Nach Gewürz-Diebstahl in Berg: 59-Jähriger vor Gericht in Neumarkt

Drei Gewürze im Wert von 9,67 Euro und ein Diebstahl bei Netto: Was nach einer Bagatelle klingt, hätte einen 59-Jährigen beinahe ins Gefängnis gebracht.
Der aus Aserbaidschan stammende Angeklagte räumte seine Tat sofort ein und zeigte sich einsichtig. „Sie machen keinen verkehrten Eindruck auf mich“, sagte Richter Niedermayer bei der Urteilsverkündung. Dennoch wog seine Vorgeschichte schwer: Fünf Einträge im Strafregister, darunter Diebstahl, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort oder Fahren ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung, lagen bereits vor – nun kam ein weiterer hinzu. Besonders problematisch: Der Mann stand zum Tatzeitpunkt unter Bewährung. Wer unter Bewährung stehe, dürfe sich nichts zuschulden kommen lassen, betonte der Richter.
Dennoch ließ sich der 59-Jährige zu der Tat hinreißen. Im Februar vergangenen Jahres steckte er in einem Netto-Markt zwei Packungen Kümmel und einmal Dinkelspitz in seine Tasche. Diese habe ihm sein Arzt wegen Bluthochdrucks empfohlen. Zudem sei er leicht alkoholisiert gewesen – etwa eine halbe Flasche Wodka. „Nüchtern hätte ich es nicht gemacht – ganz ehrlich“, ließ er über eine Dolmetscherin ausrichten.
Trotz der erneuten Straftat ließ das Gericht Milde walten. Ausschlaggebend waren sein Geständnis, seine Reue und sein kooperatives Verhalten. Er habe nicht diskutiert und sei extra aus Friedrichshafen über sechs Stunden angereist – was zwar erwartet werden könne, aber dennoch positiv auffiel, so der Staatsanwalt.
Angeklagter lebt von Sozialleistungen
Der 59-Jährige kam schließlich mit einem „letzten Warnschuss“ davon: 50 Tagessätze zu je 25 Euro sowie die Verfahrenskosten. Leicht wird es für ihn dennoch nicht, da er vom Jobcenter lebt und eine noch ausstehende Geldstrafe abzahlt. Am Ende bedankte er sich dennoch bei allen Anwesenden – was im Saal als ungewöhnlich kommentiert wurde.
Der Angeklagte gab an, wegen politischer Verfolgung aus Aserbaidschan geflohen zu sein und über die Ukraine, nachdem dort der Krieg ausgebrochen war, nach Deutschland gekommen zu sein. „Sie haben eine bewegende Geschichte hinter sich, aber das rechtfertigt die Tat nicht“, betonte Niedermayer.