Markus Söder besucht Houston: „Bayern ist das Texas von Deutschland“

Von Alexander Kain · 30. März 2026 um 19:30

Ministerpräsident Markus Söder besucht die USA. Neben Folklore geht es auch um die Weiten des Weltalls. In Bayern soll ab dem Jahr 2028 für viele Millionen Euro ein Mond-Kontrollzentrum für künftige Mond- und weitere Missionen gebaut werden. Dass es in Sachen Raumfahrt nun eine weiß-blaue Kooperation mit der Nasa gebe, sei „ein echter Meilenstein“, so Söder.

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Es ist einer der bekanntesten Funksprüche der Geschichte: „Houston, wir hatten ein Problem.“ Diesen Satz funkten die Astronauten von Apollo 13 am 14. April 1970 zur Erde, als 322.000 Kilometer von der Erde entfernt, kurz vor Erreichen des Mondes, ein Sauerstofftank ihres Raumschiffs explodierte. An eine Landung auf dem Erdtrabanten, wie kurz zuvor mit Apollo 11 und Apollo 12, war schlagartig nicht mehr zu denken – das Einzige, worum es ab dieser Sekunde ging, war die Rettung der Crew.

Geschichtsträchtiger Ort

Das Drama um den tagelangen, vom Nasa-Kontrollzentrum in Houston aus geführten Kampf um das Überleben und die Rückkehr der Apollo-Astronauten Jim Lovell, Fred Haise und Jack Swigert verfilmte Hollywood in den 1990er Jahren im Blockbuster „Apollo 13“ mit Tom Hanks in der Rolle des Kommandanten Lovell.

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Nun steht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an ebenjenem Ort, wo nicht nur mit der Rettung von Apollo 13 Geschichte, sondern mit der Flugkontrolle der ersten Landung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond Menschheitsgeschichte geschrieben wurde – dem Christopher C. Kraft Mission Control Center auf dem Nasa-Gelände des Lyndon B. Johnson Space Centers. Südlich der Stadt Houston auf einem riesigen Gelände gelegen, arbeiten bis heute Tausende Nasa-Mitarbeiter, koordinieren und kontrollieren von dort aus aktuelle Raumfahrt-Missionen, wie etwa das Geschehen rund um die Internationale Raumstation ISS, sowie künftige Missionen wie die Rückkehr zum Mond und die ins Auge gefasste erste Landung von Astronauten auf dem Mars.

Weiß-blaue Kooperation mit der Nasa

Das will Söder auch in Bayern, wo ab dem Jahr 2028 für viele Millionen Euro ein Mond-Kontrollzentrum für künftige Mond- und weitere Missionen gebaut wird. Dass es in Sachen Raumfahrt nun eine weiß-blaue Kooperation mit der Nasa gebe, sei „ein echter Meilenstein“, so Söder. „Das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen“, doch dank seiner Hightech- und Raumfahrt-Initiative, die er 2018 zum Regierungsprogramm im Freistaat gemacht hatte, sei Bayern nun „auf einem anderen Level“. Söder sagt das nicht ohne Stolz – schließlich räumen in Bayern selbst notorische Söder-Gegner ein, dass dessen Hightech-, KI- und Raumfahrt-Initiativen das Zeug hätten, die Stellung Bayerns als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort von internationalem Rang zu festigen und auszubauen.

Was genau in dem selbsterklärten Weltraum-Fan Söder vorgeht, als er auf dem Nasa-Gelände unterwegs ist, kann man nur erahnen. Möglicherweise ist es vergleichbar mit der Gefühlslage eines jungen Menschen, der das erste Mal Disneyland besucht? „Ein bisschen Fan-Kultur ist auch dabei, aber in erster Linie geht es um Strategie“, sagte Söder. Auf dem Gelände finden sich historische Raketen und Raumschiffe in ihrer ganzen Pracht und Größe. Und Söder besuchte nicht nur das Kontrollzentrum, sondern auch ein Astronauten-Trainingszentrum, er traf ESA-Astronauten zum Gespräch und besichtigte das außer Dienst gestellte Space Shuttle „Independence“, ehe in seinem Beisein ein Vertrag zur Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen und der Nasa zum Forschungsprojekt METIS, einem KI-basierten System für Marsmissionen und Raumfahrzeuge, unterzeichnet wurde. „Das ist schon etwas Großes, das hier stattfindet – auf einer Ebene, von der ich als Junge noch geträumt habe. Und wo wir in Bayern vor zehn Jahren noch skeptisch gewesen wären. Und jetzt wird das Realität“, schwärmte Söder.

Und Söder denkt zweifellos groß: „Die Europäische Weltraumagentur Esa und die Nasa sind enge Partner. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das seinen zweitgrößten Sitz in Bayern hat, ist der Kooperationspartner“, bilanzierte er. Damit sei das künftige Mondkontrollzentrum in Bayern prädestiniert, nicht nur für künftige Missionen zum Mond, sondern auch in Kooperation mit der Nasa für die Eroberung des Mars. Dahinter steckt mehr als kindliche Begeisterung für den Weltraum: Tatsächlich sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich in Bayern ergeben, groß: Ein Beispiel dafür ist die in diesen Tagen zu ihrem zweiten Flug startende Rakete des Münchner Raketen-Start-ups Isar Aerospace, ein anderes Beispiel der für April vorgesehene Start der bemannten Mondmission Artemis II. Zahlreiche Unternehmen im Freistaat rechnen sich Geschäftsmodelle mit Dienstleistungen rund um das Thema Raumfahrt aus.

BBQ vom Feinsten

Am Vorabend seines Nasa-Besuchs war Söder in Texas vom deutschen Botschafter und dem örtlichen Generalkonsul zu einem Empfang auf der George Ranch außerhalb von Houston eingeladen. Das „gehört halt dazu“, befand Söder. Wenn man in Bayern Gäste habe, dann gebe es ein Hendl und dazu Bier, „und wenn man in Texas ist, dann gibt es etwas, was zu Texas und den USA passt“.

Nun, vegetarisch war das für Söder und seine gut 20-köpfige Bayern-Delegation dargebotene Buffet dann eher nicht – sondern BBQ vom Feinsten. Die Gäste aus der bayerisch-texanischen Gemeinschaft kamen alle stilecht mit Cowboyhut und Cowboystiefel, sozusagen eine Art texanischer Trachtenjanker. Sogar Dirndl in der Kombination mit Cowboyhut und -stiefeln sah man. Und damit sich Söder und der ihn begleitende Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) stilecht unter das Publikum mischen konnten, gab es für sie ein Willkommensgeschenk – einen Cowboyhut. Und obendrauf gab es noch eine ganz besondere Ehrerbietung der Stadt Houston, deren Bürgermeister John Whitmire per Proklamation den Tag des Söder-Besuchs offiziell zum „Bavaria Day“, also zum „Bayerntag“ der Stadt Houston erklärte.

In Nürnberg mit US-Kultur aufgewachsen

Söder bedankte sich in seiner – übrigens komplett in Englisch gehaltenen – Rede für die Willkommensfeier. Es sei „ein alter Traum“ von ihm, „mal nach Texas zu kommen“. Er sei in Nürnberg mit der US-Kultur aufgewachsen – US-Soldaten, Pizza, Burger, Softdrinks. Die US-Denkweise liege ihm, die US-Kultur sei ihm sympathisch – und beides sei der bayerischen Lebensart gar nicht so unähnlich, befand Söder. Für Texas wie Bayern gelte: „Wir sind nicht normal.“ Wo die Texaner sagten, „don’t mess with Texas“ (zu Deutsch: „Leg dich nicht mit Texas an“), sagten die Bayern, „Mia san Mia“. Was dem Texaner sein Cowboyhut, sei dem Bayern seine Lederhose. Wo der Texaner finde, Washington sei weit weg, da finde der Bayer, Berlin sei weit weg. Kurzum, so Söder: „Bayern ist das Texas von Deutschland.“

Und dann schimmerte in Söders Rede doch noch ein weiterer Aspekt durch, ein guter Grund, warum sein Besuch in den USA durchaus Sinn macht, erst recht in einer Zeit wie jetzt: „Wir wollen gute Beziehungen“, betonte Söder. Wenn aber auf der Ebene Washington-Berlin die Dinge angespannt seien, dann brauche es die guten Treffen und den regen Austausch auf der Ebene von Bundesstaaten wie Texas und Bayern erst recht. Großer Applaus der Gäste.