Am letzten Tag von Kelheim Fibres setzte sich ein Trauerzug in Bewegung

Dienstag, 31. März, 2026 – Dieses Datum wird nicht nur den Mitarbeitenden von Kelheim Fibres im Gedächtnis bleiben. Nach 90 Jahren Faserwerk in Affecking war am Dienstag Schluss. Um 11.38 Uhr setzte sich ein Trauerzug in Bewegung. Dann setzten die Mitarbeiter ein letztes Zeichen.
Dabei trug die vielfach schwarz gekleidete Belegschaft auch ein Sterbekreuz und einen „Fasersarg“ für „ihr“ Unternehmen mit. Gefertigt von der Mannschaft der Werkstatt.
Am kleinen Hügel schräg gegenüber des Werkseingangs legten die Männer und Frauen beides nieder. Mit roten Rosen und Grabkerzen. Vor der Schranke hatten sich zahlreiche Angehörige versammelt. Um den Mitarbeitern zur Seite zu stehen. In vielen Familien arbeitete nicht nur eine Generation hier.














Viele Angehörige kamen zum Abschied an die Werkspforte
Die zehnjährige Ida brachte ihr Flügelhorn mit. Für Opa Manfred Schuur und seine Kollegen, die durch das Aus des Faserwerks ihren Arbeitsplatz verloren, spielte sie „‘S is Feierabend“. Helga Roithmeier aus Abensberg filmte, wie viele andere, zur Erinnerung für Sohn Martin den Trauerzug mit dem Handy und erzählte, dass dieser schon als Kind beim Vorbeifahren immer geäußert habe: „Da will ich mal arbeiten.“ Nun sei alles aus.
Neben dem Sohn, der hier Chemikant lernte, arbeitete auch die Tochter hier im Labor. „Sie waren beide gern hier, nie habe ich gehört, dass einer gesagt hätte, er geht nicht gern zur Arbeit.“ Kelheim Fibres sei eine familiäre Firma gewesen und ein „echt guter Ausbildungsbetrieb“. Die Tochter wolle nun studieren. Der Sohn sucht noch eine neue Stelle.
Makaberer Leichenschmaus oder schöner, letzter Treff?
Die Gefühlslage der Mitarbeitenden war am letzten Tag sehr unterschiedlich. Zwischen tieftraurig und gefasst. Betriebsratschef Josef Rummel bekannte, er habe die Wehmut hinter sich gelassen. Die letzte Betriebsversammlung sei sehr tränenreich gewesen. Auch bei ihm. Für Dienstagmittag hatte die Personalabteilung die scheidende Belegschaft zu einem letzten Treffen in der Halle der Werkfeuerwehr eingeladen.
Mancher empfand dies als „makaber“, wo es in den vergangenen Jahren nie ein Mitarbeiterfest gegeben hatte. „Und nun ist ein Leichenschmaus.“ Andere fanden es schön, die Kollegen noch einmal zu sehen. Wieder anderen ging es schon seit Tagen schlecht. „Nun ist dieser Tag schneller da, als gedacht.“
Viele Mitarbeiter nahmen sich bereits zur Begrüßung vor dem Trauerzug in den Arm. Ab Mittwoch sind drei Viertel der Kollegen nicht mehr da. „Es muss weitergehen“, sagt ein 34-jähriger IT-Mitarbeiter, der bereits etwas Neues gefunden hat. Mancher hat am 1. April seinen ersten Arbeitstag bei einer neuen Firma. Einige Ältere können in den Ruhestand wechseln. Bis Ende September räumen die Verbliebenen auf. Christian Schlachtmeier (21) von der Abwasserbeseitigung etwa. Auch Stefan Weigert von der Werkfeuerwehr ist solange noch da.