Post-Covid-Betroffene forderten bei Kundgebung in Schwandorf bessere Versorgung

Mit einer Aktion auf dem Schwandorfer Marktplatz hat die Selbsthilfegruppe für Betroffene von Post-Covid, Post-Vac und ME/CFS auf die Situation der Erkrankten aufmerksam gemacht. Zugleich forderte sie eine bessere medizinische Versorgung für die Betroffenen.
Post Covid bezeichnet anhaltende Beschwerden, die Wochen oder Monate nach einer Infektion mit dem Coronavirus auftreten können. Betroffene leiden häufig unter starker Müdigkeit, Atemproblemen, Konzentrationsstörungen oder Muskelschmerzen. Diese Symptome können den Alltag und die Leistungsfähigkeit deutlich einschränken.
Lisa Dotzler aus Schwandorf engagiert sich für Menschen mit Post Covid. Nachdem sie selbst an den Folgen einer Corona-Infektion erkrankt war, gründete sie vor rund drei Jahren mit Hilfe von SPD-Stadträtin Karin Frankerl die Selbsthilfegruppe „Weggefährten Schwandorf“. Die Gruppe bietet Betroffenen einen Ort zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung. Am Sonntag trat sie in der Schwandorfer Innenstadt mit einer Aktion zum „Long Covid Awareness Day“ an die Öffentlichkeit.
Auf dem Unteren Marktplatz wurden etwa 350 Porträts von Menschen aufgehängt, die an Long Covid erkrankt sind. „Heute sind wir hier, um sichtbar zu machen, was lange unsichtbar war. Wir sind hier, um zu sagen: Wir geben nicht auf. Wir warten nicht länger – für die Betroffenen, die Familien und für alle, die in diesem System keine Hilfe finden“, sagte Dotzler bei der Begrüßung.
Sechs Jahre nach Corona noch immer keine Hilfe
Gekommen waren unter anderem Parlamentarische Staatssekretärin MdB Martina Englhardt-Kopf (CSU), MdB Dr. Carolin Wagner (SPD), MdL Bernhard Seidenath (CSU), MdL Alexander Flierl (CSU), der Laborleiter am Uniklinikum Regensburg, Dr. Martin Gruber, sowie Mitglieder des Schwandorfer Stadtrats.
Sechs Jahre nach Beginn der Pandemie gebe es noch immer keine flächendeckende Hilfe, kritisierte Dotzler. Noch immer würden junge Betroffene auf Reha geschickt – kämen zurück und seien anschließend bettlägerig. Familien würden zerbrechen, Eltern pflegten ihre bis zu 30-jährigen Kinder zu Hause, ohne Unterstützung und ohne Perspektive. „Das darf nicht länger ignoriert werden“, betonte Dotzler. „Wir brauchen endlich Versorgung, strukturelle Unterstützung, Forschung und ganz besonders Anerkennung“, so ihre Forderung. Rund 2,5 Millionen Post-Covid-Betroffene gebe es in Deutschland, dazu kämen etwa 650 000 ME/CFS-Betroffene. Die Zahl der Post-Vac-Erkrankten sei unbekannt.
Stefanie Hofrichter von der Initiative „LiegendDemo“, die in Bayern in fünf Städten vertreten ist, informierte, dass ME/CFS oft im jungen Erwachsenenalter auftrete. Über 75 Prozent der Betroffenen seien Frauen, und die meisten seien an das Haus gebunden oder ans Bett gefesselt. Die Erkrankung äußere sich in verschiedenen Schweregraden – von mild über moderat bis hin zu schwerstbetroffen.
Trotzdem werde die Krankheit von Ärzten und Behörden noch immer ignoriert und häufig psychologisiert. Stigmatisierungen und schädliche Behandlungen seien keine Seltenheit. Für viele bedeute dies einen Ärzte- und Behördenmarathon, so Hofrichter. Diagnosen und Behandlungen würden den gesundheitlichen Zustand teilweise sogar enorm verschlechtern. Darum brauche es „eine Politik, die echte Antworten statt Lippenbekenntnisse liefert“.
Eine Mutter erzählt die Geschichte ihrer Tochter
Katharina Rost erzählte von ihrer 15-jährigen Tochter, die bis Weihnachten 2024 ein ganz normales Mädchen war und das Gymnasium besuchte. Mit einer Corona-Infektion setzte ein steiler gesundheitlicher Absturz ein, und ab März lag ihre Tochter nur noch im Bett. Sie habe schwerstes ME/CFS sowie eine schwere Darmmotilitätsstörung. Sie könne nicht mehr zur Schule gehen, kaum sprechen oder Licht und Geräusche ertragen. Mittlerweile habe sie Pflegegrad fünf und liege seit Herbst 2025 im Krankenhaus. Sie konnte keine Nahrung mehr aufnehmen. Sondennahrung habe sie nicht vertragen, ebenso wenig Ernährung über die Vene. Mittlerweile wiege sie nur noch 25 Kilo.
Martina Englhardt-Kopf dankte dafür, dass in Schwandorf ein sichtbares Zeichen gesetzt werde. Sie wolle ihren Beitrag leisten, sagte sie und erklärte, dass es dringend mehr Forschung sowie mehr wohnortnahe Versorgung brauche. „Es ist wichtig, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen, damit wir eine Ambulanz am Klinikum in Regensburg bekommen“, so Englhardt-Kopf.
MdB Dr. Carolin Wagner erklärte, dass noch mehr Forschung betrieben werden müsse. In den nächsten zehn Jahren sollen 500 Millionen Euro auch für andere postinfektiöse Erkrankungen bereitgestellt werden. MdL Bernhard Seidenath sagte, dass ME/CFS eine Krankheit sei, die so stark einschränke wie kaum eine andere. In Bayern habe es vor zwei Jahren rund 35.000 Betroffene gegeben, inzwischen sei die Zahl auf 100 000 korrigiert worden. Es sei eine Volkskrankheit und treffe gerade die Jüngsten – „die Zukunft unseres Landes“.
Dr. Martin Gruber von der Uniklinik Regensburg erklärte, dass die Forschung noch nicht wisse, warum es den einen früh treffe und den anderen spät. Auch sei unklar, warum viele Kinder betroffen seien. Um das zu erforschen, bedürfe es vor allem finanzieller Mittel. „Wir brauchen Geld“, betonte Gruber. Auch 2. Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU) lobte das Engagement von Lisa Dotzler und bot seine Unterstützung an.