Mehr Buchungen bei privaten Vermietern: Touristikverein Nittenau sieht große Dunkelziffer

Beim Touristikverein Nittenau im Landkreis Schwandorf bleibt personell alles beim Alten. In der Mitgliederversammlung im Landgasthof Schmidbauer in Muckenbach ist die Vorstandschaft vollständig wiedergewählt worden. Unter Leitung von Bürgermeister Benjamin Boml, der als Wahlleiter fungierte, sprachen die anwesenden Mitglieder dem bisherigen Team mit Jakob Rester an der Spitze erneut das Vertrauen aus. Zugleich wurde deutlich: Neben den Neuwahlen standen vor allem die touristische Entwicklung in Nittenau und aktuelle Herausforderungen für die Branche im Mittelpunkt.
Für die kommenden Jahre kündigte Rester an, den Verein wieder stärker in die Öffentlichkeit rücken zu wollen. „Wir werden wieder ein Jahresprogramm aufstellen“, sagte er. Außerdem wolle man die Zusammenarbeit mit Gastgebern, Leistungsträgern, Nachbargemeinden im Regental sowie weiteren Vereinen im Stadtgebiet weiter ausbauen.
Neben dem organisatorischen Teil spielte vor allem der Bericht aus dem Tourismusbüro eine zentrale Rolle. Ingrid Schindler stellte dabei ausführlich Zahlen, Entwicklungen und Projekte vor. Für den Oberpfälzer Wald sprach sie insgesamt von einer stabilen Entwicklung. Zwar seien die Übernachtungszahlen 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,7 Prozent zurückgegangen, gleichzeitig habe sich die Region aber bei der Gästezufriedenheit deutschlandweit an die Spitze gesetzt. „Das ist, glaube ich, schon eine schöne Sache“, so Schindler.
Nur Betriebe mit mehr als zehn Betten werden gezählt
Für den Landkreis Schwandorf nannte sie 739.735 Übernachtungen, was einem Plus von 1,7 Prozent entspreche. Nittenau lag bei den offiziell erfassten gewerblichen Übernachtungen bei 27.680 und damit 5,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Schindler machte jedoch deutlich, dass diese Zahl allein die tatsächliche Lage nur unvollständig abbilde. Erfasst würden vom Statistischen Landesamt nur Betriebe mit mehr als zehn Betten. Gerade in Nittenau spiele aber der Bereich der kleineren privaten Vermieter eine wichtige Rolle.
Nach Angaben aus dem Tourismusbüro gibt es in Nittenau neun gewerbliche Vermieter mit 233 Betten. Hinzu kommen zahlreiche kleinere private Anbieter. Von 13 dieser Privatvermieter lagen Rückmeldungen vor. Rechnet man deren Zahlen hinzu, ergeben sich insgesamt 309 Betten, 11.541 Ankünfte und 36.759 Übernachtungen. Dadurch relativiere sich das Minus bei den gewerblichen Betrieben deutlich. Während dort ein Rückgang zu verzeichnen gewesen sei, hätten die privaten Vermieter sogar um 10,4 Prozent zugelegt. „Das relativiert das Minus schon ganz schön“, erklärte Schindler.
Unterkünfte tauchen teils nur über Plattformen wie Booking oder Airbnb auf
Schindler verwies zugleich auf eine Dunkelziffer. Nicht alle privaten Anbieter meldeten sich im Tourismusbüro oder seien im Unterkunftsverzeichnis vertreten. Teilweise tauchten Unterkünfte nur über Plattformen wie Booking oder Airbnb auf. Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoll, wenn sich mehr Vermieter offiziell erfassen ließen, auch weil dies für sie mit Vorteilen wie einer Darstellung im städtischen Verzeichnis verbunden wäre.
Boml griff in seinem Grußwort mehrere Punkte aus den Berichten auf. Er sprach von einer „Gewinnerregion“ und betonte, dass die hohe Zufriedenheit der Gäste kein Zufall sei. „Das ist ein Verdienst von Ihnen allen“, sagte er mit Blick auf Verein, Tourismusbüro und Gastgeber. Gerade die Zahl langjähriger Stammgäste zeige, wie stark die Bindung an Nittenau und das Regental sei.
Als wichtige Zukunftsthemen wurden unter anderem barrierefreier Tourismus, stärkere Vernetzung in der Region und die touristischen Auswirkungen des geplanten Brückenbaus samt Radwegschluss zwischen Stefling und Marienthal angesprochen.
Bauprojekte sollen langfristig Tourismus verbessern
Schindler rechnet dabei in den kommenden zwei Jahren zwar mit Einschränkungen auf Rad- und Wanderwegen, sieht in dem Projekt langfristig aber eine deutliche Verbesserung.
Auch bei den Projekten des vergangenen Jahres konnte das Tourismusbüro auf einiges verweisen: die Sanierung der Touristinformation, zahlreiche Stadtführungen, Wander- und Radtouren, Messeauftritte, neue Prospekte und Werbemaßnahmen sowie die starke Nachfrage nach touristischen Angeboten.
Die Mitgliederversammlung machte deutlich, dass der Touristikverein Nittenau personell auf Kontinuität setzt – und zugleich vor einer Reihe von Aufgaben steht, die den Tourismus vor Ort weiter prägen werden.
So wurde gewählt
• Vereinsspitze: Vorsitzender bleibt weiterhin Jakob Rester. Zu seiner Stellvertreterin wurde erneut Franziska Dirnberger gewählt.
• Weitere Ämter: Ingrid Schindler bleibt Schriftführerin, Gabi Dirnberger Schatzmeisterin. Als Beisitzer gehören weiterhin Angelika Baumer, Juliane Denk, Christoph Jakob, Jutta Peschke, Hermann Riedl und Georg Schmidbauer der Vorstandschaft an. Kassenprüfer bleiben Rupert Denk und Johann Seebauer.