Wildgarten Furth im Wald setzt auf vergängliche Kunst in der Natur

Von Alexander Frimberger · 17. März 2026 um 11:00

Jedes Jahr im Frühjahr gehört ein Besuch im Wildgarten zum Pflichtprogramm, denn jedes Jahr gibt es wieder Neues zu entdecken. Ein Schwerpunkt 2026: Land Art, vergängliche Kunst, hergestellt aus Naturmaterialien, die den Blick auf die Landschaft verändert.

Das Morbide, die Faszination des Werdens und Vergehens in der Natur, sind die Themen, die Wildgartenbesitzer Ulrich (Uli) Stöckerl seit der Eröffnung des Parks vor 35 Jahren interessieren.

Er übersetzt den Begriff Land Art mit Gartenkunst. „Das sind große Objekte, die man in die Natur oder eben in den Garten stellt.“ Vor einigen Jahren hat er begonnen, Kunst in seiner Anlage aufzustellen, und es wird kontinuierlich mehr. Wer mit offenen Augen durch die zum Teil verwunschene Anlage spaziert, der kann viel entdecken, zum Beispiel den Ritter zwischen zwei Baumstämmen, der komplett aus alten Satteln gefertigt wurde.

Ein Wesen aus dem Harry Potter-Universum

„Das ist der wahre Sattelbogner“, sagt Stöckerl und lacht. Auch eines seiner Persönlichkeitsmerkmale. Er hat jede Menge Humor und wendet den auch auf sein Lebenswerk an. Da steht der Moormann im Wasser, den man schon kennt, dort hockt ein Waldgeist auf einem Baumstamm.

Es könnte gut und gerne ein Wesen aus dem Harry Potter-Universum sein. Das ist eines von den Zielen, die der 70-Jährige noch hat, bevor er sich in fünf Jahren aus dem aktiven Geschäft zurückziehen will: In regelmäßigen Abständen sollen Figuren stehen. Die werden seiner Erfahrung nach meist zuerst von Kindern entdeckt, die dann begeistert rufen: „Papa, schau, ein Waldgeist.“

2026 wird es aber verstärkt um Land Art gehen. Das war 1990, als der Wildgarten eröffnet wurde, noch kein Thema. „Irgendwann sind die Künstler auf mich zugekommen, haben gefragt, ob sie bei uns ausstellen dürfen.“ Ton, Ziegel, rostiges Metall, alte Weideäste, alles kann zu einem Kunstobjekt werden. Rainer Heinrichmeyer und Karl Soukop sind nur zwei Künstlernamen, die man in der Drachenstadt bestens kennt. Steinskulpturen, die den Auwald bewachen, eine Allee mit Masken, die man aus dem Schattengarten auf der Landesgartenschau kennt oder vier farbige Stelen im Labyrinth, vieles fördert die Fantasie und öffnet den Blick für andere Betrachtungsweisen. 40 Skulpturen sind es inzwischen und es sollen mehr werden. Land Art, das ist aber auch das, was er und sein Team selbst geschaffen haben. Bänke, Tische, Hütten und vieles mehr, das aus den Ästen der Weide gefertigt wird. Jetzt im Frühjahr müssen auch viele Weidenwerke repariert werden. Ein Werden und Vergehen eben.

Man muss genau hinschauen, um das Waldwesen auf dem Baumstamm sitzen zu sehen - Foto: Alexander Frimberger
Die Weidenhütte wird gerade repariert - Foto: Alexander Frimberger
Bunte Skulpturen im Labyrinth - Foto: Alexander Frimberger
Zwei Wächter im Auenwald - Foto: Alexander Frimberger
Der wahre Sattelbogner - Foto: Alexander Frimberger
Eine Allee, gesäumt von Masken - Foto: Alexander Frimberger
Wer den Kopf in die Öffnung im Stein steckt, hat ein besonderes Klangerlebnis - Foto: Alexander Frimberger
Daphne und Apollon - Foto: Alexander Frimberger

Vor 35 Jahren als Spinner abgetan, lacht heute keiner mehr über Stöckerl. Im Gegenteil ist er zu einer festen Größe im Further Tourismusgeschehen geworden. An 365 Tagen ist der Wildgarten geöffnet, 35 000 Besucher kommen durchschnittlich im Jahr. So, wie ein Ehepaar mit Hund, das aus Hessen angereist ist und am Eingang steht. Sie haben sich in Neukirchen b. Hl. Blut eingemietet. Einen Tag haben sie in Passau verbracht, einen weiteren auf einer Alm in Österreich. „Heute schauen wir uns den Wildgarten an, dann geht es wieder heim“, sagen sie. Eine Erfahrung, die Stöckerl in seiner Aussage bestärkt: „Wir haben inzwischen einen guten Namen, zum Beispiel auch in Österreich und in der Schweiz.“ Zusammen mit den Brüdern Rolf und Alexander Schüler (Flederwisch) hat er den Schattengarten auf der Landesgartenschau geschaffen. Dort ist man gerade dabei, alles für die neue Saison vorzubereiten.

Ein Nachfolger ist bereits gefunden

Einmal noch, dann überlassen sie das einzigartige Areal mit Steintisch, Steg und Eingangstor der Stadt Furth im Wald. Wenn er selbst in fünf Jahren in die zweite Reihe tritt, wer macht dann die Zauberwelt Wildgarten weiter? Einen Namen verrät Uli Stöckerl nicht. Aber er sagt, es gibt einen Nachfolger, der dann soweit ist. Es ist dem Wildgarten und allen Besuchern, die ihn lieben, zu wünschen.

Daphne verwandelt sich in einen Baum

Mythos: Weil der griechische Gott Apollon Liebesgott Eros beleidigte, schoss der zwei Pfeile: Apollon bekam einen, der ihn unsterblich verliebt in die Nymphe Daphne machte. Die wiederum bekam einen, der genau das Gegenteil bewirkte. Apollon stellte Daphne pausenlos nach.

Hilfeschrei: Als sie das Stalking nicht mehr aushielt, bat sie Mutter Natur um Hilfe. Ihre Glieder erstarrten, sie verwandelte sich in einen Baum, Arme wurden zu Zweigen, die Beine zu Wurzeln. fa