Über 60 Pfingstbräute aus Bad Kötzting zeigen ihre farbigen Kleider

Von Stefan Weber · 31. März 2026 um 16:52

Jedes Jahr gibt es für Tausende Bewohner und Besucher in der Stadt rund um die Pfingstfeiertage eine Frage, die besonders oft diskutiert wird: Welche Farbe wird wohl das Kleid der Pfingstbraut am Dienstag haben? Das ist keine Entwicklung moderner Zeiten, sondern gehört ebenso zur Tradition wie vieles andere – nur dass es wohl selten so viele unterschiedliche Meinungen vorab gibt. Zwei ehemalige Pfingstbräute haben sich für dieses Jahr bereits zum dritten Mal zur Aufgabe gemacht, anstelle des Blicks in die Zukunft einen zurück zu werfen, und zwar bis in das Jahr 1961.

Carola Traurig war 2005, Anna Kybelksties 2009 Pfingstbraut. Beide verbindet aber noch mehr als das: nämlich die Feststellung, dass es schade sei, dass die aufwändigen Kleider der Pfingstbräute nie in Ruhe und aus der Nähe betrachtet werden können. Der einende Grundgedanke war es, mit dem sich beide bereits 2011 an die Vorbereitung für eine Ausstellung der besonderen Art gemacht hatten: Erstmals sollten zum Jubiläum „600 Jahre Kötztinger Pfingstritt“ im Jahr 2012 die Kleider der Pfingstbräute aus vergangenen Jahren an einem Ort gezeigt werden.

Offensichtlich ein Gedanke, mit dem die beiden ehemaligen Pfingstbräute nicht alleine waren. Die Ausstellung im Postsaal wurde ein voller Erfolg, gezeigt wurden die farbigen Ballkleider, die traditionell zum zweiten Tag der Pfingsthochzeit und dem Zug durch die Stadt am Dienstag getragen werden.

Die Freude über die neuerliche Ausstellung ist den beiden ehemaligen Pfingstbräuten deutlich anzumerken. Auch bei den „Kolleginnen“, die ihre wertvollen Kleider gerne wieder zur Verfügung stellen, sei die Vorfreude schon groß. Darum werden ab 1961 bis 2024 auch lückenlos alle Kleider zu sehen sein, freuen sie sich. Das bedeutet auch, dass es bei dieser Ausstellung ein ganzes Dutzend mehr Kleider zu sehen geben wird als vor 14 Jahren.

Wir freuen uns, wenn wir die Freude der Pfingstbräute sehen.Carola Traurig

Natürlich ein sehr guter Grund für alle, die bereits 2012 in den Postsaal gekommen waren, auch dieses Jahr wieder vorbeizuschauen. Für die Organisatorinnen kommen „Die Kleider der Pfingstbräute“ aber eigentlich viel zu spät wieder aus den Kleiderschränken: „Eigentlich hatten wir die Ausstellung alle fünf Jahre geplant“, sagt Anna Kybelksties. Nach dem Erfolg der farbigen Brautkleider hatte es 2017 eine weitere mit den weißen Brautkleidern gegeben, die am Pfingstmontag getragen wurden. Durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie fiel der eigentlich schon geplante Termin im Jahr 2022 allerdings aus.

Nach 14 Jahren sei nun aber der optimale Zeitpunkt für eine Wiederholung, sagen beide. Nicht nur, weil eine ganze Reihe neuer Kleider dazugekommen sind: Viele junge Bad Kötztinger (und natürlich auch aus allen anderen Orten des Landkreises), die Anfang der 2000er-Jahre geboren wurden, haben die Ausstellung vor 14 Jahren ja noch gar nicht gesehen, seien jetzt im Teenager-Alter und damit eine ganz neue und zusätzliche Zielgruppe für die Ausstellung. Die stellt die Organisatorinnen langsam aber sicher sogar vor platztechnische Probleme. Konnten damals die Kleider auf den eigens angemieteten Schaufenster-Puppen noch relativ einfach so aufgestellt werden, dass die Besucher auch den nötigen Abstand zum Betrachten hatten, sind in diesem Jahr nicht nur der Saal, sondern auch das Foyer voll belegt. Neben Platz braucht es aber auch eine Menge Helfer und Sponsoren, denen die beiden Organisatorinnen dankbar sind.

Eigentlich hatten wir die Ausstellung alle fünf Jahre geplant.Anna Kybelksties

Zur Ausstellung dieses Jahr gibt es natürlich wieder eine eigens erstellte Broschüre. 86 Seiten hat die, bildet jede Pfingstbraut mir ihrem Kleid einzeln ab und bietet zusätzlich jede Menge Hintergrund-Informationen zu Kleid, Blumenschmuck, Friseur und anderen Details. Neu wird sein, dass auf einem kleineren Foto auch der Pfingstbräutigam und die Begleiter mit abgebildet sein werden.

Die zweite Ausstellung der farbigen Kleider der Pfingstbräute nach 2012 ist vorbereitet, Anna Kybelksties und Carola Traurig (v.l.) freuen sich schon auf viele Besucher im Postsaal zwischen dem 9. und 17. Mai. - Foto: Stefan Weber

Außerdem finden sich die Fotos der Pfingstbrautpaare bis ins Jahr 1917 darin. Als Besonderheit gibt es auch ein Foto von Pfingstbraut Anna Lindner aus dem Jahr 1889 – dem ältesten bekannten Einzelfoto einer Pfingstbraut.

Viel Arbeit liegt noch vor den beiden ehemaligen Pfingstbräuten, zahlreiche Vorbereitungen hinter ihnen. Warum sie das machen? „Wir freuen uns, wenn wir die Freude der Pfingstbräute sehen“, sagt Carola Traurig – und wenn die eine oder andere mit der Tochter oder vielleicht auch schon der Enkelin ein Foto macht mit einem Kleid, dann freut das nicht nur die ehemaligen Pfingstbräute, sondern alle Besucher.

Die Ausstellung

■ Dauer: Die Ausstellung dauert von Samstag, 9. Mai bis Sonntag, 17. Mai.

■ Öffnungszeiten: An Werktagen ist von 14 bis 19 Uhr geöffnet, an den Wochenenden sowie am Feiertag Christi Himmelfahrt jeweils von 10 bis 17 Uhr.

■ Eintritt: Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenfrei.

■ Broschüre: Auch dieses Jahr gibt es wieder eine aufwendig gestaltete Broschüre vor Ort bei der Ausstellung zu kaufen. Darin finden sich die Bilder der Pfingstbräute sowie viele weitere Informationen, etwa zum Blumenschmuck oder der Schneiderei. Die Broschüre wird acht Euro kosten. wf