Chamer Stadtrat genehmigt Höhe des Grüneißl-Neubaus: Fünf Stöcke und ein Parksystem

Bei solch einem Projekt wie dem Grüneißl-Areal wegen 50 Zentimetern hin oder her zu schachern „wäre infam“, tat Stadtbaumeister Volker Skibba bei der zweiten Stadtrats-Sitzung dieses Jahres seine Meinung kund. Bauherr Josef Rädlinger und sein Hausarchitekt und Geschäftsführer der Rädlinger Planungsgesellschaft, Franz Meindl, stellten dort am Donnerstag ihre vorläufigen Planungen für das Überbauen des markanten Leerstands vor, der sich vom Floßhafen über die Schmidtstraße bis hinauf in die Fuhrmannstraße zieht. Der Knackpunkt: die Höhe des Neubaus.
Um von Anfang an mehr Planungssicherheit zu haben, waren Rädlinger und Meindl mit ihrer Bauvoranfrage an die Stadt herangetreten, was nicht nur Bürgermeister Martin Stoiber wohlwollend zur Kenntnis nahm. „Wir wollen etwas entwickeln, was der Stadt guttut und sie weiterbringt“, warb Rädlinger selbst für sein Projekt. 2022 hat er den bis zu 140 Jahre alten Gebäudekomplex übernommen, nun wollte er noch vor der konkreten Planung wissen: „Wo geht die Reise hin?“
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Innenstadt Cham entwickelt sich zur Wohnstadt
Meindl legte dar, dass sich die Zeiten geändert hätten. Nicht nur in Cham wandere das Gewerbe aus der Innenstadt ab. In den Innenstädten entstehe ein neuer Schwerpunkt: Wohnen. Im Neubau wolle Rädlinger auch wieder Dienstleistungen und Gewerbe unterbringen. „Dafür brauchen wir Höhe“, sagte er, und fügte angesichts des markanten alten Grüneißl-Gebäudes an: „Es sollte hier wieder ein dominantes Gebäude entstehen, der Platz am Rande der Stadt verträgt das.“ Vorgaben aus früherer Zeit müsse man anpassen. „Wir haben heute schon allein ganz andere statische und Brandschutzanforderungen.“

Die knapp 2000 Quadratmeter Grundfläche möchte Rädlinger bestmöglich nutzen. Auf fünf Stockwerken soll Platz für Gewerbe- und Büroflächen, für Parkplätze und Wohnen geschaffen werden – wobei das Wohnen den größten Teil einnehmen soll. Knapp 10 000 Quadratmeter Fläche sollen am Ende verplant werden. Die Details werden nach dem städtischen Vorbescheid erst erarbeitet – soviel steht aber schon fest: Rund 85 Stellplätze sollen über ein automatisches Parksystem bestmöglich ausgelastet, notwendige fehlende Parkplätze bei der Stadt abgelöst werden. „Sonst brauchen wir allein eineinhalb Stockwerke fürs Parken“, machte Meindl deutlich.
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Als Referenzgebäude zog der Architekt die Gebäude Brunnenhof und Spitalhof heran, eines davon sogar höher als der geplante Neubau. Bei einem positiven Bescheid sicherte Rädlinger einen zeitnahen Planungs- und Baubeginn zu.
Platz für weitere Nahversorger
Das und die Hoffnung auf eine positive Signalwirkung auch für andere Investoren überzeugte das Gremium nach nur kurzer Diskussion. Stoiber hofft auf weitere Nahversorger in der Innenstadt, „eine Drogerie beispielsweise wäre denkbar und gut“, sagte er. Sein Stadtbaumeister, ebenfalls Architekt, erklärte den Stadträten, das die angegebenen Höhen des neuen Gebäudes „teilweise schon durch dir Topographie vorgegeben“ seien; allein der Unterschied Floßhafen-Fuhrmannstraße rechtfertige ein weiteres fünftes Geschoss, die technischen Gebäudeanforderungen gäben die Geschosshöhen vor. „Für mich ist das eine Initialzündung der Stadt Cham hin zur Wohnstadt und ein wichtiger Schritt, dem Marktplatz wieder mehr Leben einzuhauchen.“
Am Ende zeigten sich die Stadträte parteiübergreifend begeistert. „Man muss heutzutage einfach manche Gebäudlichkeiten neu denken“, sagte Andreas Geiling (FW), während Oliver Schulz (SPD) einräumte: „Man muss auch Zugeständnisse machen, sonst zerfällt alles.“ Zweiter Bürgermeister Walter Dendorfer (CSU) ging mit dem Bürgermeister konform: „Der Weg geht einfach hin zur Wohnstadt.“ Lediglich ÖDP-Stadtrat Florian Gruber äußerte seine Bedenken gegen die Maximalhöhe des künftigen Gebäudekomplexes: „Das spiegelt nicht die Identität der Stadt Cham wider.“ Mit dem Hinweis darauf, dass man noch über die Anzahl der abzulösenden Parkplätze sprechen müsse – „die sind auch für die Stadt wichtig“ –, leitete Stoiber zur Abstimmung über.
Mit einer Gegenstimme genehmigte der Stadtrat den Vorbescheid. Stoiber wollte dennoch keinen Präzedenzfall geschaffen haben: „Hier haben wir genau hingeschaut, und die Gebäudehöhe passt. Andere Projekte werden bestimmt anders beurteilt und bewertet werden.“