Nach Beinahe-Katastrophe auf Krk-Brücke: Familie aus Landkreis Cham wehrt sich gegen Hass

Von Benjamin Neumaier · 6. April 2026 um 15:01

Nach einem dramatischen Unfall auf der Krk-Brücke in Kroatien hat sich ein Familienvater aus dem Landkreis Cham mit einer Stellungnahme auf Facebook an die Öffentlichkeit gewandt. Während die Familie das lebensgefährliche Ereignis gerade ansatzweise verarbeitet, wird sie im Internet und auch persönlich mit massiven Anfeindungen konfrontiert.

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In einem öffentlich geteilten Facebook-Beitrag schildert der Betroffene den Vorfall ausführlich: Der Mann aus dem Landkreis Cham war mit seiner Familie auf dem Weg in den Urlaub auf die Insel Krk in Kroatien. Er fuhr einen Transporter mit Anhänger, seine Frau folgte mit dem gemeinsamen Kind in einem Auto dahinter. Nach rund 700 Kilometern Anreise kam es auf der Krk-Brücke zu einer lebensgefährlichen Situation.

Demnach wurde die Tür seines Transporters mit Anhänger durch eine starke Windböe aufgerissen, das Fahrzeug habe sich teilweise angehoben und drohte, von der Fahrbahn gedrückt zu werden. Er habe sofort reagiert, sei ausgestiegen. „Ich habe sofort mit den Hunden den Transporter verlassen die Tür hat es 180 Grad aufgerissen, die Reifen vom Transporter haben sich 10-20cm gehoben und drohte abzustürzen. Meine Frau wollte zur Hilfe eilen und vom Auto geschah das gleiche mit der Tür dann verblieb sie im Wagen. Sie und Sohn mussten hinter mir zusehen wie ich fast mit den Hunden abstürze. Ich kniete dann vor dem Transporter und hielt mit einer Hand die Tür mit der anderen die Hunde“, schreibt er bei Facebook wörtlich.

Schreckliche Augenblicke

Seine Frau schildert gegenüber der Mittelbayerischen die schrecklichen Augenblicke, „in denen das Leben an den Augen meines Sohnes und mir scheibchenweise vorbeizog, als der Anhänger über dem Brückengeländer hing. Weil wir nicht wussten, ob mein Mann noch am Leben oder abgestürzt ist.“

Die lebensbedrohliche Situation endete nur deshalb glimpflich, „weil der Transporter beladen war und durch das Gewicht wurde der Absturz verhindert“, steht im Facebook-Post.

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Brücke gilt als windanfällig

Die Krk-Brücke ist eine zentrale Verbindung zwischen dem kroatischen Festland und der Insel Krk. Das rund 1,4 Kilometer lange Bauwerk führt in bis zu etwa 65 Metern Höhe über das Meer und ist aufgrund seiner exponierten Lage besonders anfällig für starke Winde.

In der Region tritt regelmäßig die sogenannte Bora auf – ein kalter, fallartiger Wind, der an der Adriaküste immer wieder für extreme Böen sorgt. Windgeschwindigkeiten von weit über 100 km/h sind dabei keine Seltenheit, in Spitzen wurden in der Region sogar deutlich höhere Werte gemessen. Entsprechend kommt es auf der Brücke immer wieder zu Verkehrseinschränkungen oder Sperren, insbesondere für hohe oder windanfällige Fahrzeuge.

Nur wenige Helfer, dafür viele Schaulustige

Während des Vorfalls hielten nach Angaben des Mannes lediglich zwei Personen an, um zu helfen – eine Frau aus Kroatien und ein deutscher Autofahrer. Viele andere Verkehrsteilnehmer hätten hingegen Fotos und Videos gemacht. Er bedankt sich ausdrücklich bei den Helfern sowie bei den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr.

Körperlich blieb die Familie unverletzt. Die psychischen Folgen seien jedoch erheblich, schreibt der Mann. Erst Stunden nach dem Vorfall konnten sich alle wiedersehen.

Der Mann aus dem Landkreis Cham äußert sich durchaus selbstkritisch und sieht sich als Familienvater in der Verantwortung: „Ich bin das Familienoberhaupt und für den Schutz meiner Familie verantwortlich. Ich hab hier in jeder Hinsicht versagt“, schreibt er in seinem Post. Gleichzeitig merkt er aber auch an, dass die Situation durch die extremen Wetterbedingungen ausgelöst worden sei.

Der Vorfall wirft nach Ansicht des Betroffenen aber auch Fragen zur Sicherheit auf. So stellt er die Frage in den Raum, warum eine Durchfahrt möglich war, obwohl gefährliche Bedingungen herrschten. Denn tatsächlich wird die Krk-Brücke bei starkem Wind regelmäßig eingeschränkt oder gesperrt. Ein User versucht per Kommentar unter dem Post des Betroffenen aufzuklären: „Das einzige, was ihr falsch gemacht habt, war, nicht auf die Displays zu schauen, wo die Verbote geschrieben sind, und da sie nur für Autos offen war, gibt es keine Schranke – die ist nur unten, wenn die Brücke für den gesamten Verkehr gesperrt ist.“

Der Verunfallte selbst schreibt wörtlich: „Warum ist gesperrt (falls gesperrt war) und man kann trotzdem durchfahren? Bei jeden Autobahnparkplatz sind Höhensperrungen vorhanden warum nicht da? Warum wird am Tag nach dem Unfall die Brücke komplett gesperrt obwohl der Wind schwächer war? Muss erst was passieren, dass man sperrt?“

Massive Anfeindungen im Internet

Besonders belastend war und ist die Zeit nach dem Unfall für die Familie. Aufgrund der Beschriftung seines Fahrzeugs sei er identifizierbar gewesen und habe zahlreiche beleidigende Nachrichten erhalten. In seinem Facebook-Beitrag berichtet er von massiven Beschimpfungen und Schuldzuweisungen. Statt Mitgefühl habe er vielfach Spott erfahren. Teils, weil die Brücke wegen des Unfalls gesperrt war, andere Urlauber lange Wartezeiten auf sich nehmen mussten. „Herzlichen Dank für Ihre kreative Auslegung der Verkehrsvorschriften. Dank Ihnen haben wir - wie viele andere auch - KrK nicht erreicht und wichtige Termine versäumt“, schreibt beispielsweise ein User auf Facebook.

Das sei laut der verunfallten Familie aber nur die Spitze des Eisbergs und einer der harmlosen Kommentare. „Hab ich nicht damit gerechnet, dass man in Lebensgefahr zum Internetstar wird, anhand Sensationsgeilheit. Verspottet und verurteilt wird man da, nachdem man eigentlich zum 2. Mal Geburtstag feiern muss.“

Und auch auf dem Campingplatz wurde die Familie offen angefeindet. Es ist beängstigend, dass die Menschen nicht verstehen, wie gefährlich die Situation war und stattdessen mit gehässigen Kommentaren weit unter der Gürtellinie mit uns als Familie umgehen“, sagt die Frau des Betroffenen. Das ging so weit, dass die Familie den Campingplatz in Kroatien verließ.

Appell an die Öffentlichkeit

Zum Abschluss seiner Stellungnahme richtet der Mann einen Appell an die Öffentlichkeit: Die Anfeindungen und Verspottungen sollten bitte aufhören. Seine Familie brauche nun vor allem Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten. „Wir haben genug Schaden als Familie davongetragen. Vor allem seelisch“, fügt seine Frau an. Nun gehe es darum, „nach Hause zu kommen, die Tür zuzumachen und unsere Ruhe zu haben“, sagt sie.

Doch so einfach ist das gar nicht. Denn die Kennzeichen des Hängers liegen im Meer. Und ohne sei eine Heimfahrt nicht möglich. Deshalb machen sich Freunde der Familie auf den Weg nach Kroatien und bringen die Kennzeichen mit. Erst dann könne man etwas zur Ruhe kommen, dem Albtraum entfliehen. Doch zu Hause wartet dann nicht nur die psychische Verarbeitung, sondern auch das Abarbeiten des Unfalls mit Versicherungen etc.

Und ein Gang zur Polizei steht an: „Wir lassen uns die Hunderten Beleidigungen, die uns per Mail oder WhatsApp und sonst wo erreicht haben, nicht gefallen“, sagt die Familie und hofft zugleich, dass der Vorfall dazu beiträgt, die Sicherheitsmaßnahmen an der Brücke zu verbessern und ähnliche Situationen künftig zu verhindern.