Fesselnd und hochaktuell: Der neue Thriller von Horst Eckert

Von Marianne Sperb · 7. April 2026 um 18:28

Der Autor lässt die Praktikantin einer Tageszeitung knallhart recherchieren. Eine kurze Polizeimeldung wird der Anstoß für eine atemlose Spurensuche, die bis zum Geheimdienst in der Ukraine führt.

„Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen“: Der Satz, den man so oft liest und der nicht oft stimmt – auf Horst Eckerts neuen Thriller trifft er zu. Bei mir jedenfalls lag das Buch sogar beim Rühren des Risottos aufgeschlagen neben dem Kochfeld. Damit ist also das Beste und Wichtigste, was man über einen Thriller sagen kann, schon mal gesetzt.

Horst Eckert versteht sein Handwerk. Seine Story um die junge Journalistin einer Tageszeitung, die einem Skandal in der Rüstungsindustrie nachgeht und dem russischen Geheimdienst gefährlich nahe kommt, erzählt er in atemlosem Tempo, in kurzen Kapiteln, manchmal nur drei Seiten lang, mit vielen Cliffhangern, in Dialogen, die auf den Punkt sitzen, und in einer Sprache, die nicht kunstvoll ist, das nicht, aber schnörkellos, und ohne Blähstoff formuliert. „Die Praktikantin“ ist erschienen im Heyne-Verlag, hat 384 Seiten und kostet 17 Euro.

Der Chef wedelt ihre Argumente weg

Clara, eine junge Frau mit Geheimnissen, mit einer Vorgeschichte, die ihr bei Arbeitgebern Probleme machen könnte, ergattert einen Job als Praktikantin in einer Redaktion. Sie wird an den Katzentisch gesetzt und soll Polizeiberichte aufpeppen. Kein Platz, um sich zu profilieren. Aber Clara zeigt Biss und Instinkt. In einer wenig ergiebig scheinenden Meldung über einen Einbruch entdeckt sie Ungereimtheiten. Was hat die Tat mit den regimekritischen Exilrussen zu tun, die in dem Haus arbeiten? Warum sieht alles so aus, als ob deutsche Behörden die Sache vertuschen wollten? Und welche Rolle spielen die zu allem bereiten Männer in Kiew?

Die Praktikantin folgt der Spur auf eigene Faust – der Chef hält ihre Beobachtungen für Hirngespinste und wedelt ihre insistierenden Argumente weg – und kommt einem Komplott auf die Schliche. Gut, dass Jan Koller, Hauptstadt-Korrespondent mit viel Kredit in der Führungsetage, ihr vertraut und an ihrer Seite bleibt, denn: Ein Informant wird ermordet, der Fall nimmt Dimensionen von internationaler Tragweite an und am Ende geraten auch die Praktikantin und ihr Kollege in Lebensgefahr. Im rasanten Showdown peitscht der Autor seine Leser geradezu durch die Seiten.

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Was wie ein an den Haaren herbei gezogenen Plot wirken könnte, scheint hier plausibel. Horst Eckert recherchiert seine Fälle genau aus und bleibt hart am aktuellen Zeitgeschehen. Die Entwicklungen im Verteidigungskrieg der Ukraine, die Nachrichten über neue Waffensysteme und über Korruption: Alles fließt in den Politthriller ein. Außerdem kennt sich der Autor mit dem Milieu in Redaktionen aus und ist auch hier auf dem Laufenden. Die Disruption der Branche, Klicks als Geschäftsmodell, KI als Mittel zur Personaleinsparung und der Trend zu Spekulationen statt Fakten spielen entscheidende Rollen für den Weg, den die Story nimmt.

Horst Eckert, der in Düsseldorf lebt, wurde 1959 in Weiden in der Oberpfalz geboren. Er hat Politikwissenschaften in Erlangen und Berlin studiert und arbeitete 15 Jahre als Fernsehjournalist, unter anderem für die „Tagesschau“. Seine Romane wurden mehrfach übersetzt und ausgezeichnet, zuletzt erhielt „Die Macht der Wölfe“ als bester Politkrimi 2024 den Preis der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg. „Die Praktikantin“ ist sein 21. Roman.

Horst Eckert liest aus „Die Praktikantin“: 15. April Buchhandlung Volker in Sulzbach-Rosenberg, 16. April Marktbibliothek Nittendorf, 17. April Stadtbibliothek Amberg, 21. April Stadtbibliothek Schwandorf. Alle Details unter: horsteckert.de