Bad Kötztinger Wertstoffhof fordert Mitnahme von Gegenständen – Landkreis sagt zu, doch es dauert

Im Sommer vergangenen Jahres hatte ein Bürger der Stadt Bad Kötzting angeregt, dass die Mitnahme von Gegenständen vom Wertstoffhof ermöglicht werden soll. Der Landkreis Cham stimmte zu, doch wird die Umsetzung noch einige Zeit dauern.
„Re-Use“ heißt das Zauberwort, also „Wiederverwenden“. Für Manfred Kamp ein großes Anliegen, mit dem „ausrangierten, aber brauchbaren Gegenständen ein zweites Leben geschenkt werden soll“ – und ein Projekt, von dem ihm zugesagt worden sei, dass es an den Wertstoffhöfen des Landkreises eingeführt werden soll, allerdings erst in zwei Jahren.
Wie der Passierschein im „Haus, das Verrückte macht“
Ein Umstand, der Kamp dazu bewegt, sich mit einem Schreiben an unsere Mediengruppe zu wenden. „Re-Use soll nach meinem Anstoß und Gesprächen mit dem Bürgermeister von Bad Kötzting und einem Verantwortlichen der Kreiswerke in Cham für den ganzen Landkreis eingeführt werden“, schreibt Kamp. „Und doch – verschiebt es sich. Nicht um Wochen, nicht um Monate, sondern um ein bis zwei Jahre.“Dabei ginge es ihm doch nur um „Plätze, an denen Dinge, die zu schade zum Wegwerfen sind, wiederverwendet werden sollen“.
Dass ein Re-Use-Projekt in Zeiten von Klimawandel, Rohstoffknappheit und Abhängigkeiten von Regierungen, „die uns zum einen nicht wohlgesonnen sind und uns zum anderen jederzeit mit ihren Monopolstellungen erpressen können, um Jahre verzögert wird, ist sinnbildlich für eine Verwaltung, die sich im ,Passierschein A38‘-Modus wie in ,Asterix erobert Rom‘ – Das Haus, das Verrückte macht“ befinde. Für ihn sei das „eine Odyssee durch die Mühlen des Amtswesens statt ein pragmatischer Schritt zu mehr Nachhaltigkeit.“ Nachhaltigkeit brauche weniger Bürokratie und mehr Mut zur Umsetzung.
Die Grundlagen seien seit Jahrzehnten gesetzlich verankert, würden aber nicht umgesetzt. Er nennt die „Bayerische Klima-Allianz“ aus dem Jahr 2004 oder das Kreislaufwirtschaftsgesetz von 2012: Re-Use falle unter die Kategorie „Vorbereitung zur Wiederverwendung" und werde gesetzlich priorisiert. Öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger seien verpflichtet, Maßnahmen zur Abfallvermeidung und Förderung der Wiederverwendung zu ergreifen, so Kamp.
Warum die Vorbereitungen Zeit brauchen
Fragen, zu denen Fabian Koller, Sprecher des Landratsamtes, Stellung bezieht: Auch die Kreiswerke sähen eine Wiederverwendung „grundsätzlich als ökologisch sinnvoll und passend zu den Zielen einer modernen Kreislaufwirtschaft“ an. Deshalb berücksichtigten die Kreiswerke das Thema in den Planungen zur Weiterentwicklung der Wertstoffhöfe. „Aktuell ist dies aber nicht möglich. Dies wurde Herrn Kampf auch mitgeteilt.“ Im Gespräch im Spätherbst 2025 hätten die Kreiswerke als realistischen zeitlichen Rahmen zur Vorbereitung einer möglichen Einführung eine grobe Einschätzung von einem bis zu zwei Jahren genannt. „Diese Zeit ist notwendig, will man ein solches Angebot rechtssicher, organisatorisch belastbar und dauerhaft tragfähig anbieten“, so Koller in seiner Stellungnahme.
Zu diesen notwendigen Rahmenbedingungen zählten insbesondere klare Haftungs- und Eigentumsregelungen, ausreichend Platz- und Verkehrsflächen, eine angepasste Personalorganisation sowie die derzeit laufenden umfangreichen Änderungen durch erweiterte Hersteller-Rücknahmeverpflichtungen, insbesondere im Bereich Elektroaltgeräte. „Diese Faktoren müssen sorgfältig berücksichtigt werden, um ein Angebot für wiederverwendbare Produkte zuverlässig und kostenneutral für die Bürger betreiben zu können.“
Den Kreiswerken sei wichtig, „keine kurzfristigen Symbolmaßnahmen umzusetzen, sondern ein Angebot zu schaffen, das langfristig funktioniert und von den Menschen im Landkreis gut angenommen wird“, ohne das Hauptziel der Wertstoffhöfe zu beeinträchtigen.