Neue Methode gegen Gelenkschmerz: Patienten fahren aus halb Deutschland nach Regensburg

Von Daniel Pfeifer · 8. April 2026 um 11:00

Ein Chefarzt aus der Nähe von Frankfurt ließ sich hier schon behandeln, Patienten kommen aus ganz Süddeutschland. Am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg wird seit einem Jahr das innovative Verfahren TAPE, entwickelt in Japan, angewendet. Es verspricht Schmerzlinderung bei Arthrose für Patienten, denen die Standardtherapie nicht hilft. Radiologe Dr. Niels Zorger erklärt, was dahintersteckt.

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Seit 30 Jahren habe er nicht mehr so schmerzfrei Skifahren können – Diese verzückte Nachricht, zusammen mit dem Foto eines sonnigen österreichischen Bergpanoramas, bekam Prof. Dr. Niels Zorger von einem seiner Patienten auf WhatsApp geschickt. Zorger hatte den Hobby-Wintersportler einem innovativen Eingriff am Knie unterzogen. Dabei war der Patient nicht einfach irgendein Skifahrer, sondern Chefarzt an einem großen Krankenhaus südlich von Frankfurt.

Niels Zorger leitet die Radiologie am Regensburger Krankenhaus Barmherzige Brüder. Seit gut einem Jahr setzt der Chefarzt dort das sogenannte TAPE-Verfahren ein. Die Abkürzung TAPE steht für „transarterielle periartikuläre Embolisation“. Kurz zusammengefasst werden im Gelenk fehlwachsende Blutgefäße mit winzigen Partikeln verstopft und mitsamt der Nerven abgetötet: kein Nerv, kein Schmerz.

Innovation aus Japan nach Regensburg geholt

Dass nun ein Chefarzt aus einem anderen Bundesland zu den Barmherzigen kommt, um sich hier behandeln zu lassen, ist natürlich ein Ritterschlag. Doch auch andere Patienten kämen aus einem Einzugsgebiet von Frankfurt bis Passau, berichtet Zorger. Generell sei die Klinik bei derartigen Gefäßeingriffen „eines der größten Häuser Deutschlands“, fährt er fort.

Feines Werkzeug: Die Katheter, die in die Gelenk-Gefäße geschoben werden, sind weniger als einen halben Millimeter dick. - Foto: Daniel Pfeifer

Begeistert spricht der Chef-Radiologe von dem TAPE-Verfahren. Immerhin begegnet man einem so revolutionären Verfahren nicht alle Tage. Vor zehn Jahren, so kann sich Zorger erinnern, verfolgte er einen Kongress, bei dem ein japanischer Mediziner dieses Verfahren erstmals vorstellte. Ein paar Jahre und einige wissenschaftliche Studien später fand TAPE den Weg nach Deutschland und vor einem Jahr eben nach Regensburg.

Potenziell helfen kann TAPE dabei enorm vielen Menschen. „Arthrose betrifft ja fast jeden älteren Menschen“, sagt Zorger. In einigen Fällen schlage die standardisierte Therapie mit Schmerzmedikation und Physiotherapie nicht an. Dann bleibe nur noch noch die Hüft- oder Schulterprothese. Mit TAPE gibt es jetzt eine weitere Option vor so einer OP, die alles andere als einfach ist.

Dieses Röntgenbild zeigt das Knie eines Skifahrers. Mittig ist der Gelenkspalt, die dunkle „Wolke“ links sind wildwachsende Nerven. - Foto: Zorger

TAPE hingegen ist minimalinvasiv: Bei dem Eingriff führt Zorger einen Katheter, kaum dicker als ein Nähgarn, in krankhafte Gefäße am Gelenk ein. Diese Gefäße wachsen (einsprossen) oft in einem feinen Geflecht an beschädigtem Gewebe und haben keinen Nutzen für den Körper. Durch die TAPE-Katheter spritzt Zorger dann 50 Mikrometer kleine Partikel ein, die die Gefäße verschließen, veröden und sich daraufhin wieder auflösen.

Gelenkembolisation verspricht minimalen Eingriff und hohe Erfolgsquote

Für Zorger bedeutet das höchste Konzentration, sagt er. „Aber dieses Feinhandwerkliche liegt mir.“ Nur eine gute Stunde dauert der Eingriff unter Teilnarkose. Repariert ist das Gelenk dadurch nicht, doch man könne über Jahre Schmerzen reduzieren oder ausmerzen. Wie lange, lasse sich aus der Praxis noch schwer sagen, weil die Methode so neu sei. Auch in Regensburg wurden bislang erst rund 30 bis 40 Patienten mit TAPE behandelt. Zorger spricht von einer Erfolgsquote von rund 80 Prozent – bei Schmerztherapie ist das ein guter Wert. Komplikationen habe es noch keine gegeben.

Bei welchen Patienten und für welche Arten von Gelenken neben Knie, Schulter und Hand TAPE erfolgreich ist, untersucht derzeit nicht nur Zorger, sondern auch eine Doktorandin bei den Barmherzigen. Ziel soll sein, das Verfahren international durch Forschung in Regensburg voranzubringen.

Zorger selbst stellt die Methode in wenigen Tagen Mediziner-Kollegen in Passau vor, die dort in die Anwendung gehen. Schließlich leiden in Deutschland Millionen von Menschen an Arthrose, einige haben sogar Schmerzen, wenn sie sich nicht einmal bewegen. „Früher hat man gesagt: Arthrose, mei, das hat man halt im Alter. Aber dass Schmerzen den Alltag dominieren, das muss bei vielen Betroffenen nicht mehr sein.“