Teure Spritpreise: Wann sich ein Elektroauto für Autofahrer wirklich lohnt

Tanken kostet viele Autofahrer inzwischen spürbar mehr – und mit jedem Preissprung stellt sich dieselbe Frage neu: Bleibt der Verbrenner im Alltag wirklich die günstigere Wahl oder rechnet sich doch schon ein Elektroauto? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Denn ob sich der Umstieg lohnt, hängt nicht an einer Zahl, sondern am Fahrprofil, an den Lademöglichkeiten und an den tatsächlichen Gesamtkosten.
Darauf weist der Auto Club Europa (ACE) hin. Maßgeblich sei nicht der Kaufpreis allein, sondern die Kosten über mehrere Jahre. „Am wichtigsten ist der Blick aufs Gesamtpaket“, sagt Constantin Hack, Experte für Elektromobilität beim ACE. In die Rechnung gehörten neben der Anschaffung auch Strom- oder Kraftstoffkosten, Wartung, Versicherung, Wertverlust und mögliche Förderungen. Nicht nur der Kaufpreis entscheidet
Nicht nur der Kaufpreis entscheidet
Genau hier liegt laut ACE ein häufiger Denkfehler. Viele Interessenten schauen zuerst auf den Listenpreis und übersehen, dass Elektroautos im Alltag oft günstiger zu fahren sind. Wartungskosten fallen meist niedriger aus, hinzu kommen Vorteile bei der Kfz-Steuer und die THG-Quote, also eine jährliche Prämie für eingesparte CO2-Emissionen. Gleichzeitig kann eine Förderung dafür sorgen, dass der Preisabstand beim Kauf deutlich schrumpft.
Nach Einschätzung des ACE ist bei einzelnen Modellen der Preisabstand zu vergleichbaren Verbrennern bereits weitgehend verschwunden. Teilweise seien E-Autos sogar günstiger. Als Beispiele nennt der Club den VW ID.3 und den VW Golf. Der oft genannte Elektro-Aufpreis ist damit längst nicht mehr bei jedem Modell ein schlagendes Argument.
Ab wann sich ein Elektroauto rechnet
Ab wann sich ein E-Auto lohnt, hängt stark vom Modell und vom persönlichen Nutzungsprofil ab. Laut ACE kippt die Rechnung bei vielen Fahrzeugen ab etwa 6000 bis 8000 gefahrenen Kilometern pro Jahr zugunsten des Elektroautos. Wer mehr fährt, profitiert in der Regel schneller von den geringeren Betriebskosten.
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Energiekosten pro 100 Kilometer. Der ACE rechnet beim Elektroauto mit einem Durchschnittsverbrauch von 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Beim Benziner lässt sich mit sieben Litern kalkulieren. Bei einem Spritpreis von knapp zwei Euro kostet eine Strecke von 100 Kilometern damit rund 14 Euro. Beim E-Auto wäre Preisgleichheit erst bei einem Ladepreis von 70 Cent pro Kilowattstunde erreicht. Wer dagegen zu Hause für etwa 35 Cent pro Kilowattstunde lädt, kommt nur auf rund sieben Euro je 100 Kilometer.
Ladekosten sind der entscheidende Hebel
Deshalb spielt die Art des Ladens eine zentrale Rolle. Besonders teuer ist meist das spontane Ad-hoc-Laden, also Laden ohne Tarif oder Ladekarte. Wer dagegen zu Hause oder mit einem günstigen Ladetarif lädt, kann die Betriebskosten deutlich senken. Für viele Fahrer liegt genau darin der größte Hebel.
Zusätzlich verbessern finanzielle Vorteile die Bilanz. Nach ACE-Angaben gehört dazu vor allem die staatliche Förderung, die voraussichtlich ab Mai beantragt werden kann. Außerdem entfällt bei Elektroautos die Kfz-Steuer bis maximal 2035. Hinzu kommt die THG-Quote, die derzeit rund 300 Euro pro Jahr bringen kann. Bei Dienstwagen ist zudem der geldwerte Vorteil geringer als bei Verbrennern.
Für wen sich der Umstieg lohnt
Besonders attraktiv ist das Elektroauto laut ACE für Menschen, die regelmäßig fahren und günstig laden können – also vor allem für Pendler und Vielfahrer mit eigener Wallbox oder verlässlicher Lademöglichkeit zu Hause. Wer dagegen nur wenig fährt oder auf teures öffentliches Laden angewiesen ist, sollte genauer nachrechnen.
Auch bei bestimmten Einsatzprofilen gibt es Grenzen. Wer häufig lange Strecken unter Zeitdruck fährt oder schwere Anhänger ziehen will, muss genauer hinsehen. Als Zugfahrzeug etwa für Camping- oder Pferdeanhänger sind E-Autos laut ACE zwar nutzbar, aber noch immer mit Kompromissen verbunden.
Die Entscheidung fällt im Alltag
Unterm Strich ist das Elektroauto längst nicht mehr nur eine ökologische, sondern immer öfter auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Für viele Autofahrer, die ohnehin über einen Fahrzeugwechsel nachdenken, kann sich der Umstieg schon heute rechnen. Am Ende zählt nicht eine einzelne Kennzahl, sondern wie das Auto tatsächlich genutzt wird – und genau daran entscheidet sich, ob das E-Auto nicht nur sauberer, sondern auch günstiger ist.