Anschlag-Opfer von Hanau: Regensburger Schwanenplatz wird zum Fatih-Saraçoğlu-Platz

Fatih Saraçoglu hatte Regensburg noch nicht lange verlassen, als er starb. Ein rechtsextremer Attentäter ermordete ihn und neun weitere Menschen im hessischen Hanau. Sein Motiv: Hass auf alles Fremde. Nun will der Regensburger Künstler Jonas Höschl an die Toten erinnern – und hat sich dabei einen ganz besonderen Ort ausgesucht.
Am Freitag, so ist es der Webseite des Neuen Kunstvereins zu entnehmen, wird der Schwanenplatz in der östlichen Altstadt nämlich zum Fatih-Saraçoglu-Platz. Künstler Höschl wird dabei insbesondere den Wartebereich der dortigen öffentlichen Toilette als Schauplatz seines Werks nutzen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Ärger um das sogenannte Luxusklo. Eine Bank wurde aufgestellt, dann wieder entfernt. Bunte Stühle kamen – und wurden geklaut. Kurzum: Eine lange Geschichte. Inzwischen dient das Häuschen in Kooperation mit dem Kunstverein als Ort der Kreativität – in diesem Kontext steht auch das Werk von Höschl.
Künstler setzt sich seit Jahren mit Rechtsruck auseinander
Der Künstler setze sich in seiner Arbeit seit Jahren kritisch mit dem zunehmenden Rechtsruck in unserer Gesellschaft auseinander, schreibt der Kunstverein in einer Mitteilung zur sogenannten Kunsthaltestelle am Schwanenplatz. „In seinem jüngsten Fotobuch analysiert er visuelle Codes und Symboliken rechtsextremer Gruppierungen. Auch seine geplante Intervention in der Kunsthaltestelle knüpft an diese Auseinandersetzung an.“
Dabei beziehe er sich auf den rassistischen Anschlag von Hanau im Februar 2020, bei dem auch der Regensburger Fatih Saraçoglu ums Leben kam. Der Neue Kunstverein schreibt: „Mit einer temporären Umbenennung des Schwanenplatzes in Fatih-Saraçoglu-Platz möchte der Künstler einen lokalen Bezug herstellen und die Regensburger Stadtgesellschaft für die Aktualität und emotionale Tragweite des Ereignisses sensibilisieren.“ Die Kunstinstallation, die von den Veranstaltern als Intervention bezeichnet wird, verstehe sich als Einladung zur öffentlichen Reflexion über Erinnerungskultur, gesellschaftliche Verantwortung und den Wert eines offenen, demokratischen Miteinanders.
Eröffnet wird die Intervention von Höschl am Freitag um 17 Uhr. Der Künstler schreibt auf Instagram, dass er sich eng mit der Familie Saraçoglu abgestimmt habe. Die Intervention sei ein erster physischer Aufschlag in den Bemühungen, einen Gedenkort in Regensburg zu etablieren.