„Das Berle-Bad war Ralfs Baby“: Langjähriger Chef in Berching geht in den Ruhestand

Wer öfter ins Berle-Bad in Berching (Landkreis Neumarkt) geht, kennt ihn: Ralf Thiel. Schon als das Bad 1998 eröffnet hat, war er Teil des Teams. Jetzt verabschiedet sich der 62-Jährige – und blickt auf herzergreifende sowie schockierende Momente zurück.
Schwimmkurse für Kinder habe er immer gern gegeben, sagt Thiel. „Das Highlight war jedes Mal, wenn ein Mädchen oder Junge alleine schwimmen konnte.“ Und auch sonst war es der Kontakt zu Badegästen, den Thiel geliebt hat.
Stadt Berching verabschiedet früheren Chef des Berle-Bads
Gepaart mit einer guten Stimmung unter den Mitarbeitern hat der langjährige Betriebsleiter auch schwierige Zeiten im Berle gemeistert, wie bei seinem offiziellen Abschied am Freitagvormittag im Bad erzählt wurde.

Eigentlich war Thiels letzter Arbeitstag bereits am 22. Februar. Ein Sonntag. Es war viel los, erinnert sich Thiel. Zeit, an diesem Tag auf seine 28 Jahre im Bad zurückzublicken, blieb da kaum. Am Freitag hingegen war dafür genügend Zeit. Aus dem Rathaus kam eine ganze Abordnung der Stadtverwaltung, um Thiel gebührend in den Ruhestand zu verabschieden. Bereits seit einigen Monaten ist Thiel in Altersteilzeit, nun baut er seine rund 500 Überstunden ab, nimmt seinen restlichen Urlaub, ehe er dann offiziell zum 1. April 2028 in den Ruhestand geht.
Zum Abschied gab es ausschließlich warme Worte – ob vom Personalratsvorsitzenden Christian König oder vom Bürgermeister. Ludwig Eisenreich dankte Thiel für seine langjährige und engagierte Arbeit im Berle. „Mit deinem Wirken hast du unser Bad geprägt und die Herzen der Besucher gewonnen“, sagte Eisenreich. „Deine Erfahrung, deine Zuverlässigkeit und deine Freundlichkeit werden uns fehlen.“
Ehemaliger Betriebsleiter lobt Berchinger Firmen
Eisenreich erinnerte am Freitag auch an Zeiten, in denen es im Bad nicht so rund lief – sei es wegen personeller Probleme, des großen Sturmschadens 2018, der Pandemie 2020 oder wegen bröckelnder Fliesen. Auch Thiel weiß das noch ganz genau: „Vor ein paar Jahren kam ein Kind mit einer Fliese in der Hand zu mir und hat mir gesagt, dass er diese im Becken gefunden hat.“
Glücklichweise konnte sich der langjährige Chef des Bades auf Berchinger Unternehmen wie Frey, Reindl und Seemeier verlassen, wie er sagt. „Die Firma Seemeier kam dann in den Weihnachtsferien und hat die Fliesen repariert, während das Bad geöffnet war“, erinnert sich Thiel, für den immer Priorität hatte, dass der Betrieb im Bad weiterläuft, sagt Geschäftsleiter Reinhard Buchberger.
Sturmschaden, Corona und Personalprobleme im Berle-Bad
„Es war sein Bad. Das Berle-Bad war Ralfs Baby“, lobt ihn Buchberger. Man habe ihn jederzeit anrufen können – auch als Sturm Fabienne das Dach des Bads abgedeckt hat. Es war ein Sonntag, dieser 23. September 2018, als am Abend ein Sturm über Berching fegte. Thiel saß gemütlich zuhause, als die Feuerwehr ihm die Schreckensnachricht am Telefon übermittelte. „Scheiße“, dachte sich Thiel und fuhr von Beilngries direkt zum Berle.
Über ein Jahr war das Erlebnisbad nach dem Unglück geschlossen. Kurz darauf kam 2020 Corona. Kurzarbeit sowie Hygiene- und Einlassbeschränkungen forderten das Team des Berle heraus. Auch personell hatte Thiel als Chef zu kämpfen. „Wenn wir auf der letzten Rille gefahren sind, hat Ralf auch mal seinen Urlaub verschoben“, erzählt Buchberger und schiebt hinterher, dass auch Thiels Nachfolger top eingestellt sei. Es sei ein nahtloser Übergang geglückt.

Bereits seit 1. Oktober ist Eike Penzel Betriebsleiter. Seinem Nachfolger wünscht Thiel ein glückliches Händchen und eine ebenso unfallfreie Zeit. Denn seit Thiel am 1. Januar 1998 vom Beilngrieser Freibad ins Berchinger Berle-Bad gewechselt war – und dieses als Betriebsleiter 2010 übernommen hatte – habe er keinen tödlichen Badeunfall erleben müssen. Einsätze bei Herzinfarkten oder epileptischen Anfällen habe es aber dennoch gegeben.
Als Betriebsleiter stehst du 24 Stunden am Tag unter Strom.Ralf Thiel, langjähriger Chef des Berle-Bads
Auch wenn er als Leiter dafür nichts kann, nahm Thiel solche Momente mit nach Hause. „Als Betriebsleiter stehst du 24 Stunden am Tag unter Strom, weil du die Verantwortung für das Bad trägst“, sagt er. Diese Last hat er mittlerweile an Penzel abgegeben.
Der dreifache Opa hat nun Zeit für seine Hobbys: werkeln, Motorrad sowie E-Bike fahren – und mit den Enkeln ins Berle gehen. Ganz entspannt.