Bier-Revolution am Adlersberg: Prössl gibt's auch alkoholfrei – nur nicht beim Palmator

Dem Trend am Bierglas kann man sich auch am Adlersberg im Landkreis Regensburg nicht verschließen. Seit einigen Tagen steht der Freie Adler, das erste alkoholfreie Bier von Prösslbräu, in den Getränkemärkten. „Die Nachfrage wird einfach größer“, erklärt Brauerin Franziska Prößl den Schritt.
Wichtig ist ihr, dass sie das Alkoholfreie selbst brauen – im Gegensatz zu anderen regionalen Brauereien, die es zukaufen. Für Prössl steht fest: „Wo Adlersberg drauf steht, soll auch der Adlersberg drin sein.“ Dieser Grundsatz führte zu einer stattlichen Investition und reichlich Ausprobieren.
Erst seit einem guten Jahr treibt Prößl der Gedanke um, den sieben herkömmlichen Biersorten im Repertoire ein Alkoholfreies hinzuzufügen. Doch es sollte schnell gehen, sie wollte nicht als letzte noch mit auf den Zug aufspringen. Bei einer Halben des Freien Adlers im sonnigen Biergarten am Adlersberg erklärt Prößl, dass es drei Möglichkeiten gibt, Alkoholfreies zu brauen: Entweder nutzt man einen Hefestamm, der keinen Alkohol produziert, oder man unterdrückt den Gärprozess.
Alkohol wird ausgedampft
Prößl hat die dritte Variante überzeugt: die thermische Methode. Der Geschmack sei dadurch weniger süßlich als bei den beiden anderen Vorgehensweisen, bei denen Alkohol gar nicht erst entsteht. Für die thermische Variante wird zunächst ein alkoholisches Bier gebraut, dem durch Hitze der Alkohol ausgedampft wird.

„Das ist natürlich schon eine große Investition“, sagt Prößl mit Blick auf die Anlage, die seit Dezember im zweiten Untergeschoss der Brauerei steht. Sie entalkoholisiert das Bier. „Da braucht man gar keine genauen Zahlen nennen. Das sieht man gleich, dass die nicht günstig ist.“ Das Fabrikat ist noch recht jung, erst drei dieser Maschinen gibt es in Deutschland. Am Mittwoch sind die Techniker des Herstellers im Haus und tüfteln herum, um den enorm hohen Energieverbrauch der Anlage etwas zu drosseln.
Trotz neuster Technik und stattlichem Preis spuckt die Anlage aber nicht von selbst wohlschmeckendes Alkoholfreies aus. Für ein solches hat die Brauerin ein paar Probe-Sude gebraucht. Die erste Erkenntnis: Mit einem bestehenden Bier aus dem Prössl-Programm geht’s nicht. Zunächst versuchte Prößl das Export Kloster-Gold als Grundlage für das Alkoholfreie, dabei ging jedoch die Hopfennote völlig verloren. Entalkoholisierte sie das Pils, war kein Malz mehr zu schmecken.
Stammgäste helfen bei Geschmackskontrolle
Also macht sich Prössl daran, für den Freien Adler ein ganz neues Ausgangsbier zu brauen. „Das überzeugt erst mal gar nicht so“, sagt sie. Entalkoholisiert entfaltet es dann aber seinen runden Geschmack mit milder Hopfen-Note. Seit Januar wird es in der Brauerei-Gaststätte ausgeschenkt, seit März ist es im freien Verkauf. Und das Feedback? „Uns sagen sie natürlich alle, dass es super schmeckt“, sagt Prößl und lacht. Auf die Ehrlichkeit des ein oder anderen Stammgasts verlässt sie sich schon zur Geschmackskontrolle. Mit Fragebogen hat sie das Urteil von Testtrinkern während der Probephase erfasst.
Biertrinker sollen weiter Bier trinken. Wir wollen niemanden umerziehen.Franziska Prößl, Brauerin
Prößl – ganz Brauerin – greift im Zweifel eher zum herkömmlichen Bier. „Das Alkoholfreie kann noch so gut schmecken, es wird immer anders sein. Der Alkohol als Geschmacksträger fehlt einfach.“ Wenn sie aber mittags zusammen in der Sonne sitzen, „da trinken wir es mittlerweile auch gern“. Ein zweites Alkoholfreies, ein Dunkles, fände Prößl einen spannenden Ansatz, ihr Hauptaugenmerk bleibt aber das alkoholhaltige Brauen. „Biertrinker sollen weiter Bier trinken. Wir wollen niemanden umerziehen.“ Das Alkoholfreie ist eine reine Ergänzung zum Angebot.
„Gerupfter Adler“ klang ihnen zu brutal
Nicht nur was den Alkoholgehalt angeht, auch mit Blick auf den Namen der Neuschöpfung ist der Freie Adler ein Exot unter den Prössl-Bieren. Während die sieben alkoholischen Sorten klassisch benannt sind, Vollbier Hell, Bayerisch Dunkel oder Kloster-Pils etwa, ist das Alkoholfreie kreativer betitelt. Franziska Prößl wäre lieber weiter klassisch geblieben. Adlersberg Alkoholfrei lautete ihre Vorstellung für den Namen, „eine schöne Alliteration“. Ihre Familie überstimmte sie, mit dem Freien Adler hat sich Franziska auch mehr als arrangiert. Eine weitere Namensvariante wurde – glücklicherweise darf man wohl sagen – verworfen: Gerupfter Adler. „Das klang uns dann doch zu brutal.“
Kein Freier Adler beim Palmator
Am Sonntag, 29. März, findet der Palmator-Anstich am Adlersberg statt. Den Freien Adler wird es dann nicht geben. „Beim Palmator bleiben wir klassisch“, sagt Franziska Prößl. Der Aufwand einer dritten Leitung – neben Palmator und Hellem – wäre zu groß. „Und es ist halt doch ein Starkbieranstich.“ Ein Jeder werde aber das passende Getränk finden, meint Prößl und zählt Radler, Wasser und Limonaden als Alternativen auf.