Tag 2 im Wolbergs-Prozess: Heute hat erstmals der Richter Fragen an Regensburgs Ex-OB

Nach einem Eröffnungstag mit ausführlichen Statements vom Angeklagten und seinem Verteidiger geht der dritte Wolbergs-Prozess am Freitag richtig los. Das ist zu erwarten.
An diesem Freitag wird vor dem Landgericht München I der Prozess gegen den früheren Regensburger Oberbürgermeister Joachom Wolbergs fortgesetzt. Der 55-Jährige muss sich wegen des Vorwurfs der Vorteilsannahme und Verstoßes gegen das Parteispendengesetz verantworten. Es handelt sich in großen Teilen um die Wiederaufnahme des Verfahrens, das bereits von September 2017 bis Sommer 2018 vor dem Landgericht Regensburg verhandelt worden war und mit milden Urteilen für Wolbergs geendet hatte.
Der Auftakt am Mittwoch war geprägt von ausführlichen Einlassungen des Angeklagten und seines Verteidigers Peter Witting. Letztgenannter betonte in einem einstündigen Vortrag, dass sein Mandant nichts mehr zu verlieren habe – weil er in den bald zehn Jahren seit Beginn der Ermittlungen bereits alles verloren habe. Er befinde sich in einem Albtraum an, in dem er weder gesehen und gehört werde. Er appellierte deshalb an das Gericht, sich Wolbergs' Version der Geschichte genau anzuhören und nach Möglichkeit zu versuchen, sich in seine Lage zu versetzen.
Das frühere Stadtoberhaupt nutzte sein Eröffnungsstatement gleich zu einer zweistündigen Rede. Er wiederholte dabei mehrmals die zentrale Botschaft, niemals käuflich gewesen zu sein. „Ich kann nicht etwas zugeben, was ich nicht getan habe“, sagte er. Die Grundstücksvergabe der ehemaligen Nibelungenkaserne, auf der der Vorwurf der Vorteilsannahme im Wesentlichen beruht, sei ein durch und durch transparentes Verfahren gewesen, „mit nullkommanull Einflussnahme“ seinerseits.
Nach Wolbergs' ausführlichem Vortrag wollte der Vorsitzende Richter Stephan Necknig wissen, ob der Angeklagte auch im weiteren Prozessverlauf Fragen beantworten wolle. „Natürlich“, antwortete der frisch wiedergewählte Regensburger Stadtrat. Erwiderung des Richters: „Wir hätten einige.“ Ab diesem Freitag werden sie gestellt.