Alle Sinne auf Empfang in Regensburg: Festival Re.Light startet

Von Marianne Sperb · 10. März 2026 um 16:42

An Re.Light kommt in Regensburg gerade niemand vorbei. An gefühlt jeder zweiten Ecke stehen große Aufbauten mit lila Schriftzug, die auf das Lichtkunst-Festival hinweisen, das am 12. März startet. Vorfreude und knisternde Spannung liegen in der frühlingsmilden Luft. Die Programmhefte kann das Team des Kulturreferats gar nicht so schnell nachfüllen, wie Passanten sie aus den Schubern herauszupfen, und an 15 Orten sind gerade Installationen im Aufbau.

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Auf der Wiese am Andreas-stadel etwa, direkt am Donauarm. Bei einer Stippvisite Anfang der Woche bietet sich ein unspektakuläres Bild: Yasuhiro Chida justiert Lichtwürfel nach. Auf zwölf mal 20 Metern hat er das Terrain für „Aftereal“ abgesteckt und hunderte fluoreszierende, elastische Drähte in Kniehöhe über den Boden gespannt. Kleine Motoren werden sie in Schwingung versetzen und wenn bläuliches UV-Licht über sie streicht, wird es sein, als fülle sich der Raum mit bewegten Wellen – eine Installation, die die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Realität auflöst, verschwimmen lässt.

Katja Heitmann, Choreografin und Medienkünstlerin, sammelt in ihrem Archiv menschliche Bewegungen. - Foto: Hanneke Wetzer

Flüchtige Bilder entstehen, ähnlich wie kurzlebige Lichtspuren von Wunderkerzen in der Luft, die im Gehirn haften bleiben, nachreal, „aftereal“ sozusagen. Die Wirklichkeit – eine Illusion. Der Künstler hat keine Botschaft, keine Mission. Es geht ihm um das gemeinsame Erleben, darum, wie die Augen und die Sinne die Welt wahrnehmen und ihre eigenen Bilder konstruieren.

Zigtausende Löcher für Licht in Stahlplatten gebohrt

Yasuhiro Chida, 1977 in Kanagawa/Japan geboren, arbeitet seit zehn Jahren viel in Europa und ist ein großer Name in der Lichtkunst-Szene, weltweit ausgestellt, gesammelt, preisgekrönt. Inspiration schöpft er bei Höhlen- und Eiswanderungen – für „Analemma“ etwa, eine Art 3D-Spinnennetz aus Licht, oder für die Installation „Brocken“, für die er an die 50 000 Löcher für Lichtstrahlen in Stahlplatten bohrte. Seine Werke entstehen an der Schnittstelle von Philosophie, Wissenschaft, Technik und Kunst; er selbst sagt im im provisierten Gespräch über sich schlicht: „Ich bin Handwerker.“ Tatsächlich ist es verblüffend, zu beobachten, mit welcher maximalen Präzision er auf der Wiese vor dem Stadel seine Apparaturen ausrichtet.

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Anderer Schauplatz, anderer Ansatz: Katja Heitmann, die zweite Station für einen Kurzbesuch vor dem Start des Festivals, setzt mit ihrem Team eine Batterie von Beamern an die Ränder der Obermünsterstraße und macht die Mitte der Kopfsteinpflaster-Trasse zur Bühne für unterschiedlichste Menschen und ihre Bewegungen, Gesten, Haltungen.

Ein Archiv der menschlichen Bewegungen

Heitmann, Jahrgang 1997, stammt aus Hamburg, lebt in Tilburg und kommt vom Tanz. Sie sammelt seit 2019 menschliche Bewegungen. Mehr als 2000 dieser Bewegungsporträts hütet ihr Archiv Motus Mori mittlerweile – ein poetisches Gedächtnis und der Ausgangspunkt für ihre Arbeit „Perpetuum“, die sie nun in Regensburg zeigt.

Eine Szene aus „Perpetuum“: Die Installation ist bei Re.Light in Regensburg in der Obermünsterstraße zu sehen. - Foto: Sander van der Schaaf

Für Re.Light hat die Choreografin und Medienkünstlerin ihr Archiv angereichert: Dutzende Freiwillige aus Regensburg stellten sich rund 90 Minuten langen Einzel-Interviews, sprachen über ihre typischen Gesten und Haltungen und ließen sich filmen. Lebens- und überlebensgroß werden sie nun, mit anderen Menschen aus dem Motus Mori Archiv, in wechselnden Videos auf Hologramm-Bildschirmen sichtbar und, je näher man ihnen kommt, auch hörbar. Auch die eigenen Bewegungen fließen ein.

Subtile Begegnungen über Zeit und Raum hinweg werden möglich. „Es entsteht eine intime Atmosphäre, in der die Menschen still werden“, sagt Heitmann über die berührende Installation, die ihr 2025 den Künstlerpreis der International Light Festivals Organisation eintrug. Die Jury war beeindruckt: Individuelle Handlungen, so urteilte sie, werden zu kollektiven Erfahrungen.

Info: Re.Light startet am 12. März

Re.Light zeigt von 12. bis 22. März (18.30 bis 22.30 Uhr) ausgesuchte Lichtkunst an 15 Stationen in der Altstadt. Künstler und Kollektive aus Italien, Spanien, Slowenien, Großbritannien, Japan, Niederlande, Ungarn und Deutschland bestücken den Parcours. Der Eintritt ist frei, mit Ausnahme der Shows in Minoritenkirche und Velodrom. Details: www.relight-regensburg.de