Zu Besuch beim Schäfer in Parsberg: Osterlämmer als Lebensgrundlage

Von Nicole Selendt · 3. April 2026 um 05:00

Im Stall von Peter Betz aus Parsberg ist ein Blöken zu hören. Dann spitzt ein Lämmchen um die Ecke. Das neugierige und wenige Minuten alte Tierchen ist ausgebüxt. Mit geübten Händen fängt Peter Betz das Bündel wieder ein und trägt es zurück zu seiner Mutter. Die beiden Kinder, die beim Besuch unseres Medienhauses dabei sind, sind entzückt. Für den jungen Schäfer dagegen ist dieser Anblick Alltag. Der Schafzüchter erlebt rund um Ostern eine besonders arbeitsintensive Zeit.

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Denn wenn in den Kirchen vom „Lamm Gottes“ die Rede ist und auf vielen Festtagstischen traditionell Lamm serviert wird, trifft jahrhundertealte Symbolik auf ein Handwerk, das bis heute von Menschen wie Betz getragen wird. Den 25-Jährigen, der seine Tiere selbst aufzieht, schlachtet und das Fleisch vor allem an die Gastronomie in der Region verkauft, hat die Leidenschaft für die Schafzucht schon ganz früh gepackt. Schon mit acht Jahren hat Betz, dessen Eltern nahe Parsberg eine Landwirtschaft betreiben, die ersten beiden Schafe geschenkt bekommen. Und seitdem ist seine Herde immer weiter gewachsen – auf mehrere hundert Tiere.

Und während seine Eltern weiterhin bei der Milchviehwirtschaft geblieben sind, hat der Junior seinen Meister in der Tierwirtschaft, Fachrichtung Schafe, erfolgreich absolviert. In der Lehrzeit arbeitete er bei Ausbildungsbetrieben in Eichstätt und Deining und ging in Triesdorf bei Ansbach zur Berufsschule, die Meisterschule nach der Lehre besuchte er in Grub bei München. Die Arbeit mit seiner Herde ist ein Vollzeitjob. Zur Seite steht ihm dabei unter anderem sein altdeutscher Hütehund Benno.

Ganzjährig auf Flächen rund um Parsberg unterwegs

Der ist dabei behilflich, die Herde von Weide zu Weide zu treiben. Denn Peter Betz ist im Umkreis von zehn Kilometern das ganze Jahr über unterwegs, damit seine Herde immer genug Frischfutter zur Verfügung hat – auch im Winter. Dazu hat der 25-Jährige Landwirte, die für ihn und seine Tiere über den Winter Zwischenfrüchte auf ihren Flächen anbauen. Im Sommer sind die Tiere dann auf Magerrasen-Flächen rund um Parsberg unterwegs – als lebendige Landschaftspfleger quasi. Manchmal bleiben die Schafe nur einen Tag auf einer Fläche, manchmal verbringen sie dort mehrere Tage.

Ein Pfiff und ein lauter Ruf von Schäfer Peter Betz und die Schafe auf der Weide kommen angetrabt. - Foto: Nicole Selendt

In seinem Stall bei Parsberg befinden sich nur diejenigen Tiere, die trächtig und kurz davor sind, ihre Lämmer zu gebären. Mehrere hundert Lämmer kommen so auf dem Hof von Peter Betz jährlich zur Welt. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens zusammen mit der Mutter und werden erst kurz vor der Schlachtung von ihr getrennt.

Einige hundert Tiere schlachtet Betz im Verlauf eines Jahres. Über das Projekt Juradistl-Lamm vermarktet er einen Großteil an Gastronomen oder Metzgereien in der Region. Gerade hat er einen Fleischkörper im Kühlhaus hängen, der an den Oberen Ganskeller in Neumarkt geliefert werden soll.

Einige der Lämmer, die Betz in seinem Stall hat, sind nur wenige Stunden alt. - Foto: Nicole Selendt

Schafwolle lässt sich schwer vermarkten

Zwischen 40 und 45 Kilogramm haben die Lämmer, die Betz im betriebseigenen Schlachthaus schlachtet. Übrig bleibt nach der Schlachtung etwas weniger als die Hälfte an verwertbarem Fleisch, sagt er. Keule und Rücken seien die begehrtesten Teile, Bauch und Hals dagegen weniger gefragt. Allerdings verkauft er die Schlachtkörper nur im Ganzen und er sagt: „Ein findiger Gastronom wird immer kreativ sein und alle Teile verwerten können.“

Was dagegen kaum noch Verwendung findet, ist die Wolle, die zwangsläufig einmal im Jahr anfällt. Zwar konnte Betz sie zuletzt erstmals an einen Hersteller von Wollpellets als Juradistl Wollpellets vermarkten – der hat sie dann zu Dünger verarbeitet. Jedoch lohne sich das kaum. Die Herstellung sei teuer und damit steige auch Preis für den Verbraucher. Meist verkauft er die Wolle an Händler für die Kleidungsindustrie. Die Krux: In die weißen Wollfasern darf sich keine schwarze Wolle mischen. Denn die ist weniger wert. Und so wie in einer Gruppe Menschen eben auch, gibt es in Betz‘ Herde einige schwarze Schafe. Anders als beim Menschen fallen die jedoch nicht unbedingt durch schlechtes Verhalten auf, wie er mit einem Augenzwinkern verrät.

Hilfe bei seiner Arbeit hat Peter Betz von Hütehund Benno. - Foto: Nicole Selendt

Damit verteilt über das Jahr immer genügend Lämmer zur Welt kommen, hält Betz sechs Schafböcke, die er in genau getakteten zeitlichen Abständen zur Herde lässt. Die Schafe sind das ganze Jahr über fruchtbar. Im Frühjahr, wenn die Tage länger werden, etwas weniger, im Herbst und Winter, wenn die Tage wieder kürzer werden, etwas mehr. Und so hat Betz vor allem zu Weihnachten und zu Ostern, wenn die Nachfrage hoch ist, genug Lammfleisch für die Vermarktung zur Verfügung.