Wächst die Gefahr durch E-Scooter zum Ausleihen auf den Gehwegen in Regensburg?

Von Heike Haala · 9. März 2026 um 11:00

Gleich kracht es wieder. Karl Braun kann die zwölf E-Scooter, die im Bereich der Donaustaufer Straße diagonal auf dem Gehweg stehen, nicht sehen. Er ahnt aber schon, dass sie da sind. Prompt verfängt sich der Langstab des Mannes, der lediglich hell und dunkel sehen kann, in der Vorderachse des ersten Gefährts. Er warnt: „Das ist gefährlich.“ Stürze, blaue Flecken, absolute Orientierungslosigkeit - all das habe er wegen der Roller schon erleiden müssen.

Braun reißt ordentlich an dem Langstab. Endlich löst der sich aus dem Gefährt. Das von der Kälte spröde Plastik scheppert. Einige der Scooter sind so nah am angrenzenden Fahrradweg abgestellt, dass dazwischen kein DIN-A4-Papierbogen mehr auf dem Boden abgelegt werden könnte. Würde Braun auf den Fahrradweg ausweichen, liefe er Gefahr, mit einem Radler zusammenzustoßen. Er wird deutlich: Das betreffe nicht nur ihn, sondern auch Menschen mit Rollatoren, Rollstühlen oder Kinderwagen. „Man kann den Fußweg nicht einfach zum Parkplatz machen“, fordert er. Die Stelle sei kein Einzelfall, sondern symptomatisch für ein Problem, das es in ganz Regensburg gebe und das wachse, sagt er.

Jetzt auch E-Bikes: Zahl der Leihgefährte ist gewachsen

In der Tat wächst die Zahl der Leihfahrzeuge auf Gehwegen: Zuletzt waren laut Auskunft der Stadt 1100 der E-Scooter in Regensburg im Einsatz. Laut internen Berechnungen des Anbieters Lime hat im Jahr 2025 im Schnitt alle 30 Sekunden eine Fahrt mit einem der Gefährte im Stadtgebiet stattgefunden. Die Auswertungen zeigten eine starke Nutzung an Werktagen in Kombination mit dem RVV und gleichzeitig mehr Fahrten in den späten Abend- und Nachtstunden als in vergleichbaren Städten üblich, heißt es in einer Pressemitteilung. Kürzlich brachte Lime auch E-Bikes zum Ausleihen auf den Straßen aus. Die Erweiterung des Angebots folge einer bestehenden Nachfrage.

Ob es deswegen auch mehr gefährliche Situationen wegen auf Gehwegen geparkter Gefährte gibt, steht auf einem anderen Blatt. Verena Bengler von der Pressestelle der Stadt räumt ein, dass außerhalb des Innenstadtbereichs weiterhin E-Scooter nicht ordnungsgemäß abgestellt werden – beispielsweise auf Gehwegen. „Eine rechtssichere Ahndung gestaltet sich in diesen Fällen schwierig, da in der Regel nicht eindeutig nachvollziehbar ist, wer für das nicht ordnungsgemäße Abstellen verantwortlich ist“, sagt sie.

Diese Maßnahmen ergreifen die E-Scooter-Verleiher

• Zeus: Pressesprecher Nico Reitemeier verweist auf klare Parkregeln in der App, eine verpflichtende Foto-Dokumentation beim Abstellen, technische Maßnahmen wie Parkverbotszonen in sensiblen Bereichen, schnelles Reagieren des Serviceteams oder Sanktionen bis hin zur Kontosperrung bei wiederholten Verstößen. Hinweise zu einzelnen Standorten prüfe Zeus unmittelbar und reagiere entsprechend.

• Lime: Laut einer Pressemitteilung setzt dieses Unternehmen auf ein verpflichtendes Parkfoto am Fahrtende oder automatisierte Prüfprozesse mit Nachkontrollen sowie Geofencing-Sperrzonen. Fahrzeuge sollen ausschließlich auf zugelassenen Flächen abgestellt werden. Zusätzlich gebe es mehrere Möglichkeiten, über die falsch abgestellte Fahrzeuge schnell gemeldet werden könnten.

Bei der Polizeiinspektion Nord liegen laut Thomas Hasler derzeit zwar keine besonderen Hinweise auf eine Häufung von Beschwerden im Zusammenhang mit störend abgestellten E-Scootern im Regensburger Norden vor. Vereinzelt gebe es die aber durchaus.

Nico Reitemeier, Pressesprecher von Zeus – das Unternehmen verleiht die E-Scooter, die Braun an diesem Tag so ärgern – räumt ein, dass es an stark frequentierten Kreuzungen wie der Donaustaufer Straße mit der Lechstraße vereinzelt zu nicht ordnungsgemäßem Parken durch einzelne Nutzer komme. Er beteuert: „Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden insbesondere von Menschen mit Sehbehinderung oder Mobilitätseinschränkungen hat für uns höchste Priorität.“ Wenn E-Scooter so abgestellt werden, dass sie Hindernisse darstellen, sei das nicht akzeptabel. „Wir nehmen solche Hinweise sehr ernst und bedauern ausdrücklich, wenn sich jemand dadurch gefährdet fühlt“, sagt der Pressesprecher. Jeder gemeldete Verstoß helfe, gezielt nachzubessern.

Was passiert, wenn ein Roller gefährlich dasteht?

Werde der Stadt bekannt, dass E-Scooter behindernd abgestellt wurden, werde die Betreiberfirma aufgefordert, diese umzusetzen, erklärt Bengler. „Selbstverständlich können die betroffenen Bürger dies auch direkt den Firmen melden“, ergänzt sie. Sollte ein Nutzer bei einem solchen Verstoß angetroffen werden, könne ein Verwarnungsgeld oder Bußgeld erhoben werden, sagt Hasler. Aber auch: „Liegt hingegen lediglich ein Fahrzeug auf dem Gehweg, ohne dass nachvollzogen werden kann, wer dieses dorthin geworfen hat, stellt dies ein Problem bei der Ahndung dieser Verkehrsverstöße dar.“

Braun reicht es. „Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, müssen die Dinger weg“, fordert er. Braun sei inzwischen bereit dazu, einen Bürgerentscheid wie in Gelsenkirchen anzustreben, wo die Gefährte verbannt wurden.