Regensburger Traditionslokal: Im La Gondola übernimmt wieder ein Italiener das Ruder

Derzeit sind die Türen des La Gondola im Inneren Westen von Regensburg geschlossen. Doch in wenigen Wochen geht es weiter – wie, das verraten der Hauseigentümer und der neue Pächter.
Das La Gondola im Inneren Westen ist eines der traditionsreichsten italienischen Lokale Regensburgs. Nach zweieinhalb Jahren hat Alfred Glöckl das Ruder dort wieder aus der Hand gegeben. „Wir wollen uns auf die Dult, auf unsere Gastronomie im Donau-Einkaufszentrum und aufs Catering konzentrieren“, erklärt er und blickt nüchtern auf seinen Ausflug in die italienische Küche zurück: „Das war viel Arbeit für wenig Ertrag.“
Hauseigentümer Bert Meyerhofer kann mit dieser Entscheidung leben. „Die Beendigung des Pachtverhältnisses ist einvernehmlich erfolgt, wir gehen im Guten auseinander“, sagt er. Sein Blick richtet sich schon wieder nach vorn, auf Anfang April. Dann wird das La Gondola mit dem Namenszusatz „da Nino“ wieder eröffnen.
Bekannt vom Sterngarten und vom Schopperplatz
Jener Nino ist ein alter Bekannter. Antonio Leonardi betreibt aktuell im früheren Sterngarten an der Ecke Sternberg-/Zollerstraße ein Restaurant, zuvor tat er das bereits im alten Bootshaus am Schopperplatz, jeweils als „da Nino“. Noch früher hat er unter Antonio Puglisi schon neun Jahre lang im La Gondola gearbeitet – der bevorstehende Wechsel vom Inneren Osten in den Inneren Westen ist für ihn also eine Art Heimkehr.
Das war schon immer ein venezianisches Lokal – und das soll es auch wieder werden.Bert Meyerhöfer, Eigentümer
Bevor er dort starten kann, haben die Handwerker das Sagen. Aktuell sind Schreiner dabei, die seit 50 Jahren zum Lokal gehörenden Tische und Bänke aufzumöbeln. „Die haben wir damals in Treviso anfertigen lassen. Man muss sich nur einmal die verspielten Details wie diese angewinkelten Leisten anschauen, so etwas macht heute gar keiner mehr“, schwärmt Meyerhöfer von dem Inventar. Seinen ästhetischen Anspruch bringt der Eigentümer auf diesen Nenner: „Das war schon immer ein venezianisches Lokal – und das soll es auch wieder werden.“
Ein herausragendes Stück Architektur
In der Glöckl-Ära war ihm alles eine Spur zu dunkel und schmucklos, jetzt hängt er seine Marano-Lüster wieder auf und postiert vor dem Wandmosaik neben der Bar statt eines Weinschranks den Brunnen, der schon immer dort stand. „Die Gestaltung wird wieder viel heller sein, wodurch das Lokal insgesamt größer wirkt“, führt Meyerhöfer bei einem Rundgang durch die Baustelle aus. Leonardi und seine Frau sind schon jetzt angetan: „Madonna!“ und „Bellissimo!“ lauten ihre Kommentare bei einem Treffen am Dienstag.
Seit 1976 ist das La Gondola eine gastronomische Institution in Regensburg, ein Unikat in Sachen Gestaltung und Nutzung war das Haus schon immer. Das 1955 vom Architekten Jakob I. Oberberger im Auftrag von Meyerhöfers Eltern errichtete Gebäude gilt als Musterbeispiel der Nachkriegsmoderne. Unter dem Namen „Westmarkt“ wurde hier der erste SB-Lebensmittelladen der Stadt betrieben. „Das war eine Revolution damals“, sagt Meyerhofer. Für noch mehr Aufsehen sorgte das ausladende Flugdach, das zunächst nicht genehmigt wurde. „Doch weil der Chef des Bauordnungsamts in der entscheidenden Stadtratssitzung fehlte, ging es doch durch“, lacht der Eigentümer.
Das Gründerzeithaus im Inneren Osten, wo Leonardi Ende März das Feld räumt, ist ebenfalls ein architektonisches Schmuckstück. Was dort passiert, ist ungewiss: „Ich hätte schon ein paar Nachpächter an der Hand“, sagt der Gastronom. „Aber das Haus soll verkauft werden, deshalb gibt es noch keine Entscheidung.“