Schwarz-rotes Duell um das Oberbürgermeister-Amt in Regensburg

Astrid Freudenstein (CSU) geht mit 37,5 Prozent der Stimmen in ihre zweite Stichwahl im Kampf um das Oberbürgermeisteramt. Gegen sie tritt diesmal Thomas Burger von der SPD an, er bekam am Sonntag 19,1 Prozent der Stimmen – und damit nur 0,2 Prozent mehr als Helene Sigloch (Grüne). Die Wahlbeteiligung lag mit einem Wert zwischen 57 und 58 Prozent über dem Wert von 2020, damals waren es 52,7 Prozent. Wegen der hohen Zahl von zwölf OB-Kandidaten in der ersten Runde zeigten sich Vertreter der SPD auch zuversichtlich, das Wahlergebnis noch zu ihren Gunsten drehen zu können.
Astrid Freudenstein (52) betrat den Saal im Marinaforum, wo die städtische Wahlparty stattfand, mit den Worten: „Ich bin total erleichtert und glücklich.“ Bei zwölf Kandidaten seien 37,5 Prozent „ein gutes Ergebnis“. Mit Blick auf die Stichwahl sagte sie: „Wir kämpfen um jede Stimme. Wir wollen jetzt natürlich die Bürgerinnen und Bürger auch überzeugen, dass sie uns ihr Vertrauen geben, weil es auch wirklich um viel geht“, sagte sie, und zählte „Wohnen, Wirtschaft und Verwaltungskompetenz“ als Kernthemen auf.
Thomas Burger (55) kam erst ins Marinaforum, nachdem er als zweiter Stichwahl-Kandidat feststand – also nach der Auszählung aller Wahlbezirke. Denn Burger hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Helene Sigloch (42) geliefert, zwischenzeitlich lag auch die Grüne leicht vorn. Burger sagte: „Es war ein richtiger Krimi. Aber es fühlt sich wirklich herrlich an.“ Trotz des großen Vorsprungs seiner CSU-Konkurrentin sagte er: „Ich glaube, das kann man auf alle Fälle drehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Menschen zusammenfinden, die eine progressive Politik wollen.“
Auch die amtierende Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) äußerte sich optimistisch über das Duell in zwei Wochen. Die Frage, ob Burger dieses für sich entscheiden könne, beantwortete sie so: „Ich glaube schon, weil jetzt sind es ja nicht mehr zwölf Kandidaten, sondern nur noch zwei.“
Die Stadt Regensburg wird seit zwölf Jahren rot regiert
Seit zwölf Jahren wird Regensburg rot regiert. Allerdings war Maltz-Schwarzfischer eine Stadtchefin ohne Hausmacht. Nur sechs von 50 Stadträten stellte ihre SPD in den vergangenen sechs Jahren. 2024 zerbrach dann nach dem Stadtbahn-Aus auch noch das Bündnis mit CSU, FW, FDP und dem Christlich-Sozialen Bürger Christian Janele, das die OB stützte. Die 65-Jährige trat aus persönlichen Gründen nicht mehr an. „Ab dem kommenden Jahr ist Zeit für meine Familie“, so begründete sie im Frühjahr 2025 ihren Rückzug.
Sie hatte in der Stichwahl 2020 nur 946 Stimmen mehr bekommen als Freudenstein, was 1,4 Prozent entsprach. Auch 2020 war es die gebürtige Niederbayerin und gelernte Journalistin Freudenstein, die in der ersten Runde die meisten Stimmen bekam: 29,5 Prozent waren es damals. Maltz-Schwarzfischer ging damals mit 22,2 Prozent in die Stichwahl. Diesmal allerdings kandidierte Freudenstein als amtierende zweite Bürgermeisterin, als Sozial-Bürgermeisterin, – so wie Maltz-Schwarzfischer 2020. Freudenstein hat als ehemalige Bundestagsabgeordnete und Ministerialdirektorin im Verkehrsministerium auch Politik- und Verwaltungserfahrung auf höherer Ebene. Sie habe als einzige Kandidatin „die nötige Erfahrung“, um eine 4300-Personen-Verwaltung zu führen, sagte Freudenstein im Wahlkampf stets.
Burger musste sich zuerst parteiintern durchsetzen
Auch ihr Konkurrent Burger stellte seine Qualitäten als Führungskraft in den Fokus seines Wahlkampfes. Der gebürtige Regensburger ist als Manager im Bereich Elektromobilität bei der Schaeffler AG tätig. „Mehr Projektmanagement“ brauche es in der Stadtverwaltung, hieß es von ihm schon bislang, auch wenn er in den vergangenen sechs Jahren als SPD-Fraktionschef das Bindeglied zwischen OB und Fraktion war. Im Stadtrat sitzt er bereits seit 2002. Auf diese Erfahrung in der Kommunalpolitik verwies er auch bei der Kampfabstimmung über die OB-Kandidatur für die SPD: Da setzte sich Burger gegen den von der Parteispitze designierten Thomas Rudner, einen ehemaligen Europaabgeordneten, durch.