Altersarmut im Fokus: Rengschburger Herzen eröffnen Laden in der Altstadt

Der Hilfsverein Rengschburger Herzen hat vor wenigen Tagen einen Laden in der Regensburger Altstadt eröffnet. Dort wollen sich die Ehrenamtlichen insbesondere um das Thema Altersarmut kümmern – eine Ausgabestelle fällt dafür weg.
Bei dem Laden am Fischmarkt handele es sich um eine Begegnungsstätte, teilt der Verein der Mittelbayerischen Zeitung mit. Der Schritt sei unter anderem deshalb nötig geworden, weil die bisherige Ausgabestelle am Regensburger Hauptbahnhof in dieser Form nicht mehr genutzt werden konnte, schreiben die Herzen weiter. „Es ist so, dass dort die Obdachlosen teilweise das Gelände mit Dingen, die sie von Rengschburger Herzen bekamen, vermüllt haben.“ Daher sei dem Verein nahegelegt worden, sich einen anderen Ausgabeort zu suchen. Diesen habe man nun in Form des rund 40 Quadratmeter großen Geschäfts am Fischmarkt gefunden. Pünktlich zu Ostern konnte der Verein dort loslegen: „Die erste Verteilung fand am Gründonnerstag statt“, teilen die Herzen mit. Rund 40 Menschen seien gekommen. Auch in Zukunft sollen am Fischmarkt Lebensmittel an Bedürftige verteilt werden. Wie das im Einzelnen gehandhabt wird, müsse man noch genau eruieren.
Am Regensburger Fischmarkt gibt es alles für das Abendessen
Konkret habe man geschmierte Brote an Obdachlose ausgegeben, die am Tag zuvor in der „Herzenzentrale“ in der Dr.-Gessler-Straße hergerichtet worden seien. Darum habe sich ein kleines Team an Freiwilligen gekümmert. Dazu gebe es verschiedene Kaffeesorten oder Tee. „Alles, was man noch als kurzes Abendbrot eben braucht“, führen die Herzen in der Mitteilung weiter aus. Der Laden, so der derzeitige Plan, werde von Montag bis Samstag zwischen 18 und 20 Uhr öffnen. Dann steht ein Team der Herzen parat, um Lebensmittel zu verteilen. Es gehe aber nicht alleine ums Essen, betont der Verein. Es solle auch das Zwischenmenschliche in den Fokus genommen werden.
Herzen-Chef Arno Birkenfelder betont auf Nachfrage, dass man über zwei Jahre lang Lebensmittel am Bahnhof ausgegeben habe. Dort hätten sich zum Teil lange Schlangen gebildet. Das ist auch auf Bildern in sozialen Medien zu sehen. Das wiederum habe auch zu unschönen Begleitumständen geführt. Daher sei man froh, den Laden am Fischmarkt gefunden zu haben.
Begegnung am Bürgerfest führte zu Ladeneröffnung der Rengschburger Herzen in der Altstadt
Letztlich habe ein Zufall dazu geführt, dass man auf den Laden am Fischmarkt aufmerksam geworden sei. Beim Bürgerfest habe man den Stand gegenüber des Geschäfts gehabt. Damals war noch ein Weinhändler dort drin. Man habe sich unterhalten. Dabei habe der Unternehmer erzählt, dass er den Laden aufgebe – eine Chance für die Herzen. „Das ist eigentlich eine schöne Geschichte“, sagt Birkenfelder.
Das ist eigentlich eine schöne Geschichte.Arno Birkenfelder, Herzen-Chef
Die Ausgabe vor Ort habe man gut organisiert, man wolle das Treiben am Fischmarkt schließlich nicht stören, betont Herzen-Chef Birkenfelder. Die Leute stellen sich in der kleinen Gasse neben dem Geschäft an. „Das funktioniert gut“, so sein erster Eindruck. Dennoch habe er mit mehr Menschen gerechnet. Insgesamt könne man rund 100 Menschen versorgen. Der Umzug habe auch für die Helfer Vorteile. „Die standen zwei Jahre lang bei Wind und Wetter am Bahnhof.“
Rengschburger Herzen legen Fokus auf Altersarmut in Regensburg
Den Herzen gehe es dabei besonders um das Thema Altersarmut, betont Birkenfelder. „Ich fahre jeden Tag durch die Stadt, ich sehe doch, dass wir da ein Problem haben.“ Zugleich nehme er wahr, dass das Thema schambehaftet ist. „Die Leute trauen sich kaum raus.“ Auch deshalb versuche man alles, um diese Menschen zu unterstützen. „Wir fahren ihnen ja auch das Essen nach.“ Dabei, das betont auch Birkenfelder, soll es im Laden am Fischmarkt nicht nur um Essen gehen. Das Geschäft soll vielmehr eine Art Anlaufstelle sein. „Wenn jemand zum Beispiel ein Rad braucht, kann er sich bei uns melden.“ Es gehe darum, die Menschen zu sensibilisieren. „Wer Hilfe braucht, kann sich gerne bei uns melden.“ Denn: „Die Schwächsten fallen oft hinten runter.“ Die Lage biete darüber hinaus den Vorteil, näher an diesen Menschen zu sein.

Natürlich sorge der Laden in guter Lage auch für eine gewisse Sichtbarkeit der Herzen in der Regensburger Altstadt, sagt Birkenfelder. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich der Strohhalm, dessen Angebot sich auch an Bedürftige richtet. Der Verein plant allerdings einen Neubau im Stadtnorden und sammelt derzeit Spenden dafür. Der Strohhalm wird also nicht mehr lange in der Nachbarschaft der Herzen zu finden sein. Birkenfelder sagt dazu nur: „Ich beschäftige mich nicht mit den anderen.“ Allerdings, das macht der Vereinschef deutlich, verfolge man einen anderen Ansatz als etwa der Strohhalm, bei dem die Gäste einen kleinen Betrag für ihr Essen zahlen. „Wir wollen von den Armen kein Geld.“ Nichtsdestotrotz brauchen auch die spendenbasierten Herzen Geld – auch für den neuen Laden. „Das kostet alles Miete und Strom.“