Stadtratswahl in Schwandorf: Herbe Verluste für CSU – Erfolge für AfD und Fellers BLS

Von Philipp Breu · 9. März 2026 um 19:00

Die Wahlhelfer der Stadt Schwandorf haben ganze Arbeit geleistet. Am Montag gegen 2.15 Uhr standen auch die vorläufigen Ergebnisse der Stadtratswahlen fest. Und die Verteilung der 30 Plätze hat es durchaus in sich – ein Überblick.

CSU: Von zwölf Sitzen bleiben nur noch acht übrig

Die größte Niederlage bei den Stadtratswahlen 2026 musste die CSU einstecken. Zwar bleiben die Christsozialen stärkste Kraft in Schwandorf, büßen aber gehörig Stimmen und auch Sitze im Stadtrat ein. 2020 kam die CSU noch auf 38,5 Prozent und stellte in der laufenden Legislaturperiode zwölf Stadträte.

Bei den Wahlen am Sonntag schrumpften die Prozentpunkte auf 26,4. Das hat zur Folge, dass die CSU nur mehr mit acht Sitzen im künftigen Stadtrat vertreten sein wird. Einen herben Dämpfer gab es beispielsweise für den CSU-Stadtverbandsvorsitzenden Christoph Götz. Er war auf der Liste der Christsozialen auf Platz drei gesetzt, wurde von den Wählern aber auf Platz 17 durchgereicht.

Auch in Sachen Oberbürgermeisterwahl muss die CSU zittern. Sollte ihr Kandidat Andreas Wopperer in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Andreas Feller (BLS) den Kürzeren ziehen, stellen die Christsozialen nach zwölf Jahren auch den Chef im Rathaus nicht mehr. Sollte Wopperer OB werden, würde bei der CSU Sonja Dietl als Stadträtin nachrücken.

„Das Ergebnis ist so, wie es die Wähler gewollt haben“, kommentierte Wopperer auf Nachfrage der MZ. Man hätte sich natürlich ein besseres Abschneiden erhofft und werde sich nun intern zusammensetzen, um das Wahlergebnis zu analysieren. Das Erstarken der AfD sei indes „nichts, was man sich kommunalpolitisch wünschen würde“, so Wopperer.

AfD wird zweitstärkste Kraft und stellt fünf Räte

Grund zur Freude gibt es bei der Schwandorfer AfD. Die Alternative konnte ihr prozentuales Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2020 verdoppeln, und auch bei den Stadtratssitzen gibt es Zuwachs.

Vor sechs Jahren kam die AfD in Schwandorf noch auf 8,8 Prozent und holte drei Stadtratsmandate. Diesmal stimmten 17,8 Prozent der Wähler für die Alternative, die in Schwandorf damit nun zweitstärkste Kraft ist. Aus drei Sitzen werden in der kommenden Legislaturperiode fünf.

„Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden“, sagte Listenführer Roland Kraus. Man hätte zwar gehofft, die Sitze im Stadtrat verdoppeln zu können. „Aber immerhin haben wir jetzt zwei mehr drin.“ Enttäuscht zeigte sich Kraus dagegen vom Briefwahlergebnis. Nach Auszählung der Urnenwahl lag die AfD mit 32 Prozent noch an der Spitze. Dementsprechend euphorisch sei die Stimmung gewesen, berichtete der AfD-Mann. Doch nach Auszählung der Briefwahl kehrte Ernüchterung ein. Denn da holte die AfD nur 11,5 Prozent und baute in Bezug auf den Gesamtstimmenanteil deutlich ab.

BLS holt auf Anhieb vier Sitze im Stadtrat

Auch für die Bürgerliste Schwandorf (BLS) dürfte die Stadtratswahl 2026 mehr als zufriedenstellend verlaufen sein. Die BLS wurde erst Ende vergangenen Jahres ins Leben gerufen. Prominentester Vertreter ist Schwandorfs amtierender Oberbürgermeister Andreas Feller. Der ging für die Bürgerliste als Listenführer und OB-Kandidat ins Rennen.

Feller war es auch, der für seine BLS die mit Abstand meisten Stimmen holte (11 706). Zum Vergleich: Der Zweitplatzierte der Bürgerliste, Peter Wilhelm, kam auf 5966 Stimmen.

60,4 Prozent der wahlberechtigten Schwandorfer haben am Sonntag diesen Stimmzettel ausgefüllt und damit ein neues Stadtratsgremium gewählt. - Foto: Philipp Breu

Insgesamt entfielen auf die BLS am Wahlsonntag 13,1 Prozent. Das macht vier Sitze im künftigen Stadtrat. Feller verbucht das Ergebnis in einer ersten Reaktion „als vollen Erfolg“ und auch als „Bestätigung meiner Arbeit“. Das Abschneiden der anderen Parteien wollte er nicht kommentieren.

Fest stehen dürfte aber, dass Feller vor allem seiner früheren politischen Heimat, der CSU, einige Stimmen abgetrotzt und somit maßgeblichen Anteil am enttäuschenden Ergebnis der Christsozialen hatte. Sollte Feller am 22. März die Stichwahl für sich entscheiden, würde Peter Hien in den Stadtrat nachrücken.

Auch die SPD verliert in Schwandorf an Boden

Bei der Schwandorfer SPD herrscht Ernüchterung. Die Sozialdemokraten büßen im Vergleich zur Stadtratswahl 2020 ganze 5,6 Prozentpunkte ein. Vor sechs Jahren war die SPD mit 20,8 Prozent noch die zweitstärkste Kraft in Schwandorf geworden und stellte fortan sieben Stadträte. Nun reichte es nur noch für 15,2 Prozent. Die Stadtratssitze schrumpfen von sieben auf fünf.

Bemerkenswert ist hier das Ausscheiden von Manfred Schüller. Der war in der aktuellen Legislaturperiode immerhin Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses.

Listenführer Andreas Weinmann bedauert das Abschneiden seiner Fraktion. „Gerade bin ich noch ratlos“, sagte er in einer ersten Reaktion. Man müsse sich nun intern zusammensetzen und versuchen, Erklärungen zu finden.

Weinmann ist sich bewusst, dass die SPD auch bundesweit an Boden verloren hat. Bei der Bundestagswahl 2025 reichte es bei den Zweitstimmen nur für 16,4 Prozent. Das waren 9,3 Prozent weniger als noch 2021. „Wir konnten dem Bundestrend in Schwandorf nichts entgegensetzen“, konstatierte Weinmann.

Bei den Unabhängigen Wählern bleibt alles beim Alten

Eine Kopie des Wahlergebnisses vor sechs Jahren gab es bei den Unabhängigen Wählern (UW). Die kamen 2020 auf 10,2 Prozent und bei der Wahl am Sonntag auf 10,3 Prozent.

Auch in der nächsten Legislaturperiode stellen die Unabhängigen Wähler wieder drei Stadträte. Und auch deren Namen lauten so wie im aktuellen Stadtrat: Kurt Mieschala, Jochen Glamsch und Peter von der Sitt.

Zwei Sitze und ein neues Gesicht bei den FW

Auch bei den Freien Wählern hat sich im Vergleich zur Kommunalwahl 2020 nicht viel getan. Auf die FW entfielen diesmal 6,3 Prozent der Stimmen. Das bedeutet einen Zuwachs von 0,7 Prozent. Damit stellen die Freien Wähler wieder zwei Stadträte: Urgestein Dieter Jäger und Florian Spiegler.

Letzterer hat es zum ersten Mal in den Stadtrat geschafft und mit Karl Heinz Saur einen prominenten Namen abgelöst.

Die Grünen verlieren einen Sitz

Verluste müssen auch die Schwandorfer Grünen beklagen. Sie kamen bei der Wahl am Sonntag gerade einmal auf 4,1 Prozent. Das sind 3,4 Prozent weniger im Vergleich zur Kommunalwahl 2020. Die Grünen büßen damit auch einen Sitz im Stadtrat ein. Nur Paul Groß hat erneut den Sprung ins Gremium geschafft.

Auffallend ist hier das Ausscheiden von Marion Juniec-Möller. Sie war in der laufenden Legislaturperiode 3. Bürgermeisterin in Schwandorf.

ÖDP stellt wieder einen Stadtrat

Die ÖDP kommt bei der Stadtratswahl in Schwandorf diesmal auf vier Prozent. Das sind 0,8 Prozent weniger als 2020. Listenführer Alfred Damm ist damit wieder als einziger Kandidat im künftigen Stadtrat vertreten.

In Sachen Fraktionsstatus dürfte es damit aber eine Änderung geben. Denn ein Zusammenschluss mit den Grünen, so wie es im aktuellen Rat der Fall ist, bringt nun nicht mehr die bislang erforderliche Anzahl von drei Stadträten.

Die Linke ist erstmals im Stadtrat vertreten

Eine Premiere gibt es bei den Linken. Die Partei kam bei der Stadtratswahl 2026 auf 2,3 Prozent und stellt damit in Schwandorf erstmals einen Stadtrat. Listenführer und OB-Kandidat Tobias Mainka hat es geschafft.

Übersicht: Diese Kandidaten wurden in den Stadtrat gewählt

CSU: Martina Englhardt-Kopf (9512 Stimmen), Andreas Wopperer (6414), Christian Eimer (6351), Robert Koller (4169), Stephan Mändl (3954), Wolfgang Schuster (3804), Timo Wellnhofer (3561), Hans Sieß (3528)

AfD: Reinhard Mixl (7349), Roland Kraus (7305), Thomas Borcuch (7113) , Carmen Müller (6794), Werner Reimer (6564),

SPD: Karin Frankerl (4916), Ulrike Roidl (4209), Andreas Weinmann (4196), Matthias Kuhn (3985), Franz Schindler (3387)

BLS: Andreas Feller (11 706), Peter Wilhelm (5966), Alexander Schuster (4578), Thomas Steinbacher (4478)

UW: Kurt Mieschala (6512), Jochen Glamsch (3941), Peter von der Sitt (2700)

FW: Dieter Jäger (4046), Florian Spiegler (1821)

Grüne: Paul Groß (1370)

ÖDP: Alfred Damm (2785)

Linke: Tobias Mainka (1212)