Erlebniswelt Flederwisch Furth im Wald verbindet Natur mit Technik und Apokalypse

Die Erlebniswelt Flederwisch hat die Winterpause beendet. Was es heuer neu zu erleben gibt, haben die Betreiber Alexander und Rolf Schüler im Gespräch erläutert und den Reporter nach dem Rundgang mit einer tröstlichen Erkenntnis zurück in die Redaktion entlassen.
Wir treffen uns im Café zum Goldenen Dampfkessel, das sich in unmittelbarer Nähe zum Eingang befindet. Eingerichtet mit zahlreichen Elementen des Steampunk, ist es für sich genommen schon ein faszinierender Ort, an dem es bei Kaffee und Kuchen viel zu entdecken gibt. Wundert also nicht, wenn Rolf Schüler sagt, dass sich manche Besucher schon einen ganzen Tag lang in der Flederwisch-Welt verloren haben.
Die Brüder sitzen mir gegenüber, Alexander mit Hut, ohne den ich ihn noch nie gesehen habe, ebenso typisch das Merkmal bei Rolf, der die Brille auf die Stirn geschoben hat. Letztes Jahr, sagen die beiden, ist wegen des Schattengartens, den sie auf der Landesgartenschau zusammen mit Uli Stöckerl vom Wildgarten gestaltet und gepflegt haben, viel unerledigt geblieben. Deswegen wurden aufwendige Gartenarbeiten, Wege- und Baumpflege durchgeführt.
Pflanzroboter, Bank und Maske sind umgezogen
Apropos Landesgartenschau: Einige Ausstellungsstücke wie die große Maske wurden abgebaut und in die Erlebniswelt geholt. Der Pflanzroboter, der den letzten Versuch des Menschen repräsentiert, überlebenswichtige Bäume in großer Stückzahl zu pflanzen, musste mit dem Kran aus dem Schattengarten gehoben werden. Er steht jetzt im Ausstellungsbereich „Vergessener Garten.“ Ebenso ist die metallene Parkbank, deren Sitzflächen aus Werkzeugen wie Schaufeln und Pflugeggen bestehen, umgezogen. Dafür steht jetzt eine kleinere Ausgabe im Garten am Brückenring. „Wir wollen den Schattengarten unbedingt erhalten, weil er der einzige der Gärten ist, der von der Gartenschau übrig geblieben ist“, sagt Rolf Schüler. Und weil es den drei Touristik-Individualisten immer noch enormen Spaß macht, ihn zu pflegen. Mindestens dieses und vielleicht auch nächstes Jahr soll das noch so bleiben. Dann wollen sie ihn an die Stadt übergeben. „Es ist einfach schön, weil er jetzt noch gut genutzt wird“, ergänzt Alex Schüler.
Inspiration holen sich beide von überall. Rolf liebt sogenannte „Lost Places“. Verlassene Industrieanlagen zum Beispiel und wie sie sich verändern, wenn der Mensch verschwunden ist. Alex mag den Garten des Künstlers André Heller am Gardasee. Viele Ideen fließen derzeit in das Gebäude, das gegenüber der Erlebniswelt auf der anderen Straßenseite steht. Einen neugierigen Blick darf man noch nicht hineinwerfen, soll ja eine Überraschung werden. Nur so viel verraten die beiden: „Das Haus soll genutzt und eine Bereicherung für den Tourismus werden.“ Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass es das sein wird.
Warum sich die Eröffnung bis mindestens in den Sommer verzögert, erklärt sich aufgrund der vielen bürokratischen Auflagen, die zu erfüllen sind. „Viele davon sind durchaus berechtigt und machen Sinn, aber die Umsetzung ist nicht ganz ohne.“ Feuerschutzmaßnahmen und eine an der Außenmauer angebrachte Fluchttreppe, die auch nur im Notfall genutzt werden darf, gehören dazu. „So Gott will, können wir zum Start der Sommerferien öffnen.“ Ganz fertig wird der neue Bereich dann aber nicht sein. Ganz normal in der Erlebniswelt am Lagerplatz. Das Flederwisch verändert sich insgesamt immer wieder. So wie die bereits angesprochene Vergessene Welt, die bei meinen Besuchen zum Pflichtprogramm gehört.
Hier prallen Technik, die Zerstörungswut des Menschen und die Kraft der Natur knallhart aufeinander. Gerade verhandeln die Brüder mit einer Graffiti-Künstlerin, die den großen Container verzieren soll und auf der Wand hinter dem Pflanzroboter soll ein Gemälde entstehen. Nur so viel: Furth im Wald und der Drache sollen eine Rolle in der apokalyptischen Darstellung spielen.



Aber, und jetzt wird es philosophisch, Alexander und Rolf Schüler geht es nicht nur darum, mit dem Garten den Menschen vor Augen zu führen, was passiert, wenn sie dem selbstzerstörerischen Treiben kein Ende setzen.
Der Vergessene Garten kann Hoffnung geben
Es geht auch um Hoffnung, darum zu zeigen, wie die Natur, dem Phönix gleich, aus der von der menschlichen Dummheit produzierten Asche strahlend aufs Neue emporsteigt. Vor allem jetzt im Frühjahr, wenn alles zu blühen und sprießen beginnt, ist das ein tröstlicher Anblick.
Steampunk
Der Begriff Steampunk ist in der Viktorianischen Zeit entstanden. Damals nahmen Industrialisierung und Dampfkraft an Bedeutung immer mehr zu.
Das englische Wort „Steam“ bedeutet Dampf, „Punk“ wird mit Andersartigkeit übersetzt.
Laut Rolf Schüler entwerfen Steampunker ihre Mode zwar im viktorianischen Stil, geben ihr aber eine ganz eigene Note durch selbst designte, hergestellte und damit „andersartige“ Accessoires. Im Mittelpunkt steht aber immer die Faszination der Mechanik.