Tränen und Küsse bei der BLS, Tristesse bei der CSU: So lief die Stichwahl in Schwandorf

Unterschiedlicher hätten die Szenen am Sonntagabend nicht sein können. Frenetischer Jubel, lauter Applaus und innige Küsse bei der Bürgerliste Schwandorf (BLS) mit ihrem Spitzenkandidaten Andreas Feller, lange Gesichter bei Andreas Wopperer und seiner CSU im Parteibüro. Es war eine denkwürdige Stichwahl in Schwandorf. Gegen 18.40 Uhr stand fest: Der amtierende Oberbürgermeister darf sechs Jahre weitermachen.
Feller, der diesmal nicht für die CSU, sondern für die neu gegründete Bürgerliste Schwandorf (BLS) ins Rennen gegangen war, hat die Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Andreas Wopperer deutlich für sich entschieden. Auf den 57-Jährigen entfielen 65,8 Prozent der Stimmen, auf Wopperer 34,2 Prozent.
Das bedeutet auch, dass die BLS im künftigen Stadtrat nun eine Stimme mehr hat. Für den wiedergewählten OB, der auf sein Stadtratsmandat verzichtet, rückt nun Peter Hien nach.

Bereits im ersten Wahlgang am 8. März hatte sich angedeutet, dass Feller in der Großen Kreisstadt Rückhalt genießt – und das trotz einiger aufsehenerregender Schnitzer, die sich der Rathauschef während seiner aktuellen Wahlperiode geleistet hat. Feller musste gegen sechs Mitbewerber antreten, holte dennoch 35,3 Prozent der Stimmen und damit die meisten. Auf Platz zwei landete Andreas Wopperer, dem die CSU im Vorfeld der Wahl das Vertrauen geschenkt hatte. Auf ihn entfielen vor zwei Wochen 17,6 Prozent der Stimmen.
Stichwahl in Schwandorf: Wahlbeteiligung nur bei 48 Prozent
Weil keiner der Kandidaten auf Anhieb die absolute Mehrheit erlangt hatte, mussten die Schwandorfer am Sonntag nochmals an die Wahlurne. Nur 48 Prozent der Wahlberechtigten haben das aber getan. Im Vorfeld waren sich viele Beobachter uneinig, ob Feller an sein Ergebnis im ersten Wahlgang anknüpfen kann, oder ob am Ende Gegenkandidat Wopperer aufholt.
Die Stichwahl hat Andreas Feller zwar deutlich gewonnen, nun muss er aber auch die Nichtwähler überzeugen. So kommentiert es MZ-Redakteur Johannes Hartl
Doch bereits nach der Auszählung der ersten von 41 Wahllokalen zeigte sich: Diesen Wahlabend wird Amtsinhaber Feller für sich entscheiden. Der alte und neue OB lag immer deutlich vorne – und das sollte auch bis zum Ende so bleiben.
Auf seine Susi kann sich Andreas Feller immer verlassen
Dementsprechend losgelöst war die Stimmung auf der Wahlparty der Bürgerliste Schwandorf, die wie am 8. März im Gasthof Schmidtbräu stattfand. Bei Fellers Ehefrau Susanne kullerten Tränen, auch der frisch gekürte Wahlsieger war sichtlich gerührt. „Mit Zwei-Drittel-Mehrheit bei einer Stichwahl gewählt zu werden, ist natürlich ein Traum“, sagte der Gewinner, als gegen 18.40 Uhr die letzten Zweifel beseitigt waren. Der OB bedankte sich bei allen Wählern und bei seinen Mitstreitern für den „disziplinierten und engagierten Wahlkampf“.

Herzerwärmende Worte hatte Feller dann vor allem für seine Frau Susanne parat. Sie ist ihrem Andreas nie von der Seite gewichen – auch dann nicht, als öffentlich Kritik gegen den OB laut geworden war und auch dann nicht, als Feller von seiner CSU abgestraft und nicht zu ihrem OB-Kandidaten nominiert worden war. „Liebe Susi, danke für deine Unterstützung und deine Rückendeckung. Du hast allerlei mitmachen und aushalten müssen. Vielen herzlichen Dank, ich liebe Dich!“. Ein dicker Schmatzer unter tosendem Applaus durfte natürlich nicht fehlen.
Hier können Sie die Stichwahlen im Landkreis Schwandorf nochmal in unserem Liveblog nachlesen.
Als dann auch noch drei Musikanten einzogen und zünftig aufspielten, war die Stimmung endgültig am Siedepunkt. Nach zahlreichen Umarmungen und den ersten Interviews ließ es sich der Stichwahlsieger nicht nehmen, kurz zum Foyer der Spitalkirche zu schauen. Dort wartete Gegenkandidat Wopperer, der Feller fair zu seinem Triumph gratulierte.

Dem unterlegenen CSU-Mann war die Enttäuschung natürlich ins Gesicht geschrieben. „Das Ergebnis drückt mir keine Freudentränen in die Augen. Aber gewählt ist gewählt, und es ist wie es ist“, sagte Wopperer in einer ersten Reaktion. Weder die Themen, die die Schwandorfer CSU gesetzt habe, noch die Kandidaten seien aus seiner Sicht falsch gewesen. „Dass der Wähler das anders sieht, ist zur Kenntnis zu nehmen und zu akzeptieren.“
Bei der Schwandorfer CSU knallte kein einziger Sektkorken
Der Unterlegene verfolgte die Auszählung der Stichwahl im Wahlkreisbüro der CSU-Bundestagsabgeordneten Martina Englhardt-Kopf, die neben etwa 30 Parteifreunden und Wopperers persönlichen Wegbegleitern selbst anwesend war. Der Sekt stand bereit, am Ende knallte aber kein einziger Korken. Stattdessen sorgte das Ergebnis bei den Christsozialen für lange Gesichter. Kurz nach Ende der Auszählung leerten sich die Büroräume schnell, ein harter Kern um CSU-Kreischef Alexander Flierl und Stadtverbandsvorsitzendem Christoph Götz blieb.

Für ihren unterlegenen Spitzenkandidaten hatten die Parteifreunde noch eine kleine Überraschung parat. Zum Trost überreichte Wopperers Frau Daniela eine Buttercreme-Torte in Herzform. „Bürgermeister der Herzen“ stand darauf. Das sorgte beim gescheiterten OB-Kandidaten immerhin für etwas Schmunzeln.