„Klausi“ konnte nicht nur grunzen – Nach Mammut-Verzehr nahm er einen Zahnstocher

Gewisse Tischmanieren waren dem Eiszeit-Mann aus Essing selbst nach Verzehr eines Mammuts nicht fremd – er benutzte einen Zahnstocher. Diese und andere Erkenntnisse lassen sich dem 34.000 Jahre alten Skelett entlocken.
„Der Fund ist bedeutsamer als der Ötzi“, stellt Essings Bürgermeister Jörg Nowy mit Überzeugung fest. Tatsächlich zeigt allein der Altersvergleich einen großen Unterschied: „Ötzi“ lebte vor etwa 5000 Jahren, „Klausi“ ist 29.000 Jahre älter. Nowy hat das Skelett aus der Eiszeit vorerst nach dem Fundort Klausenhöhle benannt. „Ich weiß aber nicht, ob das so gut passt. Ich will niemandem mit dem Vornamen Klaus zu nahe treten“, sagt er.
Eine Schautafel im „Memu“ zeichnet mit „begründeter Fantasie“ Stationen von „Klausis“ Lebens nach. Er sei Oberhaupt einer Gruppe von 23 Personen gewesen und genoss Ausbildungen in „Steinschlagen, Wohnzeltbau, Klein- und Großwildjagd“.

Nicht das Alter allein macht die Bedeutung des Fundes aus. „Im Ohr wurde ein Felsenbein entdeckt. Das deutet darauf hin, dass dieser Eiszeit-Mensch schon eine Art Sprache kannte“, so Nowy. Eigentlich nimmt man an, dass in jener Zeit hauptsächlich über Grunzlaute kommuniziert wurde. Anatomisch war der Mensch noch nicht so weit mehr hervorzubringen.
Auf die Verwendung eines Zahnstochers wurde über ein Loch in einem Zahn geschlossen. „Klausi“ nahm gerne tierische Nahrung zu sich, was aus einem hohen Stickstoff-Anteil hervor geht. Mammut oder Wollnashorn standen wie Rothirsch oder Rentier zur Auswahl. Hauptsächlich waren die Eiszeit-Menschen aber mit Sammeln und Essen von Wurzeln, Gräsern, Pilzen bis hin zu Insekten beschäftigt.
Die Klausenhöhlen waren ein wichtiger Zufluchtsort. Dort fand der Ur-Essinger auch seine letzte Ruhestätte – ehe er 1913 gefunden wurde.