Bahn-Generalsanierung in Ostbayern: Wie Zugreisende trotz Totalsperre an ihr Ziel kommen

Neue Gleise und Weichen, moderne Bahnhöfe und mehr Pünktlichkeit sind das Ziel der Generalsanierung im Streckennetz der Deutschen Bahn (DB). Bald soll es auch auf der Strecke Obertraubling – Passau losgehen, die Vorbereitungen sind in der finalen Phase.
Vom 14. Juni bis 12. Dezember 2026 müssen sich Bahnreisende deshalb auf erhebliche Einschränkungen und Schienenersatzverkehr einstellen. Wie das Verkehrskonzept aussehen wird, haben die DB und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) nun in einer Pressekonferenz vorgestellt.
Sanierung soll unter anderem die Pünktlichkeit verbessern
Das Verkehrsvolumen sei deutlich gestiegen, doch die Infrastruktur überaltert, wie Projektleiterin Aslihan Gebhart erklärte. Darunter leide die Pünktlichkeit der Züge, diese ist aktuell auf einem Rekordtief. „Wir wollen weg vom Reagieren, hin zum präventiven Agieren“, stellte Gebhart klar.
Mit der Generalsanierung und der Totalsperre soll die 115 Kilometer lange Strecke effizienter auf den neuesten Stand gebracht werden. Das letzte Ziel sei unter anderem, zukünftige verkehrliche Einschränkungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren und so mehr Planbarkeit für Kunden zu schaffen. Die Maßnahme schließt an die laufende Generalsanierung zwischen Nürnberg und Regensburg an, die am 10. Juli abgeschlossen werden soll. Es werde zwei Bauabschnitte geben, wie Projektleiterin Gebhart erklärte.
Bauabschnitt 1: Totalsperre zwischen Passau und Plattling
Betroffen ist die Strecke zwischen Passau und Plattling, für den Nahverkehr ist diese über die ganze Zeit der Sanierung hinweg gesperrt. Lediglich für den Güterverkehr wird vom 10. Juli bis 20. September ein Gleis zwischen Passau und Plattling freigegeben.

Bauabschnitt 2: Totalsperre zwischen Obertraubling und Plattling
Beim zweiten Abschnitt handelt es sich um die Strecke zwischen Plattling und Obertraubling. Die Strecke zwischen Plattling und Straubing ist bereits ab dem 14. Juni gesperrt, bis zum 10. Juli verkehren Züge deshalb nur zwischen Straubing und Obertraubling. Ab dem 10. Juli ist der gesamte Abschnitt bis zum 12. Dezember für jegliche Züge gesperrt.
Auch über die geplanten Maßnahmen ist Näheres bekannt.
120 Kilometer Gleise werden saniert
Auch über die geplanten Maßnahmen wurden vorgestellt: Insgesamt werden etwa 120 Kilometer Gleise saniert sowie über 140 Weichen. Sechs Überleitstellen werden neu gebaut. Ferner werden zwei Durchlässe und eine Eisenbahnüberführung sowie Oberleitungen über ca. 90 Kilometer auf Vordermann gebracht.
Es wird zudem einen Neubau und Anpassungen an acht Stellwerken geben, eine Sanierung der Moorstelle in Osterhofen (Landkreis Passau) sowie der Stützwand im Bereich der Löwenwand in Passau entlang der B8 auf ca. drei Kilometern. Letztere wird im Zeitraum der Sanierung für den Straßenverkehr voll gesperrt. Weitere Instandhaltungsmaßnahmen beinhalten z.B. Schienen- und Weichenschleifen oder Fugenabdichtungen.
Personenbahnhöfe werden hergerichtet
Auch die Personenbahnhöfe sollen aufgewertet werden. Maßnahmen wird es an acht Stationen geben, konkret geht es um fünf Personenunterführungen wie zum Beispiel in Osterhofen, neun Beleuchtungsanlagen, elf Aufzüge (darunter Neuanschaffungen) und Rampen, Treppen oder Zugänge, zwölf Bahnsteige, acht Bahnsteigdächer und fünf Empfangsgebäude, die modernisiert und attraktiver gestaltet werden.
Das Verkehrskonzept für die Zeit der Generalsanierung haben Christine Pfisterer von der DB InfraGO und Tobias Schmalzl von der BEG vorgestellt. Fern- und Güterverkehr werde teils umgeleitet, letzterer auch weiträumig. Der Nahverkehr wird im gesperrten Abschnitt entfallen, stattdessen gibt es ein umfangreiches Ersatzbus-Angebot. Grob lässt sich das Verkehrskonzept in drei Phasen aufteilen.

Ersatzverkehr vom 14. Juni bis 10. Juli
Zu Beginn sind zeitgleich die Sanierungsarbeiten auf der Strecke Nürnberg – Regensburg im Gange. Der Ersatzverkehr bleibt unverändert. Der RB 33 wird wieder zwischen Landshut und Freising verkehren, somit ist der Flughafenexpress nach München wieder ein reiner Expresszug. Der RE 3 München – Passau fährt stündlich, aber nur zwischen München und Landau.
Für den Ersatzverkehr gibt es schnelle Verbindungen über die Autobahn, aber auch langsamere über Landstraßen mit Zwischenstopps.
Einmal die Stunde fährt der Bus RE 50 von Straubing über Deggendorf nach Passau, zudem gibt es einen Bus RE 51 von Straubing nach Deggendorf.
Der Bus RE 35 fährt einmal die Stunde von Landau nach Deggendorf.
Mit zwei bis drei Bussen pro Stunde gibt es einen Bus RE 3 der von Landau über die Autobahn direkt nach Passau fährt sowie einen Bus RB 3, der von Landau mit ein bis zwei Bussen pro Stunde mit Zwischenstopps nach Passau fährt.
Ersatzverkehr vom 10. Juli bis 20. September
In dieser Zeit verkehrt der RE 3 im Zwei-Stunden-Takt lediglich zwischen München und Dingolfing. Samstags, sonntags und an Feiertagen fährt er jedoch von bzw. bis nach Plattling. Als Ersatz fahren der Bus RE 3 und der Bus RB 3 montags bis freitags von Dingolfing bis nach Passau und am Wochenende sowie an Feiertagen von Plattling nach Passau. Die Busse verkehren alle zwei Stunden mit jeweils ein bis zwei Bussen.
Zwischen Landshut und Passau gibt es ebenfalls einen Bus RE 3 und einen Bus RB 3, dieser fährt stündlich mit je ein bis zwei Bussen.
Außerdem gibt es einen Bus RE 50 von Regensburg über Straubing nach Plattling mit zwei bis drei Bussen pro Stunde, ein Bus pro Stunde fährt bis nach Passau.
Der Bus RB 51 fährt ebenfalls von Regensburg über Straubing nach Plattling, jedoch über die Landstraße und mit einem Bus pro Stunde.
Der Bus RB 32 fährt zwischen Geiselhöring und Bogen ebenfalls einmal die Stunde.
Ersatzverkehr vom 20. September bis 12. Dezember
Im letzten und längsten Abschnitt ist vieles ähnlich wie in Phase 2, es gibt allerdings ein paar Änderungen. Der Zug RE 3 fährt wieder stündlich zwischen Plattling und München. Von Plattling gibt es einen Direktanschluss an Passau mit dem Bus RE 3 über die Autobahn mit zwei bis drei Bussen pro Stunde. Der Bus RB 3 wird über Osterhofen und Vilshofen mit ein bis zwei Bussen pro Stunde fahren.
Die Busse RE 50, RB 51 und RB 32 fahren wie bereits zuvor. Auch auf den Fernverkehr gingen die Referenten ein, dieser ist während den gesamten Sanierungsarbeiten gleichermaßen eingeschränkt.

Einschränkungen im Fernverkehr vom 14. Juni bis 12. Dezember
Einige der Fernverkehrszüge werden umgeleitet, für andere werden Ersatzbusse im Einsatz sein. Es handelt sich dabei um Reisebusse mit Toiletten, die genug Stauraum für Gepäck bieten. Wichtig ist, dass auch für einen ICE-Bus ein Fernverkehrsticket nötig ist. Zudem braucht jeder Gast eine Sitzplatzreservierung. Stehen ist verboten, da der Bus über die Autobahn fährt.
Die Züge der ICE-Linie NRW-Nürnberg-Wien fahren bis Nürnberg. Ab 11. Juli fahren vier Züge pro Tag wieder bis Regensburg. Für Passauer Fernreisende gibt es einen Bus bis 10. Juli nach Nürnberg, danach bis Regensburg. Überregional Reisende in Richtung Wien werden großräumig über München umgeleitet, vorübergehend gibt es zwischen München und Wien deshalb zusätzliche ICE-Züge via Salzburg und EC-Züge via Simbach (Lkr. Rottal-Inn) mit einer Diesellok.
Bahn richtet verbesserten Info-Service für Zugreisende ein
Seit gestern gibt es eine zentrale Website für den Ersatzverkehr während der Generalsanierungen. In der DB-Navigator App werden außerdem alle Ersatzfahrten mit Echtzeitdaten angezeigt. Entlang der Strecke ist die DB mit einem Infomobil vom 17. bis 30. April für Fahrgäste vor Ort. Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.bahn.de/generalsanierung-obertraubling-passau.