Kommentar zur OB-Wahl in Schwandorf: Feller muss nun auch die Nichtwähler überzeugen

Andreas Feller ist der klare Wahlsieger. Mit 65,8 Prozent hat er den CSU-Oberbürgermeisterkandidaten Andreas Wopperer weit hinter sich gelassen – so wie es viele bereits erwartet hatten. Doch so laut der Wahlsieger auch feierte: Wer das Ergebnis analysiert, muss feststellen, dass nicht alles glänzt, schreibt MZ-Redakteur Johannes Hartl in seinem Kommentar.
Die CSU hat eine richtige Schlappe hinzunehmen. Vier Sitze weniger im Stadtrat, dazu ein gescheiterter OB-Kandidat – viel verheerender könnte eine Bilanz gar nicht ausfallen. Das Manöver, den Amtsinhaber nicht mehr zu nominieren, war von Anfang an hochriskant. Natürlich, es gab gewichtige Gründe für diese Entscheidung – man denke an die Genehmigungspraxis in Irlaching Siedlung, den Ärger rund um die Fördermittel bei der Schwellenwerksunterführung oder den Eindruck, dass der OB mit der eigenen Fraktion kaum noch zusammenarbeitete.
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Aber so gut die Gründe waren: Wer einem durchaus beliebtem Amtsinhaber die Unterstützung versagt, braucht mehr als einen fachlich kompetenten Kandidaten. Dann braucht es einen Bewerber, der mitreißen kann, der nah an den Menschen ist. Was diese Nähe angeht, konnte sich Wopperer offenbar nicht mit Feller messen. Zumal seine Startvoraussetzungen schon deshalb schlecht waren, weil ihm bei manchem Wähler der Ruf anhaftete, an Fellers Stuhl gesägt zu haben.
CSU muss Lehren aus ihrem Wahldebakel ziehen
Die CSU steht nun vor der Aufgabe, aus dem Wahldebakel ihre Lehren zu ziehen. Eine entscheidende Frage wird sein, wie die Partei zu einem konstruktiven Umgang mit dem wiedergewählten OB und seiner Bürgerliste finden kann. Alles zu blockieren, was von Feller und der BLS kommt – das schadet am Ende jedenfalls nicht nur der Stadt, sondern in letzter Konsequenz auch der CSU. Die Aussage von Wopperer, dass man sich der konstruktiven Arbeit nicht verwehren werde, wird sich hoffentlich im neuen Stadtrat widerspiegeln.
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Aber auch Andreas Feller darf sich nicht entspannt zurücklehnen – so deutlich der Vorsprung gegenüber Wopperer auch gewesen ist. Die Wahlbeteiligung von nur 48 Prozent ist bedenklich. Es legt den Schluss nahe, dass für viele Wähler offenbar keiner der Kandidaten überzeugend war. Und das hat im Fall von Andreas Feller auch Gründe.
Mit dieser Hemsärmeligkeit kann es nicht weitergehen
Wegen der angesprochenen Schnitzer drängte sich zuletzt der Eindruck auf, als gehe es im Rathaus drunter und drüber. Das ist problematisch. Es untergräbt letztlich das Vertrauen in demokratische Institutionen. Mit dieser Hemdsärmeligkeit kann es nicht weitergehen.
Die wichtigste Aufgabe für Andreas Feller wird es nun sein, seine Amtsgeschäfte ordentlich zu führen – transparent, regelkonform, im konstruktiven Dialog. Am Ende muss er nämlich auch für die Bürger Politik machen, die ihn nicht gewählt haben. Dieses Vertrauen herzustellen und diese Zuverlässigkeit auszustrahlen, das wird womöglich seine größte Aufgabe.