Interview mit Katy Karrenbauer: Wenn aus guten Menschen Monster werden

Von Alexander Frimberger · 14. März 2026 um 05:00

Das Theaterstück Misery ist einer der kulturellen Höhepunkte 2026 in der Parkarena Furth im Wald (Landkreis Cham). Im Interview erzählt die wandelbare Katy Karrenbauer, die die Hauptdarstellerin Annie spielt, wie die Zusammenarbeit mit Regisseur Alexander Etzel-Ragusa zustande gekommen ist.

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„Misery“ ist einer der kulturellen Höhepunkte 2026 in der Parkarena. Regisseur Alexander-Etzel Ragusa hat das Stück mit Katy Karrenbauer und dem Further Christian Erdt (unter anderem Polizeiruf 110, Bergretter, Tatort) prominent besetzt. Im Interview erzählt die wandelbare Karrenbauer, wie die Zusammenarbeit mit Etzel-Ragusa zustande gekommen ist, und lässt einen erfrischenden Humor durchblitzen.

Mit wilden Tieren haben Sie seit dem Dschungelcamp Erfahrung. Haben Sie schon unseren Further Drachen Fanny kennengelernt?

Na, so wild waren die Tierchen damals im Dschungel nicht, eher die Menschen, haha. Aber nein, leider habe ich den Drachen Fanny noch nicht kennengelernt. Ich bin aber sicher, ich würde ihn mögen, und was nicht ist, kann ja noch werden.

Schon mehrfach mit Regisseur gearbeitet

Wie kam die Zusammenarbeit mit Regisseur Alexander Etzel-Ragusa zustande?

Als er mich fragte, ob ich Misery in Furth im Wald spielen wolle, habe ich mich sehr geehrt gefühlt, aber dennoch zunächst gezögert. Weit weg von Berlin und schlecht zu erreichen, noch weiter weg von meinem alten Mütterchen, das ich oft besuche.

Aber ich habe mit dem Regisseur Alexander Etzel-Ragusa schon einige wundervolle Arbeiten auf die Bühne gebracht und schätze ihn sehr. Er liebt das Theater, macht sich viele Gedanken und versucht, den Figuren durch uns Spieler hindurch alles abzugewinnen, manchmal auch mit ungewöhnlichen Ideen. Die Zusammenarbeit mit ihm war und ist immer spannend und auf höchstem Niveau.

Warum waren Sie sofort Feuer und Flamme für die Zusammenarbeit?

Für die Zusammenarbeit mit Alexander bin ich immer sofort Feuer und Flamme, weil seine Regie sehr außergewöhnlich ist. Wir schätzen uns sehr und wissen, was wir voneinander zu erwarten haben, was wir bekommen und vor allem, wie wir gemeinsam ans Ziel kommen.

Was macht das Stück für Sie besonders?

Die Psyche des Charakters Annie ist schon sehr besonders. Ich selbst habe zum Beispiel eine Stalkerin gehabt, aber meine Geschichte ging gut aus, auch wenn ich mich lange beobachtet, teils bedroht und unwohl gefühlt habe. Und natürlich haben wir schon Fälle im wahren Leben erlebt, wie zum Beispiel den von Frau Kampusch, die von einem Mann jahrelang festgehalten und gedemütigt wurde. Wie kann solch ein Mensch, also der Täter, morgens in den Spiegel schauen und was sieht er? Woran glaubt er? Eltern, die ihre Kinder verhungern lassen, mitten in unserer Gesellschaft. Wie geht das? Frauen, aber auch Männer, die unterjocht werden, gequält und gedemütigt oder gar getötet werden. Wie wird zum Beispiel aus einem für andere freundlichen Menschen ein Monster? Diese Fragen beschäftigen mich, wenn ich die Figur Annie betrachte.

Wenn man auf Ihre Vita schaut, haben Sie eine unglaubliche schauspielerische Palette. Wie würden Sie die Rolle beschreiben und was ist die besondere Herausforderung?

Ja, das stimmt, aber ich bin ja auch schon 63 Jahre alt und früh ans Theater gegangen. In 45 Berufsjahren kann eine sehr bunte Vita entstehen, wie man sieht. Die Rolle selbst ist insofern eine Herausforderung, da ich selbst zwar Zorn und auch Jähzorn kennengelernt habe und dies auch schon unterschiedlichen Charakteren eingehaucht habe, aber die meisten Figuren, die ich spielte, erhielten die Berechtigung ihres Handelns nicht „angeblich“ durch Gott und durch die Suche nach dem Guten im Menschen, indem sie etwas Schlechtes tun.

Das Original war für mich sehr verstörend und ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Geht es Ihnen mit diesem Stück auch so?

Ja, absolut. Daher habe ich mir den Film auch nicht noch einmal angesehen.

Ohne zu viel von der Story zu verraten: Werden auch Beine zertrümmert?

Ich glaube, mein lieber Kollege Christian möchte seine Beine gern noch behalten, darum gibt es hier ein klares: Nein! Oder doch? Hm, lassen Sie sich überraschen...

Empathie und die Würde des Menschen achten

Bringen Sie Menschen auf der Bühne oder im Film lieber zum Lachen oder Weinen?

Beides hat seinen Charme und jegliches Gefühl, das man in Menschen erzeugen kann, die einem zuschauen, ist wundervoll. Theater ist halt live, es gibt immer nur: Hier und Jetzt – und der Applaus verrät dir, ob du deine Sache gut gemacht hast.

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Eine persönliche Frage zum Schluss: Ihr soziales Engagement ist beeindruckend, warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?

Wenn jeder Mensch der Gesellschaft mit Empathie und Nächstenliebe begegnet und sogar etwas zurückgibt, dann finde ich, ist schon viel gewonnen. Ich habe halt schon sehr früh für mich entschieden, dass ich „hinsehe“ anstatt wegzusehen. Man kann natürlich an Obdachlosen vorbeilaufen und sie nicht sehen. Das geht. Sobald man aber hinsieht, muss man sich die Frage stellen, wie die Menschen auf die Straße gekommen sind, warum sie dort sind und ob man nicht vielleicht helfen kann, etwas an und in ihrem zu Leben verbessern.

Katy Karrenbauer ist als Schauspielerin sehr wandelbar. - Foto: Agentur timegate

Manchmal ist es nur ein freundliches Wort. Und seien wir ehrlich, kann ein schwerer Schicksalsschlag nicht fast jeden von uns in eine solche Situation bringen? Annie sagt in Misery: „Gott irrt sich nie!“ Aber die Frage darf erlaubt sein: „Wirklich nicht?“

Wissenswertes zu „Misery“

■ Termin: Premiere für Misery ist am 10. Juni um 19.30 Uhr. Weitere Termine: Donnerstag, 11. Juni, und Freitag, 19. Juni, jeweils um 19.30 Uhr, Samstag, 20. Juni, 19 Uhr

■ Tickets: Der Eintritt beträgt für die Aufführungen unter der Woche 39 Euro, am Samstag 44 Euro. Karten und Infos gibt es online unter www.misery.icu.

■ Inhalt: Paul Sheldon ist der höchst erfolgreiche Autor der Romanserie Misery. Nach der Fertigstellung seines aktuellen Manuskripts verunglückt er mit dem Auto in den Bergen von Colorado. Gefunden, gerettet und zu ihr nach Hause gebracht wird er von Annie Wilkes. Sie ist einer der größten Fans der Romanserie und ganz und gar nicht mit dem Manuskript einverstanden. Anfangs lediglich etwas seltsam, treten immer mehr dunkle Seiten zutage. Mit Gewalt will sie Sheldon dazu bringen, das Manuskript völlig neu und in ihrem Sinn zu verfassen. Ein tödliches Katz- und Mausspiel beginnt.