Rötz hat sich in über 130 Jahren als Festspiel-Stadt immer wieder neu erfunden

Von Hannah Zimmermann · 7. April 2026 um 11:00

Vor 30 Jahren wurde in Rötz ein bedeutendes Kapitel der Stadtgeschichte neu aufgeschlagen: Die Guttensteiner-Festspiele kehrten 1996 nach Jahrzehntelanger Pause auf die Schwarzenburg zurück und machten die Stadt erneut zur Festspielstadt. Was heute als fester Bestandteil des kulturellen Lebens erscheint, war damals das Ergebnis großer gemeinschaftlicher Anstrengung und eines starken Willens zur Wiederbelebung einer alten Tradition.

Denn die Geschichte der Festspiele reicht deutlich weiter zurück. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten die Rötzer die Burgruine der Schwarzenburg als Freilichtbühne. Mit dem Ritterschauspiel „Kunz von Kauffungen“ begann 1892 die lange Festspieltradition, die sich in den folgenden Jahrzehnten mit historischen Stoffen aus der Region weiterentwickelte. In den 1950er Jahren feierte das Freilichtspiel „Der Guttensteiner“ große Erfolge auf der Naturbühne der Schwarzenburg.

Die Ära endete erst einmal im Jahr 1959

Die Aufführungen zogen zahlreiche Besucher an und prägten das kulturelle Leben der Region nachhaltig. Doch 1959 endete diese Ära vorerst – das Festspiel verschwand für Jahrzehnte von der Bühne. Gründe für das Ende waren unter anderem der hohe organisatorische Aufwand sowie äußere Bedingungen wie fehlende Überdachung und wetterbedingte Ausfälle.

Erst Mitte der 1990er-Jahre wurde der Wunsch nach einer Wiederaufnahme konkret. Zahlreiche engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Verantwortliche aus Vereinen und Politik setzten sich dafür ein, die Festspieltradition zurück nach Rötz zu holen. Initiiert wurde die Wiederbelebung von Hans Seebauer, der mit einem schlüssigen Konzept Verein, Stadt und Bevölkerung überzeugte.

Regisseur Bernhard Hübl überarbeitete die Inszenierung grundlegend und passte sie an den modernen Zeitgeist an. Ein Arbeitsausschuss wurde gegründet, Planungen wurden intensiv vorangetrieben, und die Unterstützung in der Bevölkerung wuchs stetig. Die Wiederbelebung wurde dabei nicht nur organisatorisch vorbereitet, sondern auch emotional getragen, da sich viele noch an die erfolgreichen Aufführungen vergangener Jahrzehnte erinnerten.

1996 war es schließlich so weit: Nach fast 40 Jahren Pause kehrte „Der Guttensteiner“ auf die Schwarzenburg zurück. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Rollen wurden vergeben, Texte einstudiert, und die Naturbühne für die Aufführungen vorbereitet.

Schon die Besetzung der Rollen sorgte für Spannung

Allein die Besetzung der Sprechrollen sorgte im Vorfeld für große Spannung, da zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aktiv teilnehmen wollten. Bei den Treffen und Vorsprechen zeigte sich, wie groß das Interesse war, selbst Teil dieses besonderen Projekts zu werden. Rund 100 Mitwirkende standen schließlich auf und hinter der Bühne und arbeiteten gemeinsam auf die Premiere hin. Diese fand am 5. Juli 1996 statt und markierte den erfolgreichen Neustart der Festspiele. Die Probenzeit war geprägt von großer Begeisterung, aber auch von intensiver Arbeit. Immer wieder mussten Abläufe angepasst, Szenen umgestellt und organisatorische Herausforderungen gemeistert werden.

Der Guttensteiner alias Josef Niebauer hoch zu Ross - Foto: Simon Tschannerl

Auch äußere Bedingungen wie die Gegebenheiten der Naturbühne stellten die Beteiligten vor Herausforderungen, die jedoch gemeinsam gelöst wurden. Trotz aller Anstrengungen überwog die Aufbruchsstimmung. Viele Beteiligte investierten unzählige Stunden ehrenamtlich und trugen so maßgeblich zum Gelingen bei. Die Wiederbelebung war damit nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt innerhalb der Stadt.

Die Schwarzenburg wurde erneut zu einem Ort, an dem sich Geschichte und Gemeinschaft auf besondere Weise verbanden. In den folgenden Jahren entwickelten sich die Guttensteiner-Festspiele zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Rötz. Die Aufführungen lockten regelmäßig zahlreiche Besucher auf den Schwarzwihrberg und knüpften an die früheren Erfolge an.

Beim Festspiel wurden aufwendige Requisiten eingesetzt. - Foto: Simon Tschannerl

Über viele Jahre hinweg blieb das historische Freilichtspiel ein kultureller Anziehungspunkt der Region . Im Jahr 2015 endete die beliebte Aufführungsreihe des „Guttensteiners“ auf der Schwarzenburg. Nach fast zwei Jahrzehnten seit der Wiederbelebung 1996 ging damit eine prägende Phase der Festspielgeschichte in Rötz vorerst zu Ende.

Märchenzeit für Jung und Alt

■ Auch wenn das Guttensteiner-Festspiel heute nicht mehr in Rötz aufgeführt wird, ist die Tradition der Freilichtbühne auf der Schwarzenburg lebendig geblieben.

■ Die „Märchenzeit“ begeistert seit 2007 mit jährlich wechselnden Inszenierungen – von Klassikern wie „Rapunzel“ oder „Aschenputtel“ bis hin zu moderneren Stoffen – Jung und Alt. Mit liebevoll inszenierten Stücken wird hier ein neues Kapitel der Festspielgeschichte geschrieben, das an die große Vergangenheit anknüpft und gleichzeitig neue Impulse setzt. So stand 2025 beispielsweise „König Drosselbart“ auf dem Spielplan.

■ Auch in diesem Jahr wird die Tradition fortgeführt: 2026 bringt das Ensemble „Das kleine Gespenst“ nach dem bekannten Kinderbuch von Otfried Preußler auf die Bühne. Die Geschichte um das kleine Nachtgespenst, das die Welt einmal bei Tag erleben möchte und dabei für ordentlich Trubel sorgt, verspricht erneut ein besonderes Theatererlebnis auf der Schwarzenburg.

■ Karten für die Aufführungen sind online und im Tourismusbüro in Rötz erhältlich.