an einem Bluttest, um Parkinson zu erkennen. Noch stelle aber in der Regel ein Neurologe aufgrund der Befunde die Diagnose.
In die Komplex-Therapie am Klinikum werden die Angehörigen mit einbezogen. Es sei wichtig, innerhalb der Familie offen mit der Erkrankung umzugehen und zu informieren. „Denn es ist eine chronische Erkrankung, die nicht nur den Patienten, sondern auch die Angehörigen über viele Jahre begleitet“, sagt Prof. Seifert.
Darum sei es wichtig, Parkinson in der Gesellschaft nicht zu stigmatisieren – zumal es eine häufig auftretende Erkrankung sei. „Deshalb ist der Welt-Parkinsontag ein wichtiger Tag, um darüber aufzuklären.“
Gut zu wissen:
• Betroffene: Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) leiden in der Bundesrepublik rund 200 000 Menschen an Parkinson. Tendenz steigend, da es sich in der Regel um eine Erkrankung handelt, die im Alter auftritt.
• Symptome: Zittern, verlangsamte Bewegungen, steife Muskeln.
• Gedenktag: Der 11. April 1755 war der Geburtstag des englischen Arztes James Parkinson. Er beschrieb die Krankheit, die nach ihm benannt wurde.