Neustädter Kinder schreiben ihr eigenes Buch

Von Wolfgang Abeltshauser · 23. März 2026 um 19:00

Seit kurzem gibt es im Generationentreff in Neustadt a. d. Donau ein neues, interessantes Angebot für Kinder. Und wenn es in 30 Jahren einmal einen Literaturnobelpreisträger geben sollte, der hier aufgewachsen ist, sollte man einmal nachschauen, ob der nicht dabei mitgemacht hat.

Einmal in der Woche treffen sich 16 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren im Generationentreff mit Künstlerin und Autorin Eva Honold. Sie haben ein gemeinsames Ziel: Am 18. Dezember wollen sie alle miteinander ihr erstes gemeinsames Buch präsentieren.

Honold hat schon mehrfach in der Stadt literarische Projekte betreut – nicht zuletzt ist sie bei Neustadt erzählt federführend mit dabei. Auch in Kelheim hat sie jüngst ein Projekt abgeschlossen. Gemeinsam mit Kindern hat sie ein Buch entwickelt, das derzeit im Druck ist. Und da sei Monika Weber, die in Neustadt für die Generationenarbeit und den Generationentreff zuständig ist, und Honold die Idee gekommen, doch auch in Neustadt a. d. Donau so etwas auf die Beine zu stellen.

Neugierde als Anreiz mitzumachen

Zu den derzeit 16 Kindern zwischen acht und zwölf Jahren gehört die neunjährige Sophie. „Ich bin neugierig, deshalb will ich hier mitmachen“, erzählt sie dem Reporter dieser Zeitung. Und ganz neu ist für sie das Schreiben auch gar nicht: „Ich führe ein Tagebuch“, verrät die Grundschülerin. Selber liest sie am liebsten Kinderkrimis.

So etwas soll in den kommenden Wochen in der Gruppe allerdings nicht entstehen. In Kelheim sei es laut Honold um persönliche Erlebnisse und Erfahrungen gegangen. In Neustadt a. d. Donau sollen sich die Kinder von der in ihren Augen ereignisreichen Geschichte, von den Geschichten rund um die Stadt, inspirieren lassen.

Zu denen, die da ihre Fantasie anzapfen sollen, gehört die ebenso neunjährige Lara. Sie hat sich ehrlicherweise nicht selbst angemeldet. Ihre Mutter hat nach eigenen Worten von dem Projekt gehört, da sie im Sekretariat der Grundschule arbeitet. „Da habe ich gedacht, das ist doch eine spielerische Möglichkeit, Deutsch zu trainieren.“ Auch Lara greift schon mal zu einem Buch zum Lesen. Bei ihr sind es Mädchengeschichten.

Lara probiert schon einmal eines der Schreibhefte aus. Mama Melanie Jehl schaut zu. - Foto: Wolfgang Abeltshauser

Ehrlicherweise geht es Honold selbstverständlich nicht darum, einen Bestseller zu schaffen, sondern bei den Kindern Kreativität und Phantasie anzuregen. Dazu trifft sich die Gruppe einmal pro Woche für drei Stunden. Zu Beginn werden nach ihren Worten Schreibübungen gemacht, die Kinder sollen dabei die Ideen aufschreiben, die ihnen zu bestimmten Begriffen einfallen.

Die alte Schreibmaschine im Neustädter Generationentreff

Eine Rolle soll dabei auch eine alte Schreibmaschine spielen, die Honold in den Generationentreff mitgebracht hat. „Viele Kinder kennen so ein Gerät von daheim ja gar nicht mehr.“ Das bestätigt Sophie: „Ich habe so Eine zuvor noch nie gesehen.“ Beim Projekt in Kelheim sei die Schreibmaschine der große Renner gewesen, alle Kinder hätten darauf einmal schreiben wollen.

Lesen Sie doch auch: In Neustadt a. d. Donau zu Fuß Preise gewinnen

Neben den Übungen geht es ein jedes Mal auch nach draußen. Man sehe sich in Neustadt a. d. Donau um, gehe zu Plätzen, die für die Geschichte der Stadt wichtig sind. Deshalb werde man beispielsweise auch das Römerkastell Abusina besuchen oder das nahe Moor bei Bad Gögging. Es gehe wie gesagt aber auch um die kleinen Geschichten, die man in der Kommune finden könne. Grundsätzlich dürfen die Kinder da auch Vorschläge machen, wobei es auch um Details gehen könne. Honold selbst denkt da etwa an die Störche, die man sieht, oder die Kanaldeckel, auf denen das Neustädter Stadtwappen zu sehen ist.

Auch in die Bücherei werde es gehen, um zur Historie der Heimatstadt zu recherchieren. Aus all diesen Eindrücken sollen dann selbstgeschriebene Geschichten entstehen, wobei bestimmte Themenbereiche, etwa Sagen aus Neustadt a. d. Donau, vorgegeben sind. Die Kinder schreiben, erhalten dabei Tipps von Honold.

Der große Tag im Neustädter Dezember

Ein jedes Kind soll zumindest mit einer Geschichte im Buch vertreten sein. Vorgegeben ist für das gesamte Buch die Seitenzahl - höchstens 80 sollen es sein. Das sei eben die Vorgabe des Bundes, der das Projekt, das es bundesweit gibt, fördert, und des beteiligten Mitteldeutschen Verlages, der das Buch drucken wird.

Ja genau - die Kinder werden ihr Werk als gedrucktes Exemplar in die eigenen Hände bekommen. „Jedes teilnehmende Kind erhält ein Eines für sich selbst und ein Zweites zum Verschenken.“ Außerdem wartet mit dem 18. Dezember ein großer Tag auf die kleinen Autoren im Generationentreff. Dann gibt es eine Lesung, in erster Linie für Eltern, Geschwister, Großeltern, Tanten und Onkeln. „Wenn da der Platz zu wenig ist, ziehen wir eben in die Bücherei um.“

Jedes Kind, das will, darf dabei seine eigene geschriebene Geschichte vortragen. Im Anschluss wäre es auch möglich, das Buch beim Verlag zu bestellen. Eine feststehende Auflage gibt es nicht. Noch sind beim Projekt einige wenige Plätze frei. Da es aber sinnvoll sei, das Projekt möglichst von Beginn an mitzuerleben, sollten sich Kurzentschlossene sehr bald bei Honold (email: eva.honold@yahoo.de) melden.