Darum lesen an der Grundschule in Bad Kötzting Schüler, was sie wirklich wollen

Von Stefan Weber · 4. März 2026 um 11:00

Wer kennt sie nicht: Regale in Bibliotheken, in denen sich Buchrücken dicht an dicht drängen – gerne auch mit Büchern, die vielleicht schon die Lehrer selbst zu ihrer Schulzeit hier vorgefunden haben. Doch: Spricht das die Schulkinder von heute noch an und motiviert sie zum Lesen? An der Grundschule in Bad Kötzting wurde den Schülern genau diese Frage gestellt, und heraus kamen sehr spannende Antworten.

Evi Gesellhofer, Stefanie Lankes und Karola Wiesmüller sind Lehrerinnen an der Grundschule und wissen, was ihre Schüler lesen wollen. Ganz einfach deshalb, weil sie und ihre Kollegen einmal nachgefragt haben – und das aus einem einfachen Grund: „In die Bücherei kam, wer eh gerne liest“, sagt Gsellhofer. Weil Lesen aber nun einmal der Weg zu allem Wissen ist, sei das den Lehrern natürlich zu wenig gewesen.

Das sind die Titel, die wirklich auf Interesse stoßen

Um auch die Schüler erreichen zu können, wurde Ende vergangenen Jahres die Umfrage gestartet, und dabei kam heraus, dass das, was die Schüler interessiert, so gut wie gar nicht in den Regalen vertreten war. Die „Schule der magischen Tiere“ etwa, oder „Minecraft“, „Petronella Apfelmus“ oder auch alle möglichen Tiptoi-Bücher stehen ganz oben auf der Liste der Schüler – und übrigens auch alles, was mit dem Gallier Asterix zu tun hat oder zum Lustiges-Taschenbuch-Universum gehört. „Was die Schüler lesen, ist erst einmal gar nicht so wichtig“, sagt Gsellhofer: „Am wichtigsten ist, dass sie überhaupt lesen!“

Um viel mehr Schüler als bislang mit dem Angebot in der Bücherei erreichen zu können, mussten also erst einmal viele Neuanschaffungen her. 1000 Euro Budget gab es dafür gleich einmal vom Elternbeirat. Als nächster Schritt folgte, dass rund 50 Prozent der vorhandenen Titel aus den Regalen genommen wurden, um Platz zu schaffen für neue Titel. Natürlich wurden die „alten Bücher“ bei einem Basar noch verkauft.

Aufruf: Wer kann weitere Bücher beisteuern?

Die Regale wurden außerdem auch nicht mehr dicht an dicht neu eingeräumt. Das neue Motto lautet: Lieber ein kleineres Angebot, das wirklich interessiert, und dafür auch noch ansprechend präsentiert wird. Der Erfolg habe sich schnell eingestellt, wissen nicht nur die Lehrerinnen, sondern auch Schüler wie Paula und Luis. Die beiden gehören zum Team der Schüler, die täglich zwischen 7.45 und 8 Uhr für die Ausleihe verantwortlich sind. Statt ein paar wenigen, die sich für das Angebot der Bücherei interessieren, bilden sich seit der Umstellung Schlangen von bis zu mehr als 20 Kindern.

Auf dem Tablet ist die Liste der bereits vorhandenen und noch fehlenden Bücher zu sehen, die sich die Schüler in ihren Befragungen gewünscht haben. - Foto:

Ein Erfolg, der nicht nur die Schüler, sondern natürlich auch die Lehrer freut – und ein Erfolg, an den es nun anzuknüpfen gelte. Natürlich sei es nicht möglich, die Titel ganzer mehrbändiger Buchreihen mit dem vorgegebenen Budget neu zu kaufen, sagen die Lehrerinnen. Doch vielleicht muss das gar nicht sein. Die Lehrerinnen haben eine Task-Card erstellte – quasi eine virtuelle Wunschliste – auf der die Reihen aufgelistet und bereits vorhandene Titel durchgestrichen sind. Natürlich hofft die Schule auf entsprechende Bücher-Spenden. Wer sich aber nicht ganz kostenlos von dem einen oder anderen Buch trennen will, dem wird schon auf der Liste ein Angebot gemacht.

Wichtig sei mit Blick auf den bisherigen Erfolg der Aktion, dass nicht wahllos alle möglichen Bücher angenommen werden können, denn schließlich sollen die Schüler künftig noch mehr in der Bücherei vorfinden, was sie interessiert, als bisher. Darum werden sie wohl in Zukunft auch öfter befragt werden, was sie wirklich lesen wollen.

■ Die Liste der noch benötigten Bücher gibt es auf einer Liste im Internet, die über einen QR-Code zu erreichen ist, der an die Schüler verteilt wird. Telefonisch ist die Schule zu erreichen unter (09941)8501 oder per Mail unter der Adresseinfo@gs-bad-koetzting.de

Lesepaten gesucht

■ Um das Lesen an der Grundschule weiter zu fördern, werden außerdem weitere Lesepaten gesucht.

■ Lesepaten sind Ehrenamtliche, die einmal pro Woche für 45 Minuten mit einem Kind lesen – natürlich auch hier vor allem, was den Kindern Spaß macht.

■ Aktuell gibt es schon einige Lesepaten an der Grundschule, doch ist der Bedarf noch viel höher.