So soll die Bahn kurzfristig besser werden

Von Mareike Kürschner · 21. März 2026 um 05:00

Mit Jokergleisen, flexibleren Abfahrten und mehr Puffer zwischen den Zügen soll die Bahn kurzfristig pünktlicher werden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) stellte in Berlin am Freitag den von einer Taskforce in seinem Ministerium erarbeiteten Maßnahmenkatalog vor und lobte die „geballte Expertise des Sektors“, die für die Arbeitsgruppe zusammenkam. Neben den langfristigen Bau- und Modernisierungsmaßnahmen sollte sie Stellschrauben finden, die sich schnell drehen lassen – ohne hohe Zusatzausgaben.

Das Ziel: Die Pünktlichkeit und damit Zuverlässigkeit der Bahn zügig zu erhöhen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entlastung von Knoten wie München, Mannheim, Köln, Hamburg, Hannover, Berlin und Frankfurt, wo schon kleinere Störungen massive Auswirkungen auf den Fahrplan haben. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn lag die Pünktlichkeit im Februar bei 59,4 Prozent. Als verspätet gilt ein Zug nach Bahn-Definition ab einer Verzögerung von sechs Minuten. Welche Maßnahmen beschloss die Taskforce?

■ Jokergleise: In hochbelasteten Bahnhöfen fehlten heute oft Reservegleise, „um auf Zugverspätungen und andere Störungen flexibel reagieren zu können“, erklärte Schnieder. „Abhängig von den lokalen Gegebenheiten“ sollen deshalb jetzt gezielt einzelne Bahngleise freigehalten werden. Schnieder spricht von „Jokergleisen“, die spürbar zu mehr Pünktlichkeit führen sollen. Woher die Gleise allerdings kommen sollen, gerade in stark frequentierten Bahnhöfen, wird nicht klar.

■ Flex-Abfahrten: Angedacht ist, dass Züge früher abgefertigt werden, damit sie dann rechtzeitig losfahren. „Hierzu wird die im Fahrplan ausgewiesene Abfahrtzeit gegenüber der betrieblich vorgesehenen Abfahrtzeit leicht vorgezogen (z. B. um eine Minute)“, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Das hat eine zeitliche Entlastung bei der Abfertigung zur Folge. Damit will man bestehende Verspätungen abbauen und das Risiko von Folgeverspätungen minimieren.

■ Mehr Zeitpuffer: Personenzüge sind häufig – gerade an den Knoten – so eng getaktet, dass eine Verzögerung bei der Abfertigung sich sofort auf die Ankunft des nächsten Zuges auswirkt. Wie bei einer Kettenreaktion kommt es zu Folgeverspätungen, die sich über den Tag hinweg summieren. Helfen soll ein größerer zeitlicher Abstand zwischen zwei Zugfahrten. „Ab 2027 wird die DB InfraGO AG daher auf ausgewählten Strecken zielgerichtet eine verbindliche Pufferzeit einführen“, sagte Minister Schnieder. InfraGO-Chef Philipp Nagl betonte, dass die Trassenplanung von nun an mit dem Schwerpunkt Pünktlichkeit vorgenommen würde. „Bislang war das Primat, jeder Zug, der technisch möglich ist, sollte auf einen Knoten geplant werden. Das müssen wir überdenken“, erklärte er. Das klingt nach einer Entlastung, die auf Kosten des Angebots geht. Dem widerspricht Nagl. „Grundsätzlich hat das Schienennetz viel Platz und man kann noch viele Züge fahren.“ Es gehe um eine Optimierung der besonders belasteten Abschnitte.

■ Lenker am Gleis: Für eine bessere Situation beim Ein-, Aus- und Umsteigen sollen Reisende stärker bei der Wahl geeigneter Wege unterstützt, die Informationen etwa zur Wagenreihung und zu Gleisabschnitten besser und sogenannte „Reisendenlenker“ am Gleis eingesetzt werden.

■ KI-unterstützte Zugdisposition: Noch wird die Disposition, also die Bereitstellung der Züge, händisch vorgenommen durch das Personal in Stellwerken und Betriebszentralen. Das führt zu zeitlichen Verzögerungen im Betriebsablauf, die durch KI reduziert werden können. Lukas Iffländer, Vorsitzender Fahrgastverband ProBahn, beschrieb, dass eine KI-gestützte Zugdisposition allein zwischen Fulda und Hanau, also einer Strecke von rund 80 Kilometern, 100 Sekunden Zeitersparnis bringen würde.

Auch bei Signal- oder Technikstörungen sollen die Prozesse durch Digitalisierung optimiert werden. So dürfen Triebfahrzeugführer heute ihre Fahrt nicht eigenständig fortsetzen, sondern benötigen einen entsprechenden Befehl. Dieser wird meist telefonisch übermittelt, was unnötig Zeit kostet und zu zusätzlicher Verspätung führt. Künftig soll die Befehlsübermittlung digital erfolgen und nur noch etwa halb so lange dauern.