Der Eiszeit-Mann von Essing: Kopie eines 34.000 Jahre alten Skeletts wird zur Schau

Gut hatte er sich gehalten, der 34.000 Jahre alte Mann. Fast unversehrt wurde sein Skelett in der Klausenhöhle entdeckt – ein Sensationsfund. Die Original-Gebeine liegen in einer Staatssammlung. Und doch ist er jetzt auch im „Memu“ in Essing im Landkreis Kelheim zu sehen: Ein Replikat aus 67 Einzelteilen wurde in einer Vitrine zusammen gesetzt.
„Ehrfürchtig“ gingen Essings Bürgermeister Jörg Nowy und Orthopäde Rudi Dietz ans Werk. „Auch wenn es eine Kopie ist, steckt doch ein Mensch dahinter“, sagte Nowy. 67 Stücke von der Schädeldecke bis zum Zehen lagen sorgsam verpackt vor ihnen. Die Teile stammen aus dem 3D-Drucker einer Spezialfirma in Lupburg. „Selbst Experten staunen, wie detailgetreu sie aussehen“, erklärte Nowy. „Ganz einfach wird das Zusammensetzen nicht“, blickte Dietz, der vom Bürgermeister als Experte für Anatomie ins Boot geholt wurde, auf das „Puzzle“.
Gut konserviert unter dem Schlick der Ur-Donau
Im Jahr 1913 war der „Mann von Neuessing II“, wie ihn die Wissenschaft nennt, in einer der Klausenhöhlen gefunden worden. Nur wenige Knochen fehlten, was angesichts des ermittelten Alters von 34.000 Jahren höchst verblüffend ist. „Er lag im Gebiet der Ur-Donau und war mit Schlick bedeckt. Das dürfte ihn konserviert haben“, so Dietz. Das Original wird in einem Tresor in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München wohl gehütet.

Nach seinem Fund geriet der frühe Essinger Homo Sapiens in Vergessenheit. Als das Skelett jedoch 2022 in einer Ausstellung in Rosenheim gezeigt wurde, kam Nowy die Idee, den Eiszeit-Mann in seiner Heimat im „Memu“ (Mensch und Museum) zu zeigen. „An das Original heranzukommen, war natürlich unmöglich.“ Auch weil das Skelett weiteren Forschungszwecken dienen soll.
Die Staatssammlung bot aber ein Double an. Mithilfe eines 3D-Scanners wurde jeder einzelne Knochen gescannt, daraus ein dreidimensionales Abbild erstellt. Mittels 3D-Druckers entstanden die Einzelteile aus Kunststoff. „Das hat uns etwa 15.000 Euro gekostet“, so Nowy. Aus Rosenheim bekam die Gemeinde die Vitrine.

Darin liegt das Replikat seit Donnerstag auf Granulat unter einer Glasscheibe. Bis dahin benötigten Dietz und Nowy durchaus Geduld. „Wo gehört das jetzt hin?“, hielten sie vor allem kleinere Knochenstücke prüfend ins Licht und platzierten sie nach und nach. Von der Schädeldecke abwärts legten sie den Eiszeit-Mann. Im Alter von rund 40 Jahren, so schätzen Wissenschaftler, dürfte er gestorben sein. Seine Größe wird mit 1,63 Meter angegeben. „Hoffentlich setzen wir ihn nicht größer zusammen, sonst ragt er über die Vitrine hinaus“, fielen auch launige Anmerkungen im Scheinwerferlicht von Fernsehkameras.
Rund um die Kopie sind an den Wänden Schautafeln angebracht. Darauf ist zu lesen, welche Erkenntnisse aus dem Original-Skelett bisher gewonnen wurden). Nicht klären lässt sich die Todesursache. Die Knochen weisen keine Spuren von Brüchen oder Verletzungen auf, auch nicht von Gewaltanwendungen. Mit 40 Jahren wurde der Eiszeit-Mann für die damalige Zeit erstaunlich alt. Eine Plastik zeichnet die Gesichtszüge des Ur-Essingers nach; ein Film veranschaulicht, wie aus den Knochen die Schädelform per Computeranimation nachgebildet wurde.
Ab 18. April 2026 ist der Essinger Ur-Bürger zu sehen
Bis die Öffentlichkeit den „Mann von Neuessing II“ zu Gesichte bekommt, wird es noch etwa einen Monat dauern. „Am 17. April gibt es eine offizielle Eröffnung, ab dem nächsten Tag läuft die Ausstellung.“ Samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr hat das „Memu“ geöffnet.

Nowy ist überzeugt, dass der ausgestellte Korpus ein Besuchermagnet wird. „Schon heute bei modernen Ausstellungen registrieren wir Gäste aus ganz Bayern. Mit dem Skelett-Duplikat bekommen wir ein Highlight.“ Der Essinger Eiszeit-Mann ist zurück.