Auch Diesel-Alternative HVO100 wird teurer: Warum der Preis steigt, obwohl kein Erdöl drin ist

HVO100 gilt als klimafreundliche Alternative zu Diesel – statt aus Erdöl wird es es aus Altfett hergestellt. Umso auffälliger ist die Entwicklung an den Tankstellen: Die Preise steigen deutlich – fast im Gleichschritt mit dem fossilen Pendant. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club Südbayern (ADAC) hält das für erklärungsbedürftig. Die Tankstellenbranche sieht das anders.
In den vergangenen Wochen hat sich HVO100 spürbar verteuert. Laut ADAC kostete der Kraftstoff zuletzt im Schnitt noch rund 1,74 Euro pro Liter. Inzwischen liege der Preis „deutlich über 2,00 Euro“, stellenweise sogar bei mehr als 2,50 Euro. Nach Einschätzung des Automobil-Clubs ist vor allem auffällig, dass sich HVO100 preislich nahezu parallel zu Diesel und Benzin entwickelt.
Was ist HVO100 – und warum wirft die Preisentwicklung Fragen auf?
HVO100 ist ein synthetischer Dieselkraftstoff aus pflanzlichen Reststoffen und Abfällen. Deshalb hält der ADAC die jüngste Preisentwicklung für schwer nachvollziehbar. Der Automobilclub verweist darauf, dass HVO „kein fossiles Öl“ enthalte und damit „unabhängig vom Rohölpreis“ sei. Trotzdem habe der Kraftstoff den jüngsten Preisanstieg „mitgemacht, ohne dass es dafür eine direkte Rechtfertigung gibt“. Darin sieht der ADAC einen grundlegenden Widerspruch.
„Das größte Problem: Der Marktpreis von HVO orientiert sich am Dieselpreis.“ Für Verbraucher werde die Preisentwicklung dadurch kaum nachvollziehbar. Der ADAC sieht Anzeichen dafür, „dass die Kraftstoffwirtschaft die aktuelle Lage dafür nutzt, Gewinne zu maximieren“. Bei einem Kraftstoff, der nicht direkt vom Ölpreis abhänge, sei das erklärungsbedürftig.
Tankstellenbranche weist Vorwurf überhöhter HVO100-Preise zurück
Die Tankstellenbranche hält diese Kritik für zu kurz gegriffen. Der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) weist den Eindruck zurück, HVO100 werde ohne sachlichen Grund künstlich verteuert. Der Verband verweist stattdessen darauf, dass HVO100 ein noch junger Kraftstoff ist, dessen Preis stärker auf Marktbedingungen reagiert als bei etablierten Produkten.
„HVO100 ist kein künstlich überteuertes Nischenprodukt, sondern ein Kraftstoff, dessen Markt sich gerade erst entwickelt“, sagt bft-Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik. Dass sich die Preise häufig parallel zu Diesel entwickeln, sei deshalb nicht ungewöhnlich. HVO100 werde als direkter Diesel-Ersatz vermarktet und in vielen Verträgen noch nach dem Prinzip „Dieselpreis plus Aufschlag“ kalkuliert.
Welche Faktoren den Preis von HVO100 bestimmen
Nach Angaben des Verbands bestimmen vor allem Einkaufspreise, Lieferketten, Transport und Verfügbarkeit die Preisbildung. Weil HVO100 bislang kein Massenkraftstoff ist, schlagen Veränderungen in Beschaffung und Vertrieb stärker durch als bei klassischem Diesel.
„Wenn Ware knapper verfügbar ist oder Transporte teurer werden, zeigt sich das schnell im Endpreis“, so der Verband. Zudem werde HVO100 in Deutschland steuerlich weitgehend wie fossiler Diesel behandelt. Der bft fordert deshalb Entlastungen, um klimafreundlichere Alternativen wettbewerbsfähiger zu machen.
Dass sich die Preise regional unterscheiden können, zeigt sich auch an einzelnen Tankstellen: Dort wird HVO100 derzeit sogar günstiger angeboten als herkömmlicher Diesel. Solche Fälle sind bislang jedoch die Ausnahme und verdeutlichen, wie stark der Preis von lokalen Marktbedingungen abhängt.
Warum die Preisbildung bei HVO100 für Verbraucher schwer durchschaubar bleibt
In einem Punkt liegen beide Seiten nah beieinander: Für Verbraucher bleibt die Preisbildung wenig transparent. Zwar sind die Preise an der Zapfsäule sichtbar und direkt vergleichbar, die einzelnen Kostenbestandteile dahinter aber nicht.
„Verbraucher sehen den Endpreis, aber nicht jeden einzelnen Kostenbaustein“, erklärt der Verband. Auch der ADAC sieht darin ein Problem: Die Orientierung am Dieselpreis sorge zwar für Vergleichbarkeit, spiegele die tatsächlichen Produktionskosten von HVO100 aber nur bedingt wider.
HVO100 meist teurer als Diesel
Fest steht: HVO100 wird deutlich teurer und folgt oft der Entwicklung klassischer Kraftstoffe. Während der ADAC darin Hinweise auf eine schwer erklärbare Preisentwicklung sieht, verweist die Branche auf Marktlogik, geringe Verfügbarkeit und bestehende Preisstrukturen.
Für Autofahrer bleibt damit vor allem eines: Preise vergleichen – und genau hinschauen, ob sich die klimafreundlichere Alternative an der Zapfsäule tatsächlich lohnt.